Hilfe vom WG-Psychologen Er klaut mir Geld fürs Casino

Der Mitbewohner ist ein Zocker, geht in die Spielhalle und setzt hohe Summen beim Online-Pokern. Als Marcus Geld fehlt, kommt ein schlimmer Verdacht auf. Wie soll er das Thema ansprechen? WG-Psychologe Büter hilft weiter.

Rien ne va plus: Mit dem Geld der Mitbewohner sollte man nicht an den Roulette-Tisch gehen
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Rien ne va plus: Mit dem Geld der Mitbewohner sollte man nicht an den Roulette-Tisch gehen


Zur Person
  • Eric Lichtenscheidt
    WG-Krach war für Ludger Büter lange Alltag:
    Der Diplom-Psychologe schlichtete im Auftrag des Kölner Studentenwerks Konflikte in Wohngemeinschaften. Auf dieser Seite lindert er den WG-Kummer der SPIEGEL-ONLINE-Leser.

Marcus, 33, schreibt:

Hallo Herr Büter,

zugegeben, ich achte nicht sehr penibel auf meine Finanzen, sondern hebe auch mal tausend Euro auf einmal ab und lasse das Geld nicht sonderlich gut versteckt auf meinem Schreibtisch liegen. Neulich habe ich 17 Fünfzig-Euro-Scheine unter einem Hut verwahrt.

Nachdem ich eine Nacht außer Haus war, waren es nur noch 14 Scheine. Es war nicht das erste Mal, dass Geld wegkam. Ich habe das Gefühl, dass mein neuer Mitbewohner mich beklaut.

Beweise habe ich keine, der Neue in unserer WG hat allerdings einen auffälligen Hang zum Glücksspiel. Er pokert online um ziemlich hohe Summen, setzt mitunter tausend Euro und geht auch ins Casino. Einmal erzählte er mir sogar, dass er sich vom Casino selbst für einen Monat hat aussperren lassen, weil es ihm zu viel wurde.

Und es kommt auch schon mal vor, dass er gegen einen Kollegen eine Runde "Schere, Stein, Papier" spielt. Einsatz: 50 Euro. Geldsorgen dürfte er eigentlich nicht haben: Er verdient deutlich mehr als ich - und mein Gehalt reicht schon mehr als aus, um gut über die Runden zu kommen.

Und dann ist da noch seine Art. Schwer zu beschreiben, aber auf mich wirkt er stets berechnend und kühl. Das ist aber einfach nur ein Gefühl von mir.

Soll ich ihm eine Falle stellen, gar eine Kamera installieren oder ihn direkt ansprechen? Wenn er es war, bräuchte er sicherlich auch Hilfe.

Ich bin für jede Hilfe dankbar.

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Ratgeber fürs Zusammenwohnen: Was nun, Herr WG-Psychologe?

WG-Psychologe Ludger Büter antwortet:

Lieber Marcus!

Ihr Mitbewohner zeigt eine erstaunliche Offenheit in Bezug auf seine Leidenschaft zu teurem Glücksspiel. Ob Ihnen das nun eine Warnung hätte sein können oder nicht - es war und ist in jeder WG eine große Unvorsichtigkeit, nennenswerte Geldbeträge herumliegen zu lassen.

Was ein nennenswerter Geldbetrag ist, hängt selbstverständlich von den Umständen ab. Was Ihnen als Bagatellbetrag erscheinen mag, wäre für einen studentischen Mitmieter keiner. Wer wie Ihr Mitbewohner vierstellige Summen buchstäblich aufs Spiel setzt, erachtet ein paar Hundert Euro nicht als hohe Summe - und deren Diebstahl daher womöglich als Kavaliersdelikt.

Ich rate Ihnen wie jedem anderen WG-Mitglied, Geld sorgfältig zu verwahren, immer und grundsätzlich! Wer würde Ihnen das vorwerfen? Vorwürfe riskieren Sie eher mit der bislang praktizierten Sorglosigkeit.

Es ist natürlich möglich, dass Ihr Mitbewohner mit dem Diebstahl nichts zu tun hatte und Sie ihn zu Unrecht verdächtigen. Das Verschwinden des Geldes können Sie selbstverständlich zum Thema machen. Verweisen Sie auf das, was Sie feststellten. Bitten Sie ihn um gemeinsame Überlegungen, wie das passiert sein könnte und welche Maßnahme Sie erwägen.

