Studentenjob bei der Straßenbahn Ich fahre lieber zweigleisig

Was sagt ein Geisteswissenschaftler im Taxi? Er fragt: Wo soll's denn hingehen? Der Witz ist alt und spiegelt zumindest nicht die Lage von Studenten in Augsburg wider: Dort werben die Stadtwerke jetzt angehende Akademiker als Tramfahrer an.

DPA

Das ist oft zu hören: Vielen Geisteswissenschaftlern drohe wegen fehlender Jobperspektiven ein Leben als Taxifahrer. In Augsburg hat das jetzt ein Ende. Dort können Studenten nun auf eine Karriere am Steuer einer Straßenbahn hoffen. Nach 26 Ausbildungstagen und der bestandenen Führerscheinprüfung durften in Bayerns drittgrößter Stadt Anfang September die ersten zwölf Studenten und zwei Studentinnen als Aushilfsfahrer bei den Stadtwerken anheuern.

"Wir wollten eine Entlastung für unsere Stammfahrer schaffen", sagt Jürgen Fergg von den Stadtwerken Augsburg. Pro Stunde verdienen die neuen Führungskräfte des dortigen Schienenverkehrs im Schnitt zwölf Euro. Das sei "besser als kellnern", findet Fergg.

Die Studenten sollen während der Ferien, in Stoßzeiten und vor allem bei Spielen des in die erste Bundesliga aufgestiegenen FC Augsburg eingesetzt werden. Bewähren sich die neuen Fahrer auch im Beisein volltrunkener Hooligans, könnte im Herbst ein neuer Schwung Hochschüler eingestellt werden. Neben Geschichtsstudenten gehören Maschinenbauer zum Team. Sollte einer von ihnen nach dem Studium keine Anstellung finden, könne man "über alles reden", verspricht Fergg.



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Dr. Sorglos 21.11.2011
1. Absolute Unverschämtheit
Es gäbe auch die Möglichkeit, die Straßenbahnen von Menschen mit Festanstellung und einer Vollzeitstelle fahren zu lassen, da es ohnehin zu wenig Arbeitsmöglichkeiten für niedrig qualifizierte Arbeitnehmer gibt - Stichwort: 9 Millionen Arbeitssuchende in Deutschland (Zahl des Statistischen Bundesamtes). Wenn ich mich richtig erinnere, war es zudem das Ziel der Bildungsreform, Studenten studieren und nicht beim Staat für kleines Geld jobben zu lassen? Das wäre aber vermutlich Kommunismus?
Kabe 21.11.2011
2. Kommt halt billiger...
....Studenten auf Stundenbasis anzustellen, als Arbeitslose oder Aufstocker. Mal ganz abgesehen davon, dass die sich auch mit ein paar Einsätzen im Monat etwas verdienen können, was für Arbeitssuchende eigentlich keine ausreichende Perspektive ist.
Coldfinger 21.11.2011
3. Gut so, zeigt es euren Professoren!
Die Karlsruher Verkehrsbetriebe praktizieren das „Studenten-Modell“ übrigens schon seit mehreren Jahrzehnten erfolgreich. Dass sich jemand darüber aufregt und ausschließlich hauptberufliche Fahrer auf dem Führerstand sehen möchte, halte ich für albern und unsolidarisch. Auch Studenten müssen von etwas leben – und sie sollten hin und wieder auch etwas Sinnstiftendes tun.
karabayan 22.11.2011
4. Auch Verkehrsbetriebe leiden unter Einsparungszwang
Auch hier in Köln fahren Studenten erfolgreich Straßenbahn. Es ist nicht so, dass hier Stellen für niedrig qualifizierte anderweitig vergeben würden. Zwar ist Straßenbahnfahrer an sich ein Hilfsarbeitertätigkeit, das kann aber noch längst nicht jeder. Die Aufgabe der Studenten ist es ganz klar, bei Spitzen, die über die normale Personaldecke nicht gedeckt sind, auszuhelfen. Das sind in Köln Events wie Fußballspiele, CSD oder Karneval, auch der Weihnachtsvorverkehr und verkaufsoffene Sonntage gehören dazu. Die studentischen Kräfte unterstützen damit dem Überstundenabbau der regulären Fahrer. Kurzfristige Urlaubsvergabe ist so erst möglich geworden, nachdem in den letzten 10 Jahren die Personale rapide abgebaut wurden.
karabayan 22.11.2011
5. Auch Verkehrsbetriebe leiden unter Einsparungszwang
Auch hier in Köln fahren Studenten erfolgreich Straßenbahn. Es ist nicht so, dass hier Stellen für niedrig qualifizierte anderweitig vergeben würden. Zwar ist Straßenbahnfahrer an sich ein Hilfsarbeitertätigkeit, das kann aber noch längst nicht jeder. Die Aufgabe der Studenten ist es ganz klar, bei Spitzen, die über die normale Personaldecke nicht gedeckt sind, auszuhelfen. Das sind in Köln Events wie Fußballspiele, CSD oder Karneval, auch der Weihnachtsvorverkehr und verkaufsoffene Sonntage gehören dazu. Die studentischen Kräfte unterstützen damit dem Überstundenabbau der regulären Fahrer. Kurzfristige Urlaubsvergabe ist so erst möglich geworden, nachdem in den letzten 10 Jahren die Personale rapide abgebaut wurden.
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