Professoren pro Anwesenheitspflicht Hiergeblieben!

Bleiben oder gehen? Das neue Hochschulgesetz in Nordrhein-Westfalen schafft die Anwesenheitspflicht weitgehend ab. Doch die Dozenten beharren auf Ausnahmen - und streiten sich mit den Studenten.

Hörsaal der Ruhr-Uni in Bochum: 270 Hinweise gegen unbeugsame Professoren
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Hörsaal der Ruhr-Uni in Bochum: 270 Hinweise gegen unbeugsame Professoren


An nordrhein-westfälischen Unis liefern sich Professoren und Studenten einen Kampf um die Anwesenheitspflicht. Weil das Hochschulgesetz nun entsprechend geändert wurde, dürfen Dozenten dort nur noch bei Exkursionen, Sprachkursen oder praktischen Übungen darauf bestehen, dass ihre Studenten erscheinen.

Doch der Schritt hin zu mehr Freiheit gefällt nicht allen. Seine Fachkollegen und er seien "in höchstem Maße empört", sagt Benedikt Jeßing, Germanistikprofessor an der Ruhr-Uni Bochum (RUB). Die Wissenschaftler sehen durch die Regelung vor allem ihre Arbeit entwertet. Einige wollen daher an der Anwesenheitspflicht festhalten. Wer zu oft fehlt, bekommt keine Punkte - so war es vor der Gesetzesänderung, und so soll es bleiben.

Dozenten giften über "Denunziationsinstrument"

Als Reaktion darauf hat unter anderem der AStA der Uni Münster einen "Anwesenheitsmelder" entwickelt, ein Formular im Netz, über das Studenten Hinweise geben können, wenn Dozenten weiterhin überprüfen, wer nicht da ist. Nach knapp drei Wochen waren 270 Hinweise gegen unbeugsame Professoren eingegangen. Auch an der RUB kommt der Melder zum Einsatz, für Jeßing ist er jedoch nur ein "Denunziationsinstrument", das die Atmosphäre vergifte. Seine Mitarbeiter hätten E-Mails erhalten, in denen ihnen gesetzwidriges Handeln vorgeworfen werde.

Nicht nur in NRW, sondern auch in Bremen, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Bayern bestimmen Landesgesetze, ob Studenten im Hörsaal erscheinen müssen oder nicht. In den restlichen zehn Bundesländern entscheiden die Hochschulen selbst, ob sie eine Anwesenheitspflicht erlassen.

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insgesamt 148 Beiträge
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Seite 1
MartinS. 22.12.2014
1. ...
Für die Profs eigentlich eine einfache Situation. Einfach zum Beginn des Semesters gleich darauf hinweisen, dass in jeder Vorlesung klausurrelevante Inhalte vorkommen werden, die sich so nicht in den Unterlagen finden. Dann hilft wohl nur Anwesenheit und Teilnahme.
mattoregiert 22.12.2014
2. Von wem ist hier dei Rede?
Anwesenheitspflicht für Professoren ist gefragt !Mit der Annahme der Berufung wird als erste Handlung ein Sabbatjahr beantragt....
Immanuel_Goldstein 22.12.2014
3.
Zitat von mattoregiertAnwesenheitspflicht für Professoren ist gefragt !Mit der Annahme der Berufung wird als erste Handlung ein Sabbatjahr beantragt....
Wieso sollten die Professoren anwesend sein, wenn die Studierenden nicht anwesend sind? Die Anwesenheitspflicht ist ja schon durch die KMK faktisch abgeschafft worden. Das Ganze wird nur dazu führen, dass alle, die nicht immer anwesend waren die Modulprüfung nicht bestehen. Eine Lehrveranstaltung an der Universität ist kein Club, wo man einfach nach Gusto erscheinen kann, oder nicht. Übrigens: die meisten Lehrveranstaltungen machen gar keine Professoren, sondern der Mittelbau und der lebt von Lehraufträgen. Wenn aber weniger als 5 Personen erscheinen, auch wenn 20 angemeldet sind, dann findet die Lehrveranstaltung aus Kostengründen nicht statt. Und dann können die Studis wieder zum AStA rennen und sich beschweren, weil etwas nicht stattfand, weil sie nicht dort waren.
nadine.h 22.12.2014
4.
Wie mein Prof immer sagt : "Studieren bedeutet Selbstständigkeit." Das was einige Professoren veranstalten ist stures ablesen von überladenen Folien. Ansonsten auch ein schönes Zitat "Wenn mehr als 50% meiner Studenten nicht mehr in meine Vorlesung kommen, dann ist meine Vorlesung wohl schlecht." Eine GUTE Vorlesung wird besucht. Lesen allerdings haben wir in der 4ten Klasse gelernt, dafür brauchen wir einen Professor auch nicht mehr.
Newspeak 22.12.2014
5. ...
Zitat von Immanuel_GoldsteinWieso sollten die Professoren anwesend sein, wenn die Studierenden nicht anwesend sind? Die Anwesenheitspflicht ist ja schon durch die KMK faktisch abgeschafft worden. Das Ganze wird nur dazu führen, dass alle, die nicht immer anwesend waren die Modulprüfung nicht bestehen. Eine Lehrveranstaltung an der Universität ist kein Club, wo man einfach nach Gusto erscheinen kann, oder nicht. Übrigens: die meisten Lehrveranstaltungen machen gar keine Professoren, sondern der Mittelbau und der lebt von Lehraufträgen. Wenn aber weniger als 5 Personen erscheinen, auch wenn 20 angemeldet sind, dann findet die Lehrveranstaltung aus Kostengründen nicht statt. Und dann können die Studis wieder zum AStA rennen und sich beschweren, weil etwas nicht stattfand, weil sie nicht dort waren.
Doch, genau das ist es. Zumindest, wenn man irgendetwas von wissenschaftlicher Selbständigkeit hält. Eine Lehrveranstaltung ist ein Angebot, mehr nicht. Und der Prof. bzw. seine Mitarbeiter werden dafür bezahlt, dieses Angebot zur Not auch für einen einzelnen Studenten zu erbringen. Auch wenn die Studenten immer jünger werden, es handelt sich normalerweise um erwachsene Menschen, oder solche, die es werden wollen und ob man eine Vorlesung besucht oder ich spart ist genau die Art von Verantwortung, die man an der Uni lernen sollte. Die, die nicht kommen, fallen dann entweder durch oder bestehen, oh Wunder, trotzdem, weil sie eigenverantwortlich lernen. Nicht anderes ist das Ziel der Uni...der "alten Uni"...die noch von Universität kommt und sowas wie Anspruch verkörperte.
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