Abschlussarbeit Sechs Tipps für den großen akademischen Wurf

Von Philipp Braun

2. Teil: Literaturrecherche - Fachliteratur statt "Feuchtgebiete"


Literatur gilt es nun zu sichten. Viel Literatur. In Werken wie "Feuchtgebiete" (Charlotte Roche) zu blättern, ist es allenfalls dann zielführend, wenn du deine Abschlussarbeit zum Thema "Schorf als Metapher für Verwundbarkeit? Englische Migrantenliteratur zwischen Ekel und Erfolg" verfasst.

Buchautorin Roche: Hände weg von "Feuchtgebieten"
DDP

Buchautorin Roche: Hände weg von "Feuchtgebieten"

Ansonsten gilt: Hände weg von populärer Literatur. Jetzt würde dir weder das Buch noch das Credo "Ich bin dann mal weg" irgendwie weiterhelfen. Du bleibst in der Bibliothek und fängst an, relevante Bücher zu deinem Thema zu lesen. Ansonsten verschwendest du wertvolle Zeit, die dir später fehlen wird!

Vergrabe dich also in der Fachliteratur zu deinem Themenfeld: Wer wird ständig zitiert, wem kann man Glauben schenken? Welches Buch hat ein Vorwort respektive Qualitätssiegel von einem namhaften Wissenschaftler? Wer hat sich einen Doktortitel in Osteuropa erschlichen und saß dafür in Westeuropa im Gefängnis? All dies findest du in der Regel heraus, wenn du dich mit den ersten wissenschaftlichen Publikationen eingehend beschäftigst.

Verharre nicht lediglich beim üblichen Scannen der Inhaltsverzeichnisse, sondern lies dir relevante Kapitel des Buches wirklich durch. Nur so steigst du durch das System der Fußnoten und Sekundärquellen. Und nur so kannst du letzten Endes eine sinnvolle Gliederung und das Exposé deiner Abschlussarbeit verfassen. Mit diesem Exposé in der Hand solltest du dich nun auf den Weg machen zum Professor deines Vertrauens - falls du denn einen hast.

insgesamt 4 Beiträge
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pumpkin79 28.08.2008
1. Wer keine Erfahrung hat mit Abschlussarbeiten, sollte nicht darüber schreiben
Mit Interesse habe ich obigen Artikel gelesen, da ich selber jahrelang als Mitarbeiter Seminar- und Diplomarbeiten betreut und bewertet habe - und nicht zuletzt habe ich auch im Studium welche geschrieben. Was der Autor allerdings an Vorschlägen unterbreitet, ist leider fernab jeglicher Realität und teilweise, man verzeihe meine Wortwahl, etwas dummes Geschwätz. Wie kann der Autor als Tipp geben, sich Bücher für die Literaturrecherche vorzunehmen, wo doch Forschung zu 99% nicht über Bücher, sondern Artikel in referierten Zeitschriften läuft? Wie kann ein Tipp lauten, die Einleitung als erstes zu schreiben, wo man doch zu diesem Zeitpunkt gar nicht wissen kann, zu welchen Erkenntnissen die Arbeit am Ende kommt? Auch die Praxis des Exposé-Schreibens ist an vielen Universitäten nicht gefragt, zudem ist es auch nicht so schlimm wie beschrieben, einen Professor für seine Abschlussarbeit zu bekommen wie beschrieben, und ich komme von einer Fakultät mit mehr als 4000 Studierenden und einem sehr ungünstigen Studenten-Betreuer-Verhältnis. Hinzu kommt die Anforderung, die der Autor stellt, nämlich den großen akademischen Wurf zu landen. Wer die Latte so hoch setzt, kann nur scheitern, denn einem Studenten ist es einfach nicht möglich, etwas auf dem Niveau eines referierten Artikels zu schreiben (wenige Ausnahme mögen die Regeln bestätigen). Sonst wäre es wohl nicht sonderlich schwer, Forschungsleistungen wie die an der Uni zu erbringen. Meine Erfahrung legt folgende Tipps nahe: Intensive Literaturrecherche, vor allen in englischsprachigen Journals. Gerne auch Versuche, Forscher einmal interviewen zu können, das hilft ungemein. Rechtzeitiges Erstellen einer flexiblen Gliederung. Dabei Schwerpunkte setzen: Erstelle ich eine eigene Empirie, habe ich Ideen für ein Modell, am besten quantitativ? Und wenn ja, habe ich Hoffnung, überhaupt eine Lösung zu bekommen? Beginn des Schreiben mit dem Literaturüberblick. Regelmäßiger Kontakt zum Betreuer, immer Auszüge zum Lesen mitbringen. Die Arbeit immer gleich richtig formatieren. Einleitung und Fazit zum Ende schreiben. Viel Erfolg!
johann76!!! 28.08.2008
2. wenig hilfreich bis grotesk
Am schlimmsten finde ich, dass der Autor versucht, seine (im Kern z.T. evtl. ja gar nicht unbedingt nur falschen) Tipps, als allgemeingültig zu verkaufen. Zwar mag manches für eine geisteswissenschaftliche Wissenschaftskultur zutreffend sein, für empirisch orientierte Fächer ist aber das Meiste völlig unsinnig. Es ist traurig, dass hier scheinbar die Vorstellung zugrunde liegt, Wissenschaft bestehe darin, in Bibliotheken aus alten Büchern abzuschreiben. So funktioniert moderne Forschung nicht. Und der Vorschlag, ein „Zeit“-Dossier als Ausgangspunkt einer wissenschaftlichen Arbeit zu wählen, ist geradezu grotesk. Von peer-reviewed Journals scheint der Autor noch nie gehört zu haben. Meinen Studierenden würde ich jedenfalls dringend davon abraten, sich an diesen „Tipps“ zu orientieren.
WebFritzi 06.11.2008
3. Danke
Ganz eurer Meinung. Aber was erwartet man von Spiegel-Redakteuren... Die haben ja eh keine Ahnung von Wissenschaft.
altbauer 02.04.2009
4. Weltfremd
Auch ich teile die Einschätzung, dass diese Ratschläge von einem eher Unbedarften stammen. Wer eine wissenschaftliche Arbeit mit der Einleitung beginnt, der kann eigentlich schon aufgeben, denn das funktioniert nicht. Wie man eine Arbeit schreibt und organisiert findet man z.B. hier recht gut beschrieben und erklärt: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/LITERATUR/
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