200 Millionen für Potsdam Hasso Plattner lässt Euros regnen

Hey, big spender: Vor fünf Jahren startete Hasso Plattner, Mitbegründer und Ex-Chef von SAP, in Potsdam ein Institut für Softwaresystemtechnik. Nun pumpt er weitere gewaltige Summen aus seinem Milliardenvermögen hinein - und formuliert seine Erfolgsansprüche in kühnen Superlativen.


HPI-Hauptgebäude: Ein Silicon Valley in Brandenburg?

HPI-Hauptgebäude: Ein Silicon Valley in Brandenburg?

Potsdam - Die Wortwahl war schon mal weltmeisterlich. Der Wissenschaftsmäzen Hasso Plattner will das nach ihm benannte Potsdamer Institut für Softwaresystemtechnik zu einer "wissenschaftlichen Elite-Einrichtung mit Weltklasse-Niveau" ausbauen.

Wie der Mitbegründer und Aufsichtsratsvorsitzende des Software-Konzerns SAP am Freitag in Potsdam mitteilte, wird er dafür bis zum Jahr 2020 mehr als 200 Millionen Euro aus seinem Privatvermögen aufwenden. Der 60-Jährige ist einer der bedeutendsten privaten Wissenschaftsförderer in Deutschland.

Zusammenarbeit mit Stanford geplant

Durch das beschauliche Potsdam weht bereits seit fünf Jahren ein Hauch von Silicon Valley. Plattner, einer der reichsten Deutschen, entschied sich, in seiner alten Heimat das Institut für Softwaresystemtechnik aufzubauen. Bei 124 Millionen Mark sollten die Investitionen zunächst liegen: 24 Millionen für einen Neubau, der vor drei Jahren eingeweiht wurde, und 100 Millionen für den Lehrbetrieb der nächsten zwanzig Jahre. So wollte er "kreative, bildungshungrige junge Leute dahin locken, wo es schön ist".

HPI-Studenten: Neuer Typ von Informatikern

HPI-Studenten: Neuer Typ von Informatikern

Der Plan: Die Ausbildung soll die Lücke zwischen Informatik und Ingenieurwissenschaften schließen. Denn nach Auffassung von Plattner und seinen Mitstreitern sind Informatiker bisher zu sehr Software-Tüftler und zu wenig Software-Architekten. Die Absolventen sollen "keine Spezialisten für ausgefuchste Algorithmen sein, sondern den Überblick über das große Ganze behalten", wie es der Institutsdirektor formulierte.

Inzwischen hat das Hasso-Plattner-Institut die ersten Absolventenjahrgänge entlassen - und der Gründer seine Investitionen kräftig aufgestockt. Er will das HPI von sieben auf zehn Fachbereiche erweitern und um die notwendigen IT-Labors und Büroräume ergänzen. Über eine Außenstelle im kalifornischen Palo Alto werde künftig enger Kontakt mit der renommierten Stanford-Universität gesucht; einen Kooperationsvertrag bereitet Plattner derzeit vor.

Mäzen neuer Größenordnung

Hasso Plattner, der als Honorarprofessor an der Uni Potsdam bereits seit zwei Semestern Vorlesungen hält, gab bekannt, an seinem Institut zusätzlich noch die Leitung einer eigenen Fachgruppe zu übernehmen, die mit bis zu 20 hochmodernen Computerlabor-Arbeitsplätzen ausgestattet ist. Sie heißt "Enterprise Application Architectures" und soll praxisnah erforschen, wie verschiedene, hoch komplexe Unternehmenssoftwaresysteme durch Plattformen integriert und flexibel an neue Anwenderbedürfnisse angepasst werden können.

Mäzen Plattner: "Eigentum verpflichtet"
DPA

Mäzen Plattner: "Eigentum verpflichtet"

Das Potsdamer Institut ist nicht die einzige Einrichtung, die von Plattners Zuwendungen profitiert. So hatte er im vergangenen Jahr bereits über seine Stiftung zehn Millionen Euro für den Ausbau der Mannheimer Universitätsbibliothek spendiert.

Mäzenatentum à la Plattner ist in den USA durchaus verbreitet, in Deutschland in dieser Höhe dagegen beispiellos. Solche Initiativen seien "lebenswichtig nicht nur für die deutschen Universitäten, sondern auch für die wissensbasierte Industrie", sagte Wolfgang Frühwald, Präsident der Alexander-von-Humboldt-Stiftung, am Freitag in Potsdam.



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.