Auslandssemester Mit dem Lada nach Baschkortostan

In der russischen Stadt Ufa verbringt Sascha Oettler, 23, ein Studienjahr. Für Flugzeug oder Bahn hatte er zu viel Gepäck - also kaufte er einen alten Lada. Auf SPIEGEL ONLINE berichtet der Jurastudent über die 4100-Kilometer-Reise von Halle nach Baschkortostan.


"Ich hatte wirklich keine Ahnung, wie ich sonst nach Ufa hätte kommen sollen. Mit dem Zug hätte ich mit den ganzen Koffern in Moskau umsteigen müssen. Und im Flugzeug hätte ich gnadenlos Übergepäck gehabt - das ist einfach zu teuer.

Ich bin ja ein ganzes Jahr an der Universität in Baschkortostan. Also habe ich mir einen gebrauchten Lada 111 gekauft, Brote und eingekochte Büchsenwurst mitgenommen und bin mit dem Auto losgefahren. Fünf Ersatzreifen waren auch im Gepäck, weil mir alle Leute erzählten, die Reifen gingen sehr schnell kaputt und seien in Russland nur schwer zu bekommen.

Zuerst ging es von meinem Heimatort bei Leipzig die knapp 400 Kilometer hoch bis zum Überseehafen nach Rostock. Dort bin ich mit meinem Lada auf die Fähre nach Helsinki und habe den ersten Tag auf See verbracht. Die Überfahrt dauert etwa 24 Stunden. Ich hatte für die Nacht auch eine Kabine gemietet, so dass mich dieser Abschnitt der Reise mit Auto 280 Euro extra kostete.

Von Helsinki fuhr ich dann die 400 Kilometer bis St. Petersburg. Ich bin ohne Probleme über die russische Grenze gekommen, nicht einmal in meinen Kofferraum wollte jemand sehen. Größere Pausen musste ich auch nicht machen, denn die Teilstrecken waren ja nicht so lang.

In St. Petersburg habe ich meine beiden russischen Freunde Aljona und Andrej getroffen, die ich auf meinem Studentenaustausch 2005 mit der Uni in Ufa kennen gelernt hatte. Gut, dass ich nun jemanden dabei hatte, der Russisch sprach. Meine Kenntnisse sind da bisher rudimentär. So konnten die beiden bei normalen Polizeikontrollen genau erklären, wer wir sind und wohin wir wollten.

Die Ersatzreifen wurden nicht gebraucht

Aber das hat die Polizisten nie sonderlich interessiert, denn gerade in Russland fahren viele Leute lange Strecken mit dem Auto. Die verstehen schon, dass man als Student wenig Geld hat und eben mit dem Wagen fährt. Nur das Kennzeichen war etwas auffällig. Zum Glück hatte ich einen internationalen Führerschein dabei, denn dort stand auch auf Russisch, dass ich Autofahren darf.

Ab St. Petersburg war auch eine deutsche Studentin mit von der Partie. Sie und einer meiner russischen Austauschkollegen haben sich beim Fahren mit mir abgewechselt. Alle 300 Kilometer war jemand anderes dran. So mussten wir auf über 2000 Kilometern keine großen Zwischenstopps einlegen. Wer nicht fahren musste, konnte sitzend im Auto schlafen. Rückenschmerzen habe ich davon nicht bekommen.

Langer Ritt: Saschas Route von Leipzig bis in die Hauptstadt der russischen Republik Baschkortostan
SPIEGEL ONLINE

Langer Ritt: Saschas Route von Leipzig bis in die Hauptstadt der russischen Republik Baschkortostan

An meinem neuen Studienort besuche ich jetzt erst einmal vier Tage die Woche einen Russischkurs. Ich bin der einzige Ausländer an der Fakultät und muss mich erst in die Sprache einfinden. Aber ich bin da ganz guter Dinge. Die anderen zwei Tage bin ich dann ganz normal in Jura-Kursen eingeschrieben. Hier dauert die Uni-Woche nämlich sechs Tage - auch Samstag gibt es Seminare.

Leider ist Ufa nicht viel billiger als Halle, wo ich in Deutschland studiere. Zwar kostet ein Brot umgerechnet nur 30 Cent, aber ein Liter Apfelsaft dann wieder über einen Euro. So kommt unter dem Strich das Gleiche zusammen.

Eigentlich war die Autofahrt nach Ufa eher öde - so als wenn ich nach München fahren würde. Die Straßen sind in einem sehr guten Zustand, wir brauchten kein einziges der fünf Ersatzräder. Und ich war trotz einer Strecke von 4100 Kilometern schon einen Tag eher an meinem Ziel als geplant. Los ging meine Reise an einem Donnerstagabend, am darauf folgenden Montag war ich in Ufa. Ich kann wirklich nur jeden ermutigen, so eine Fahrt zu machen."

Aufgezeichnet von Claudia May



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