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05. März 2003, 12:11 Uhr

Arabische Studenten in den USA

Verdächtigt, abgeurteilt, ausgewiesen

Schon Schummeln beim Englischtest an einer US-Universität kann reichen, damit Studenten aus dem Mittleren Osten in Terrorismus-Verdacht geraten. Für manche Gaststudenten hieß es danach schnell: zurück in die Heimat.

Nach den Attentaten: Schnelle Verdächtigungen gegen arabische Studenten
REUTERS

Nach den Attentaten: Schnelle Verdächtigungen gegen arabische Studenten

Zum Terroristen kann man in den USA derzeit schneller werden als man denkt. Als Anhaltspunkt für terroristische Aktivitäten gilt es für die Bundesstaatsanwaltschaft in New Jersey bereits, wenn Studenten aus dem Mittleren Osten beim Englischtest betrügen. Von 62 Anklagen des Jahres 2002, die unter der Bezeichnung "Internationaler Terrorismus" zusammengefasst wurden, stützen sich 60 auf Schummeleien bei diesem Zulassungstest, wie die Zeitung "Philadelphia Inquirer" berichtete.

Die Gaststudenten hatten offenbar Englischdefizite und heuerten einfach jemand anderen für die Prüfung an. Der "Test of English as a Foreign Language", kurz TOEFL, ist an vielen Hochschulen Voraussetzung für die Zulassung.

Neun dieser Studenten in New Jersey wurden bereits verurteilt, die meisten mit Bußgeldern zwischen 250 und 1000 Dollar belegt und zurück in ihre Heimatländer geschickt. "Es gibt nicht den leisesten Beweis dafür, dass einer dieser Studenten etwas mit Terrorismus zu tun hat", so Lawrence S. Lustberg, der 25 der angeklagten Studenten aus Saudi-Arabien vertritt.

Gaststudenten unter der Lupe

Michael Drewniak, Sprecher der Bundesstaatsanwaltschaft in Newark, betonte dagegen, dass es vernünftige Gründe für diese Nachforschungen gebe: "Einige Faktoren zwingen uns und das Justizministerium dazu, diese Personen näher zu betrachten." Offenbar bereiten vor allem die Pilotenscheine einiger Studenten den Behörden Kopfzerbrechen. Denn nachdem drei Attentäter des 11. September mit einem Studentenvisum in die USA einreisten, sind die Amerikaner vorsichtig geworden.

Allerdings wollte man laut Drewniak mit der Einstufung "Internationaler Terrorismus" niemanden irreführen. Aber die Staatsanwaltschaft ändere nun einmal Bezeichnungen nicht gerne, wenn diese von Anfang an so geführt wurden. Dem Justizministerium wird indes vorgeworfen, die Verurteilungsstatistiken in Bezug auf Terrorismus durch solche Fälle künstlich aufzublähen.

Die Schummler hatten ihre Englisch-Eingangsprüfungen vor dem 11. September abgelegt. Hinterher tauchten das FBI und die Einwanderungsbehörde bei der Firma ETS, die diese Tests für ausländische Studenten verwaltet, auf und durchsuchten die Akten. So wurde aus dem Betrug plötzlich ein Terrorismus-Verdacht.

Zweifel an den Einstufungen der Justizbehörde

Studenten, die geschummelt hatten und auch noch den Pilotenschein hatten, traf es besonders hart. So wurde Mohammed al-Masari schuldig gesprochen: Der Angestellte einer Öl-Firma hatte den Flugschein im letzten Jahr an der University of North Dakota gemacht. Untersuchungsrichter Richard Goldberg ließ ihn abschieben: "Ich wünschte, ich könnte etwas anderes tun als das, was ich nun tun werde, aber ich habe keine Wahl", bemerkte er teilnahmsvoll.

Das General Accouting Office, eine unabhängige Aufsichtsbehörde, berichtet, dass drei Viertel der 174 Verurteilungen, die bei der Justizbehörde als internationaler Terrorismus geführt werden, falsch gekennzeichnet sind. Die 62 Fälle von New Jersey wurden dabei nicht mitgerechnet. Nail al-Juberi, ein Sprecher das Saudi-Arabischen Botschaft, sieht darin inzwischen ein Problem der Glaubwürdigkeit.

Die beiden Fälle, die nicht mit den Schummeleien bei Tests in Verbindung gebracht werden konnten, waren jedoch weit schwerwiegender als der relativ harmlose Prüfungsbetrug: Im März 2002 entführte Ahmad Omar Said Scheich den "Wall Street Journal"-Reporter Daniel Pearl. Er wurde in Pakistan zum Tode verurteilt. Im zweiten Fall benutzte ein Mann aus dem Mittleren Osten ein falsches Visum und wurde deshalb ausgewiesen.

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