AfD-Gruppe an der Uni Düsseldorf Nur noch mit Pfefferspray auf den Campus

Vor zwei Jahren gründete David Eckert eine AfD-Hochschulgruppe an der Uni Düsseldorf. Seitdem fühlt der 24-Jährige sich verfolgt, Flugblätter warnen vor dem "Brandstifter".

Privat

Von Daniel Schrader


David Eckert hält sich nur noch selten auf dem Campus der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf auf. Und wenn doch, dann nur mit Pfefferspray in seiner Tasche. Eingesetzt hat er es noch nicht, aber: "Man weiß ja nie."

Der 24-jährige Student der Sozialwissenschaften gründete vor knapp zwei Jahren eine der ersten Hochschulgruppen der AfD, die Campus Alternative Düsseldorf. Seitdem fühlt er sich vielen Anfeindungen ausgesetzt.

Bereits das erste Treffen der Gruppe endete mit einem Polizeieinsatz, da sich die AfDler von pöbelnden Kommilitonen bedroht fühlten. Zudem berichtet Eckert von Vorfällen, die ihn persönlich betrafen. So seien in seinem Wohngebiet Flugblätter ausgehängt worden, die ihn "geistigen Brandstifter" nannten. In einem anderen Fall hätten Unbekannte Scheiben seines Wohnhauses eingeschlagen und Hammer und Sichel auf der Fassade hinterlassen.

Eckert trägt ein weißes Hemd und einen glattgezogenen Scheitel. Spricht er über sich oder die AfD-Hochschulgruppe, tut er das bestimmt, aber ruhig. Eckert gründete den Campusableger, um die Partei in akademischen Kreisen zu etablieren. "Ich möchte den Studenten die Berührungsängste vor der AfD nehmen", erzählt er.

Ein ehrgeiziges Ziel. Denn trotz hoher Umfragewerte in der Bevölkerung ist die Zustimmung für die AfD unter Studenten deutlich geringer. So übernahm zwar in Kassel kürzlich der erste AfD-Vertreter einen Sitz in einem Studierendenparlament (Stupa), der Stimmenanteil blieb mit vier Prozent jedoch überschaubar.

Wahlplakate der AfD-Liste Uni Düsseldorf
Afd Uni Düsseldorf

Wahlplakate der AfD-Liste Uni Düsseldorf

Wie viele AfD-Gruppen es an Hochschulen gibt, ist schwer zu schätzen. Ableger gibt es in vielen Städten, aber im Gegensatz zur Liste in Düsseldorf stehen nicht alle in offizieller Verbindung zur Partei. Gemeinsam ist ihnen jedoch der häufig genannte Vorwurf, Verbindungen ins rechtsextreme Milieu zu haben.

In Düsseldorf gehören drei der 18 Mitglieder zur rechten Burschenschaft Rhenania-Salingia. Ein ehemaliges Mitglied soll zuvor Anhänger der Identitären Bewegung gewesen sein, die von Wissenschaftlern im Rechtsextremismus verortet wird. Eckert hingegen kann in seiner Gruppe kein rechtsextremes Gedankengut entdecken. Er verweist darauf, dass jeder Interessent im Vorfeld auf etwaige extremistische Hintergründe überprüft werde.

Es sind aber nicht nur Verbindungen nach rechts, die der Düsseldorfer Gruppe den Zugang zur Studentenschaft erschweren, sondern auch ihre Unbekanntheit. Während sie sich bei Facebook durch Beiträge zu Zuwanderung und anderen AfD-Themen mit mehr als 1.300 Likes eine gewisse Fangemeinde aufgebaut hat, ist sie auf dem Campus kaum präsent.

