Sekte "Zwölf Stämme" Prügelnde Lehrerin zu zwei Jahren Haft verurteilt

Eine Lehrerein der Sekte "Zwölf Stämme" muss für zwei Jahre ins Gefängnis. Das Landgericht Augsburg verurteilte sie wegen Körperverletzung und Misshandlung. Die Frau hatte ihre Schüler geschlagen.

Marina P. (rechts) zusammen mit ihrem Anwalt Alexander Knief vor dem Landgericht Augsburg
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Marina P. (rechts) zusammen mit ihrem Anwalt Alexander Knief vor dem Landgericht Augsburg


Eine Lehrerin der Sekte "Zwölf Stämme" ist zu zwei Jahren Gefängnis ohne Bewährung verurteilt worden, weil sie regelmäßig ihre Schüler verprügelt hat. Gegen die 56-Jährige wurde direkt Haftbefehl erlassen, sie wurde noch im Gerichtssaal festgenommen. Der Vorsitzende Richter des Landgerichts Augsburg begründete dies mit Fluchtgefahr.

In der ersten Instanz war die prügelnde Lehrerin vom Amtsgericht bereits zu zweieinhalb Jahren ohne Bewährung verurteilt worden. Dieses Urteil schwächte das Landgericht jetzt leicht ab. Dennoch muss damit erstmals ein Mitglied der Sekte wegen der Züchtigung von Kindern ins Gefängnis.

Die Frau hatte im Prozess zugegeben, dass sie als Lehrerin der sekteneigenen Schule ihre Schüler verprügelt hatte. Die Jugendschutzkammer sprach sie deshalb unter anderem der gefährlichen Körperverletzung und der Misshandlung von Schutzbefohlenen schuldig.

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Urchristen "Zwölf Stämme": Erziehung unter Schmerzen

Im September 2013 hatte die Polizei wegen der Prügelvorwürfe rund 40 Kinder aus den Gemeinschaften der Sekte im schwäbischen Klosterzimmern bei Deiningen und im mittelfränkischen Wörnitz geholt und in Heimen sowie Pflegefamilien untergebracht.

Im Laufe der Jahre ist die Sekte immer wieder mit deutschen Behörden und Gesetzen in Konflikt geraten. Dabei ging es um Vorwürfe der systematischen Kindesmisshandlung; außerdem weigerten sich die Sektenmitglieder immer wieder, ihre Kinder in öffentliche Schulen zu schicken.

Vor einiger Zeit hatte die Gemeinschaft deshalb angekündigt, Deutschland zu verlassen und sich in Tschechien und anderen europäischen Nachbarländern niederzulassen.

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Eine Sektenaussteigerin erzählt: Leben auf dem Minenfeld

him/dpa



insgesamt 22 Beiträge
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pinkflood 21.06.2016
1. Das Urteil
ist viel zu schwach und hat somit keine Signalwirkung. Solchen Leuten kann man nur mit drakonischer Härte entgegnen. Einsicht wird es eh nicht geben, aber so schreckt es auch nicht ab, so weiterzumachen.
dererzer 21.06.2016
2. Deshalb: Religion ab 18!
Meiner Meinung nach dürften Kinder gar nicht in diesen ganzen religiösen Quatsch hineingezogen werden. Würden sämtliche religiösen Handlungen, Lehren und Symbole erst ab 18 Jahren (in meinen Augen sind sie MINDESTENS genauso gefährlich für das Kindeswohl wie Schnaps oder Gewalt und Pornografie) gestattet könnten erwachsene Menschen ohne Indoktrination tatsächlich frei entscheiden ob sie die Lehren der einen oder anderen Religion für "richtig" oder "erstrebenswert" halten. Religionen sind immer wieder der Ursprung von Attentätern, Fundamentalisten und Verfolgung weil es den Kindern schon von klein auf eingetrichtert wird und solche Sekten wie in diesem Fall zählen dabei zu den schlimmsten Ausprägungen dieser traurigen Wahrheit. Kinder dürften dann auch nicht in den religiösen Gemeinschaften ausgebildet werden, wodurch solche Machenschaften (denen ein entsprechendes System der Gewalt zu Grunde liegt) erst gar nicht möglich wären.
FrankHiller 21.06.2016
3.
immerhin ohne Bewährung, allerdings halte ich 2 Jahre für zugering.
romanpg 21.06.2016
4.
Es ist eine Sache das öffentliche Bildungssystem abzulehnen. Kinder zu schlagen allerdings eine ganz andere. So etwas darf nicht geduldet werden. Das Urteil ergeht vollkommen zu Recht und hätte meiner Meinung nach auch härter ausfallen dürfen. Ich hoffe es ergehen weitere Verurteilungen die restlichen prügelnden Lehrkräfte und vor allem auch gegen deren Auftraggeber. Es ist ein Skandal, dass der Rechtsstaat dies überhaupt so lange geduldet hat.
lauterbachheiner 21.06.2016
5. Wann fängt denn Indoktrination an?
Zitat von dererzerMeiner Meinung nach dürften Kinder gar nicht in diesen ganzen religiösen Quatsch hineingezogen werden. Würden sämtliche religiösen Handlungen, Lehren und Symbole erst ab 18 Jahren (in meinen Augen sind sie MINDESTENS genauso gefährlich für das Kindeswohl wie Schnaps oder Gewalt und Pornografie) gestattet könnten erwachsene Menschen ohne Indoktrination tatsächlich frei entscheiden ob sie die Lehren der einen oder anderen Religion für "richtig" oder "erstrebenswert" halten. Religionen sind immer wieder der Ursprung von Attentätern, Fundamentalisten und Verfolgung weil es den Kindern schon von klein auf eingetrichtert wird und solche Sekten wie in diesem Fall zählen dabei zu den schlimmsten Ausprägungen dieser traurigen Wahrheit. Kinder dürften dann auch nicht in den religiösen Gemeinschaften ausgebildet werden, wodurch solche Machenschaften (denen ein entsprechendes System der Gewalt zu Grunde liegt) erst gar nicht möglich wären.
Wo wollen Sie da anfangen? Alle Werte die wir Kindern vermitteln, unsere Art zu leben, unser Wissen usw. sind am Ende doch auch eine Indoktrination. Ich halte religiösen Fundamentalismus auch für sehr gefährlich, keine Frage. Muss man dann aber Kinder nicht aufklären welche Religonen es gibt, natürlich völlig ohne Wertung von Religionen im Allgmeinen und der einzelnen im Besonderen? Schau ich mir hier in Sachsen den Lehrplan der Grundschulen an dann strotzt dieser z.B. von Religion. Aber nur der Christlichen. Ich muss meiner Tochter dann erklären warum das so ist und warum wir nicht gläubig sind und allen die es tun ihren Glauben lassen. Also selbst wenn man bewusst den Religionsunterricht ablehnt werden die Kinder vom Staat einseitig religiös beeinflusst. Da steht also ein weiter Weg bevor bis wir eine wirklich Trennung von Staat und Kirche erlangen...
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