"Deutschlandstipendium" Da geht noch mehr

Knapp 14.000 Studenten erhalten das "Deutschlandstipendium" - mehr als doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Doch die Zahlen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Regierung hinter den selbstgesetzten Zielen zurückbleibt. Und zwar weit.

Hörsaal in Bochum: Kein Grund zum Feiern
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Hörsaal in Bochum: Kein Grund zum Feiern


Mit 300 Euro monatlich zusätzlich in der Tasche studiert es sich schon mal etwas entspannter. Mit dem von der Bundesregierung 2011 eingeführten "Deutschlandstipendium" sollen einmal acht Prozent aller Studenten gefördert werden. Je zur Hälfte bezahlt von Bund und privaten Geldgebern.

Im Jahr 2012, so gab das Statistische Bundesamt am Freitag bekannt, haben insgesamt 13.900 Studenten ein "Deutschlandstipendium" erhalten. Damit habe sich die Zahl der Stipendiaten im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Entsprechend erfreut reagierte Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU): Die Zahlen zeigten, dass "das Deutschlandstipendium bei Hochschulen, Studierenden und privaten Förderern immer bekannter und beliebter wird".

Doch was wie eine Erfolgsmeldung klingt, ist eigentlich kein Grund zum Feiern. Denn das von ihrer Amtsvorgängerin Annette Schavan (CDU) auf den Weg gebrachte und politisch umstrittene Förderungsprogramm kommt weiterhin nicht in Fahrt. Trotz der Steigerung der Stipendiatenzahlen hat das Bildungsministerium damit , wie schon im Herbst abzusehen war, das selbstgesteckte Ziel, ein Prozent der Studenten zu fördern, bei weitem nicht erreicht. Im Wintersemester 2012/13 lag der Anteil bei nur 0,6 Prozent.

Bis zu 36,7 Millionen Euro wären möglich gewesen

Zudem lassen sich die Zahlen kaum mit dem Jahr 2011 vergleichen, weil das neue Programm erst zum Sommersemester 2011 eingeführt worden war, während die meisten Studiengänge zum Wintersemester beginnen.

Auch finanziell wäre mehr möglich gewesen. Die Hochschulen gaben 2012 fast 13 Millionen Euro von privaten Mittelgebern, hauptsächlich Unternehmen, in Form von Stipendien an die Studierenden weiter. Der Bund gab noch einmal die gleiche Summe dazu. Doch er hätte gemäß Haushalt bis zu 36,7 Millionen Euro ausgeben können, wenn die Hochschulen mehr private Gelder eingetrieben hätten.

Das "Deutschlandstipendium" war eingeführt worden, um hohe Leistungen zu belohnen und eine neue Stipendienkultur anzuregen. Die meisten Studenten wurden 2012, wie schon im Vorjahr, demnach in der Fächergruppe Ingenieurwissenschaften gefördert. Danach folgten die Fächergruppen Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie Mathematik und Naturwissenschaften.

seh/dpa/AFP

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
r_w 24.05.2013
1. Es ist die Trägheit der Wirtschaft!
Wenn der Bund seinen Anteil als Zuschuss zu den von der Wirtschaft bereitgestellten Stipendien zahlt, und der Bund seine maximal mögliche Haushaltssumme für diesen Zuschuss nicht erreicht - wer ist dann schuld? Sicher nicht der Bund, denn der hat ja noch Geld über. Es sind die Unternehmen, die sich drücken. Sicher kann man das auf die Länder schieben, die nicht genug Unternehmen geworben haben. Aber wer nicht geworben werden will, wird auch nicht geworben. Vielleicht sollte die Wirtschaft ihrer Forderung nach hochqualifiziertem Personal mit hundert Jahren Berufserfahrung mal selbst nachkommen, indem sie entsprechende Stipendien bereitstellt. Der Bund beteiligt sich ja mit 50 %. Mehr kann man nicht erwarten. Die finanzielle Förderung von Studenten ist keine reine Bildungsangelegenheit, sondern vor allem ein Wirtschaftsfaktor. Also darf die Wirtschaft sich auch gern beteiligen!
kotar 24.05.2013
2. problem
"es sind die Unternehmen die sich drücken"...das stimmt nur teilweise. Die meisten Unternehmen haben ihre eigenen Programme. Außerdem gibt es noch andere Förderprogramme oder Events, bei denen Unternehmen als Sponsor auftreten. Nun kommen die Unis zu den Unternehmen und fragen wieder nach Geld...was meint ihr, wie die reagieren? Die Stipendiaten wissen nicht, wer sie da eigentlich fördert, es besteht keinerlei Kontakt zum Unternehmen. Daher wird hier kein Vorteil gesehen. Diese Aussagen stammen weitestgehend von einem meiner Professoren, welcher die glückliche Aufgabe hatte, Mittel für dieses Stipendium einzuwerben. Er sagte, sie werden am Ende definitiv noch Mittel vom Bund übrig haben und die angestrebte Quote niemals erreichen. Es scheint, als habe er recht behalten.
holdensturm 24.05.2013
3. Kein Wunder
Die Unternehmen haben eigene Förderprogramme und bilden darüber hinaus zunehmen duale Studenten aus, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Zusätzlich auch noch staatliche Stipendien zu bezuschussen, kommt da nicht jedem in den Sinn.
awoth 24.05.2013
4. Dilemma
einer eingefahrenen Strukur und Kultur des Nichtsponserns in Deutschland. Dieselbe global tätigen Unternehmen, die zB in den USA grosse Stipendien und scholarships auf extra stattfindende recruitimg events vergeben, ja manchmal den Besten direkt aufdrängen, schauen hierzulande den universitären Bittsteller verwundert an! Spenden?? Wir zahlen doch schon genug Steuern! Eine kleine Pizzeria auf unserem Campus war mit drei Stipendien wesentlich spendabler!
r_w 24.05.2013
5. Antwort
@kotar: Jedenfalls an meiner Uni ist ein Kontakt zu den Unternehmen vorgesehen. Man kann sich sogar direkt auf ein Stipendium eines bestimmten Unternehmens mit Angabe des Fachbereichs bewerben. Die Unternehmen erhalten dann den Kontakt des Bewerbers. @kotar, holdensturm: Es ist schon richtig, dass Unternehmen auch eigene Förderprogramme haben. Trotzdem reicht es in der Summe nicht ansatzweise an die Förderquoten im Ausland. Und Stipendien sind keine Sache des Staates - der stellt nur die grundlegenden Finanzierungsmittel sicher. Stipendien sind Förderprogramme und Sache von Unternehmen und Stiftungen. Die Idee des Deutschlandstipendiums ist deshalb, dass sich der Staat zur Hälfte an solche Stipendien der Wirtschaft beteiligt - und nicht anders herum.
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