Dort fielen die Studenten-AfDler erstmals öffentlich auf, als sie unter dem Stichwort "Bildungsbombe" eines Abends eine Statue von Heinrich Heine mit einer Burka verhüllten. Laut Eckert, um eine Debatte über den Islam und Bildung zu beginnen. Die Spuren davon waren jedoch am selben Abend wieder beseitigt, die gewünschte Debatte blieb aus. Auf der Facebook-Seite der Gruppe wurde lediglich über die Aktion im Allgemeinen diskutiert. Viele Nutzer sahen darin einen plumpen Versuch, Muslime als Terroristen zu stigmatisieren, einzelne äußerten sich auch positiv.

Aktion der AfD-Hochschulgruppe Düsseldorf
David Eckert

Aktion der AfD-Hochschulgruppe Düsseldorf

Wer sich in der Studentenschaft nach den AfDlern umhört, blickt überwiegend in fragende Gesichter: "Was? So etwas gibt es hier?", sagt die 24-jährige Romanistikstudentin Johanna Kelm. Ob sie sich vorstellen könne, diese Gruppe zu wählen? "Niemals!" Mit der fremdenfeindlichen Politik, die hinter dem Label AfD steht, möchte sie, wie viele andere Studenten auf dem Campus, nichts zu tun haben.

Bei der Stupa-Wahl im Juli wollten die Uni-AfDler diese Abneigungen abbauen. Doch das erwies sich als schwierig. Das Interesse an ihnen und ihren Flyern war gering. Frust machte sich breit. "Man kann sich ja wenigstens mal informieren", ärgerten sich die Mitglieder am Stand. Zudem kam es schon am ersten Tag erneut zu einem Polizeieinsatz, da eine Gruppe Studenten die Mitglieder am Infostand anpöbelte und ihre Flyer zerstörte.

Dass die Gruppe überhaupt an der Wahl teilnahm, war für den 24-jährigen Biologiestudenten Gary Strauß eine Überraschung. Seit einigen Jahren engagiert er sich in der Hochschulpolitik. Bei Parlamentssitzungen habe er die AfDler bislang nur wenige Male angetroffen, erzählt er. Einmal davon im Rahmen eines Fernsehbeitrages, der über sie produziert wurde. Als Strauß von den Wahlabsichten der AfD-Hochschulgruppe erfuhr, gründete er spontan die Liste "Affen für Düsseldorf", um einen Erfolg der Kandidaten zu verhindern.

Sein Plan: Je mehr Leute seine Liste unterstützen, desto geringer der prozentuale Stimmanteil des AfD-Ablegers. "Aus meiner Sicht sollte eine Studierendenschaft nicht von solchen Personen repräsentiert werden", sagt er.

"Abstruse Verschwörungstheorien"

Doch dazu kommt es vorerst nicht, denn die Wahl wurde vorzeitig abgebrochen. Vom Wahlausschuss, dessen Mitglieder das Stupa bestimmt, wurde dieser Schritt mit Pannen in der Organisation begründet. Beispielsweise fehlte auf dem Wahlzettel eine Kandidatin der Liberalen. David Eckert vermutet dagegen, dass der Abbruch das Ziel habe, seine Gruppe zu stoppen. Ab Herbst sei er als prominentestes Gesicht nicht mehr auf dem Campus, da er dann sein Studium abschließe. Beweise hat er dafür nicht.

"Das sind abstruse Verschwörungstheorien", erwidert die Asta-Vorsitzende Charlotte Ballke. Sie verweist darauf, dass alle Gruppen vom Abbruch betroffen seien. Wenige Tage nach dem Abbruch stellte sich der Wahlausschuss im Stupa den Fragen der Listen. Ohne Beteiligung der AfDler.

Im November soll die Wahl wiederholt werden. Dann ohne Eckert und mit neuem Namen: Als "Campus Alternative" verzichten die Mitglieder zukünftig auf das Label "AfD". Man wolle die Partei nicht durch provokante Aktionen in Mithaftung nehmen, heißt es in der Begründung. Vielleicht ist es für sie auf dem Campus aber auch schwieriger als gedacht.


Lesen Sie hier, wie Schüler bei einer politischen Veranstaltung an ihrem Gymnasium darauf reagieren, dass AfD und NPD nicht eingeladen waren:

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.