200 Jahre Burschenschaften Vereint in Eisenach

Die Burschenschaftsszene feiert in Thüringen ihr 200-jähriges Bestehen. In den vergangenen Jahren hatten viele Verbindungen ihren als rechts geltenden Dachverband verlassen - pünktlich zum Jubiläum sind sie nun offenbar wieder dabei.

DPA

In Eisenach haben Mitglieder der umstrittenen "Deutschen Burschenschaft" an die Gründung der Ur-Burschenschaft vor 200 Jahren erinnert. Mehrere Hundert Burschenschafter aus Deutschland und Österreich versammelten sich dazu am Burschenschaftsdenkmal der thüringischen Stadt. Erstmals seit Jahren waren nach Angaben der Stadtverwaltung Eisenach keine Proteste gegen den Burschentag angemeldet gewesen.

Am 12. Juni 1815 trafen sich Studenten der Universität Jena im Gasthaus "Grüne Tanne" und schlossen sich zu einer Verbindung zusammen. Als Patrioten verstanden sie sich. Ihr Ziel: Die Kleinstaaterei in Deutschland sollte überwunden werden. Ihnen folgten weitere Gründungen in vielen deutschen Städten.

Heute, 200 Jahre später, präsentiert sich die Bewegung tief gespalten. Viele Burschenschaften haben in den vergangenen Jahren den Dachverband "Deutsche Burschenschaft" verlassen. Doch pünktlich zu den Jubiläumsfeierlichkeiten sehen Vertreter des Dachverbandes die Szene der Verbindungsstudenten wieder zusammenrücken.

Ein Zeichen dafür sei, dass zu den Feierlichkeiten auch Vertreter von Verbindungen kämen, die zuletzt aus dem Dachverband ausgetreten seien, sagt Philip Stein, der stellvertretende Sprecher der "Deutschen Burschenschaft". In Eisenach will die "Deutsche Burschenschaft" unter anderem mit einem Festakt am Freitag an die Gründung der ersten Burschenschaft 1815 in Jena erinnern.

Noch vor zwei Jahren wollte der Verband bei einem Treffen in der Stadt über eine Art "Ariernachweis" diskutieren lassen und zeigte sich damit einmal mehr als stramm rechts. Bereits zwei Jahre zuvor war es zu einem Eklat gekommen. Es ging um die Frage, wer "deutsch" genug ist, um Burschenschafter zu sein. Konkret: ob eine Burschenschaft, die einen chinesischstämmigen Studenten aufgenommen hatte, dem Dachverband angehören darf.

Viele Studentenverbindungen waren aus Protest aus der "Deutschen Burschenschaft" ausgetreten. Gestritten wurde aber auch über das Andenken der Hitler-Attentäter vom 20. Juli um Graf von Stauffenberg. Einige Burschenschaften stehen zudem wegen enger Verbindungen in die rechtsextreme Szene in der Kritik.

Fechtkämpfe gehören dazu

Nach Angaben der "Deutschen Burschenschaft" sind derzeit noch etwa 120 Vereinigungen mit zehntausend Mitgliedern aus Deutschland und Österreich in dem Dachverband organisiert, darunter 75 Burschenschaften. Anders als viele andere Studentenverbindungen sind Burschenschaften farbentragend, kleiden sich also zu offiziellen Anlässen in kämpferisch anmutende Uniformen. Viele Burschenschaften sind zudem schlagend. Das heißt: Fechtkämpfe gehören fest mit zum Verbindungsleben.

"Die Burschenschaftsbewegung war von Anfang an sehr heterogen bis hin zu Formen des politischen Extremismus", sagt der Würzburger Historiker Matthias Stickler. "Heutzutage gibt es mehr Burschenschaften außerhalb als innerhalb der Deutschen Burschenschaft." Die Mitgliederzahl habe sich seit den Sechzigerjahren drastisch verringert.

In den Nachkriegsjahren - damals wurden viele Studentenverbindungen in Westdeutschland neu gegründet - sei die Szene liberal-konservativ dominiert gewesen, erklärt der Historiker. In den Schzigerjahren habe es mit der Aufnahme der österreichischen Burschenschaften einen "Rechtsruck" gegeben. "Für viele Verbindungen wurde es mit der Zeit rufschädigend, in einem solchen Verband zu sein. Die schweigende liberal-konservative Mehrheit hat mit Austritten reagiert."

bkr/dpa

insgesamt 59 Beiträge
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gandhiforever 29.05.2015
1. Mit anderen Worten:
Die Rechtslastigkeit von Verbindungen ist normal in D.
Mach999 29.05.2015
2.
"Ihr Ziel: die Kleinstaaterei in Deutschland sollte überwunden werden." Das Problem vieler deutscher Burschenschaften ist, dass sie genau diesen Punkt nicht begriffen haben. Wo es damals um Vereinigung ging, geht es heute um Abgrenzung. Die ursprünglich progressiven Burschenschaften sind heute erzkonservativ. Aber das ist ja häufiger so. Es wäre sicherlich nicht im Sinne der Urburschenschaft, sich heute in Deutschland einzuigeln, sondern erneut die Kleinstaaterei zu beenden und Europa zu vereinen. Das kann man aber von den heutigen Burschenschaften nun wirklich nicht erwarten.
osnase92 29.05.2015
3. Jedes Jahr die selbe Seife
Wieso wird immer nur über die negativ auffallenden Dachverbände berichtet? Der KSCV und der WSC, die in den letzten Wochen ihr Tagungen hatten, tauchen hier nicht auch, obwohl beide Dachverbände tolerant und weltoffen sind.
mue3333 29.05.2015
4. Ohne Burschenschaften und Freicorps kein Deutschland
Ohne den Kampf der studentischen Freicorps gegen Napoleon gäbe es heute wahrscheinlich kein Deutschland. Aber das ist Geschichte. Studentenverbindungen heute sind meist Sammelbecken von desorientierten wohlsituierten Opportunisten.
tomblu 29.05.2015
5. ...
Was ist eigentlich der Zweck solcher Verbindungen, bzw warum existieren sie ueberhaupt und warum treten Leute diesen bei? Fuer mich klingt das irgendwie immer wie ein Verein aber ohne jeglichem Zweck/Sinn. Man moege mich aufklaeren.
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