Hilfe vom WG-Psychologen Plötzlich ist ihr Ex-Freund wieder da

Freyas Mitbewohnerin trennte sich von ihrem Freund, und Freya zog als Nachmieterin in dessen Zimmer. Doch plötzlich sind die beiden wieder ein Paar. Nun fürchtet Freya um ihre Bleibe. Was tun? Ludger Büter weiß Rat.

"Ich würde so gern hier bleiben": Freya hat viel Geld und Arbeit in die neue WG gesteckt. Doch dann ist der Vormieter wieder zurück. (Symbolbild)
Corbis

"Ich würde so gern hier bleiben": Freya hat viel Geld und Arbeit in die neue WG gesteckt. Doch dann ist der Vormieter wieder zurück. (Symbolbild)


Zur Person
  • Eric Lichtenscheidt
    WG-Krach war für Ludger Büter lange Alltag:
    Der Diplom-Psychologe schlichtete im Auftrag des Kölner Studentenwerks Konflikte in Wohngemeinschaften. Auf dieser Seite lindert er den WG-Kummer der SPIEGEL-ONLINE-Leser.
Freya, 21, schreibt:

Lieber WG-Psychologe,

Ich wohne seit einem Jahr in einer traumhaften Altbauwohnung, super zentral, günstig, einfach perfekt. Wie ich zu diesem Glück kam? Meine Mitbewohnerin hat sich von ihrem Freund getrennt und mich dann zur Nachmieterin für sein Zimmer erkoren.

Frisch eingezogen fielen mir Dinge auf, die ich durch die rosarote Brille einer Wohnungssuchenden nicht gesehen habe: Ungestrichene Wände, keine Lampenschirme, versiffter Duschvorhang vom Vormieter... Weil ich mir etwas von der Wohnung versprach, investierte ich einiges und brachte das Ganze auf Vordermann.

Leider kam meine Mitbewohnerin nur gut zwei Wochen nach meinem Einzug wieder mit ihrem Exfreund zusammen. Jetzt ist er wieder da, und sie genießen gemeinsam die neu herausgeputzte Wohnung. Sie machen auch keine Anstalten, woanders zusammenzuziehen.

Das heißt, für die ist es genauso wie vorher, nur schöner, und ich darf auch noch dafür zahlen.

Meine Befürchtung ist, dass meine Mitbewohnerin überhaupt nicht mitbekommt, dass die Situation so nicht jahrelang haltbar ist und gemütlich mit ihrem Freund vor sich hinlebt in einer Wohnung, die ich nicht aufgeben möchte. Ich bin verzweifelt.

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Ratgeber fürs Zusammenwohnen: Was nun, Herr WG-Psychologe?
WG-Psychologe Ludger Büter antwortet:

Liebe Freya!

Eine WG besteht wie ein PC aus Hard- und Software. Ihre Begeisterung gilt der Wohnung, der Hardware sozusagen, Ihre Verzweiflung dem Leben darin. Dieses läuft Ihren Ansprüchen und Neigungen gründlich zuwider. Mit Sicherheit sind Ihre Nachbarn nicht unzufrieden mit Ihren Maßnahmen und Ihrem finanziellen Engagement. Warum also sollten sie ausziehen?

Wie Sie in einer WG zurechtkommen, hängt sowohl von der Wohnung ab als auch von den Menschen, mit denen Sie dort leben müssen. Die Begeisterung für die Unterkunft verstellte Ihnen den Blick auf alles andere.

Es gab etliche augenfällige Hinweise, die Ihnen als Warnung dienen konnten. Einige Fragen zum Zustand und zur künftigen Pflege der WG hätten Ihnen vielleicht schon bei Ihrer Bewerbung Gewissheit verschafft über das, was Sie erwartete.

