Afghanischer Surf-Pionier "Eine Küste brauchst du dafür nicht"

Afridun Amu will afghanischer Meister im Wellenreiten werden und hat dafür eigens einen Verband gegründet. Das Ziel des Berliner Studenten: die ganz großen Wellen bei der Surf-WM in Nicaragua.

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Ein Interview von


Zur Person
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    Afridun Amu, 27, gebürtiger Afghane, macht gerade ein Doppelstudium aus Jura und Kulturwissenschaften in Berlin. Mit fünf Jahren kam Amu als politischer Flüchtling nach Deutschland. Inzwischen hat er einen deutschen Pass, darf aber trotzdem um den afghanischen Titel mitsurfen. Afghanischer Meister kann werden, wer einen Elternteil hat, der in Afghanistan geboren wurde. So steht es in der Satzung des afghanischen Wellenreiter-Verbandes, den Amu mitgegründet hat.
SPIEGEL ONLINE: Herr Amu, mit einem Freund haben Sie den ersten afghanischen Wellenreiter-Verband gegründet. Afghanistan hat keine Küste. Warum das Ganze?

Amu: Ich surfe seit zehn Jahren, und in Marokko habe ich einen Surfer kennengelernt, der schon dem türkischen und dem norwegischen Verband geholfen hat, von der International Surfing Association (ISA) anerkannt zu werden. Also dachte ich: Machen wir auch. Eine Küste braucht es für so eine Verbandsgründung nicht. Für Wettkämpfe natürlich schon. Da brauchst du einen Ozean.

SPIEGEL ONLINE: Wie gründet man einen Wellenreiter-Verband für Afghanistan?

Amu: Für Sport gab es in Afghanistan viele Jahre keine Strukturen. Wir haben an die ISA geschrieben und an die deutsche Botschaft in Afghanistan. Uns wurden Auflagen gemacht: eine Satzung, Mitglieder. Inzwischen haben wir 20 aktive Surfer und eine Verwaltung mit zwölf Leuten.

SPIEGEL ONLINE: Welchen Stellenwert hat Surfen in Afghanistan?

Amu: Keinen - aber wir sind eine der größten Exil-Bevölkerungen der Welt. Eine große Diaspora existiert in Kalifornien und Australien, wo Surfen sehr beliebt ist. Auch ich bin als afghanistanstämmiges Kind in Deutschland zum Wellenreiten gekommen.

SPIEGEL ONLINE: Was wollten Sie mit dem Verband erreichen?

Amu: Erst mal sollen sich hier alle surfenden Afghanen austauschen können und zusammen wellenreiten. Gleichzeitig wollten wir der Surf-Community auch Afghanistan näher bringen. Und natürlich war es auch eine Motivation, irgendwann mal an einer Weltmeisterschaft teilzunehmen.

SPIEGEL ONLINE: Jetzt wollen Sie aber erst mal die erste afghanische Meisterschaft ausrichten. Wo denn?

Amu: Im Mai küren wir in Portugal die ersten Afghanischen Meister bei Männern und Frauen - wenn wir über unsere Crowdfunding-Kampagne genügend Geld zusammenkriegen, um den Teilnehmern die Anreise zu finanzieren. Wenn das gut geht, schicken wir die Gewinner zur Weltmeisterschaft nach Nicaragua.

SPIEGEL ONLINE: Hoffen Sie selbst auch auf den Meistertitel?

Amu: Durchaus, ich bin ähnlich gut wie die anderen afghanischen Surfer, die sich bisher angemeldet haben. International haben wir wohl keine Chance, wenn wir mal ehrlich sind. Aber, hey: Es winkt eine Teilnahme an der Weltmeisterschaft.

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insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
drs3 31.03.2015
1. Nicaragua....
Ein super Surfspot. Selten so regelmässige Wellen gesehen... Aber ganz Gross ?
spon-facebook-10000181798 31.03.2015
2. naja...
"20 aktive Surfer und eine Verwaltung mit 12 Leuten." Versteh ich nicht. 20 aktive Surfer können doch problemlos eine Facebookgruppe gründen und ihre gemeinsamen Surfurlaube planen. Da braucht man doch keine Verwaltung. Und immer dieses Crowdfunding. Das ist wohl das Allheilmittel unserer Zeit. Ich will gar nicht wissen was mit den zigtausend Crowdfunding Projekten passiert ist, in denen nur sagen wir die Hälfte oder 2/3 der benötigten Summe zusammenkam. Aber schön dass in einem Land welches in unseren Medien ausschließlich durch Terror, Rückständigkeit und Krieg auffällt, noch geträumt wird.
felisconcolor 31.03.2015
3. Schade
Zitat von spon-facebook-10000181798"20 aktive Surfer und eine Verwaltung mit 12 Leuten." Versteh ich nicht. 20 aktive Surfer können doch problemlos eine Facebookgruppe gründen und ihre gemeinsamen Surfurlaube planen. Da braucht man doch keine Verwaltung. Und immer dieses Crowdfunding. Das ist wohl das Allheilmittel unserer Zeit. Ich will gar nicht wissen was mit den zigtausend Crowdfunding Projekten passiert ist, in denen nur sagen wir die Hälfte oder 2/3 der benötigten Summe zusammenkam. Aber schön dass in einem Land welches in unseren Medien ausschließlich durch Terror, Rückständigkeit und Krieg auffällt, noch geträumt wird.
das sie den Artikel nicht wirklich gelesen haben, geschweige denn verstanden. Natürlich kann man eine Facebokksurfgruppe gründen. Und dann? Nix. Sie brauchen den anerkannten Verband um selbst nationale und internationale Wettbewerbe ausrichten zu können. Ver suchen sie mal als Hobbyfacebooksurfer an der WM teilzunehmen. geht nicht. Und warum nicht crowdfunding. Und wenn eben nur 2/3 des Geldes zusammen kommen dann nimmt man eben erst ein Jahr später an der WM teil. Was für Probleme haben sie eigentlich. Ausserdem machen sie sich doch einfach mal mit den Statuten der einzelnen CF Projekten vertraut. Da steht haarklein was mit Gelder aus nicht abgeschlossenen Projekten passiert. Nur lesen müsste man schon können.
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