Das ist die deutlichste Warnung, die Sie auf ebenso freundliche wie konkrete Weise lancieren können.

  • Silja Götz
    Wohngemeinschaften sind toll, das einzig Lästige sind die Mitbewohner. Sie leeren dein Nutella-Glas, haben lauten Sex und noch lautere Musikanlagen. Oder weint dein Zimmernachbar dauernd und wirkt depressiv? Schreist du alle nur noch an? Bei WG-Kummer hilft Erziehungswissenschaftlerin Sabine Stiehler. Schick deine Fragen, Sorgen, Probleme an wg-kummer@unispiegel.de. Mit einer Einsendung erklärst du dich mit einer anonymen Veröffentlichung auf SPIEGEL ONLINE und sämtlichen anderen Medien der SPIEGEL-Gruppe einverstanden.
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Seite 1
jhea 03.11.2015
1. Der einzige Tip der hier erfolgen sollte
Nicht 1000 Euro auf dem Schreibtisch rumliegen lassen, und schon gar nicht das Zimmer unabgeschlossen zurücklassen. Darüber hinaus dann Anzeige bei der Polizei stellen. Fertig
jujo 03.11.2015
2. ...
Dem Mitbewohner mitteilen das unerklärlich des öfteren Geld fehlt und daher das Zimmer in Zukunft verschlossen bleibt bei Abwesenheit. Das ist zwar eine indirekte Anschuldigung, da wird wohl gegengefragt ob er verdächtigt wird. Da kann man klar sagen ja, man hätte aber keine Beweise. Das Zimmer aber verschlossen bliebe. Das Verhältnis dürfte dann belastet sein, vielleichtet outet der Mitbewohner sich aber auch, das er abhängiger Zocker ist.
Willi Wacker 03.11.2015
3.
Zitat von jujoDem Mitbewohner mitteilen das unerklärlich des öfteren Geld fehlt und daher das Zimmer in Zukunft verschlossen bleibt bei Abwesenheit. Das ist zwar eine indirekte Anschuldigung, da wird wohl gegengefragt ob er verdächtigt wird. Da kann man klar sagen ja, man hätte aber keine Beweise. Das Zimmer aber verschlossen bliebe. Das Verhältnis dürfte dann belastet sein, vielleichtet outet der Mitbewohner sich aber auch, das er abhängiger Zocker ist.
Ich hatte mal einen Bekannten, der zum Junkie geworden ist. Der hat geklaut wie ein Rabe, keine Rücksicht auf irgendwelchen Freundschaften. Sie möchten sicher nicht hören, welches Mittel er gegen sich und seinesgleichen empfahl.
lindenbast 03.11.2015
4.
Natürlich sollte man keine solchen Beträge einfach herumliegen lassen, aber auch wenn man's tut, darf es jemand anderes nicht einfach klauen. Ich würde besser auf meine Sachen aufpassen, mich aber mittelfristig um eine andere Wohnung bemühen. Man lebt nicht sonderlich gemütlich, wenn man weiß, man muss permanent besonders sorgfältig auf sein Eigentum aufpassen. Anzeige? Geht vermutlich, da keine Beweise, aus wie das Hornberger Schießen, da zerschlägt man nur viel Porzellan für nichts und wieder nichts. Das gilt auch für Zur-Rede-Stellen. Auszug halt.
112211 03.11.2015
5. Kluge Erfahrung
1. Erfahrung: vor Jahren hatte ich meiner -vermeintlich!- besten Freundin ein paar Überweisungsbelege gegeben, da ich für ein Jahr im Ausland weilte. Sie hat davon ein Bußgeld in Höhe von 60 € bezahlt. Als ich wieder in Deutschland war, habe ich das natürlich schnell bemerkt und mit etwas Mühe herausgefunden, was sich hinter dem Text der Überweisung verbarg. Ich habe zuerst überlegt, wie ich es ansprechen sollte und kurzerhand den direkten Weg gewählt. Das Geld hatte ich umgehend zurück und die Freundschaft dauerte dann nur noch wenige Stunden. 2. Klug: in meiner (Zweck-)WG wohne ich mit einem netten Mann zusammen. Damit es auch weiterhin nett bleibt, habe ich mir einen kleinen Tresor angeschafft. Den präsentiere ich natürlich nicht öffentlich. Mein Mitbewohner weiß eigentlich auch nichts davon. Das gibt mir eine gewisse Sicherheit. Da der MItbewohner nichts vom Tresor weiß, entsteht kein Misstrauen.
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