Bevor Sie aufgeben, können Sie selbstverständlich versuchen, Ihre Nachbarin um Unterstützung zu bitten. Klären Sie, ob ihr das verschönerte Umfeld etwas bedeutet und was sie bereit ist, in Zukunft mit Ihnen gemeinsam für den Erhalt der Wohnung zu tun. Treffen Sie formale Absprachen über die Behandlung der Gemeinschaftsräume, wie das in allen WGs üblich ist oder sein sollte.

Dann werden Sie bald wissen, ob die Nachbarin Mitarbeit anbietet. Was die Beziehung Ihrer beiden Mitbewohner nach dem Muster zweier Satelliten auf instabiler Umlaufbahn angeht, sage ich dieser ein baldiges Ende voraus. Ob das Ihre Situation entscheidend verbessert, wage ich aber nicht zu prophezeien.

  • Silja Götz
    Wohngemeinschaften sind toll, das einzig Lästige sind die Mitbewohner. Sie leeren dein Nutella-Glas, haben lauten Sex und noch lautere Musikanlagen. Oder weint dein Zimmernachbar dauernd und wirkt depressiv? Schreist du alle nur noch an? Bei WG-Kummer hilft Psychologe Ludger Büter. Schick deine Fragen, Sorgen, Probleme an wg-kummer@unispiegel.de. Mit einer Einsendung erklärst du dich mit einer anonymen Veröffentlichung auf SPIEGEL ONLINE und sämtlichen anderen Medien der SPIEGEL-Gruppe einverstanden.

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insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
rigouh 26.09.2015
1.
Solche Investitionen teilt man sich normal in der WG auf. Und mit der Mitbewohnerin sollte man mal reden. Es geht ja auch um Sachen wie Nebenkosten die steigen wenn der Freund ständig da ist. Wenn nichts fruchtet gibt es einen nervigen Machtkampf, viel Spaß dabei wenn man kein Druckmittel hat. Der Anspruchsvollere verliert.
BettyB. 26.09.2015
2. Guter Rat
Fragen sie nie einen Psychologen...
Sabin Chen 26.09.2015
3. stimmt
der Psychologe hat recht. Pärchen die getrennt und wieder zusammen gekommen sind, werden auch bald wieder getrennt sein. Was das aber mit den Investitionen zu tun haben soll, versteh ich nicht. Sie hätte doch so oder so alles verändert. Ob nun für 1 oder 2 Personen, ist doch irrelevant. Kosten werden immer geteilt. Durch 2 oder eben durch 3.
taglöhner 26.09.2015
4. Abschreiben
Wer solo ist, sollte nich zu einem Pärchen ziehen. Wer unversehens mit einem Pärchen zusammenleben muss, bekommt sehr wahrscheinlich bald Probleme, oder wird zu einem. Schlechte Prognose, meint Küchenpsychologe taglöhner.
superswissmiss 26.09.2015
5. Zwei Wochen Wartezeit
Habe ich richtig gelesen? Die WG-Partnerin der Ratsuchenden kam nur zwei Wochen nach Einzug wieder mit dem Ex zusammen? Das heisst ja wohl, dass die Ratsuchende gleich nach dem Einzug die Wohnung auf Vordermann gebracht hat. Wäre es nicht klüger gewesen, ein paar Wochen zusammen zu wohnen, bevor man die Wohnung renoviert? Hätte ja auch sein können, dass man sich für eine 2er-WG nicht genug versteht und lieber wieder auszieht. Dann wären die Investitionen auch Futsch gewesen. Ausserdem trifft man über solche Dinge vorher eine Absprache: Wer zahlt was? Wer macht was? Was passiert bei einer Kündigung, d.h. zahlt einer dem andern eine Entschädigung oder nimmt die Lampenschirme mit? Das Ganze hält man schriftlich fest. Auf alle Fälle wird es der Ratsuchenden eine Lehre fürs nächste Mal sein. Jetzt hilft nur noch, das Gespräch mit der Mitbewohnerin suchen, sich ggf. mit der Situation arrangieren, wenn diese nicht kooperativ ist und sonst ausziehen.
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