Australien Unis verbieten Sex zwischen Doktoranden und Vorgesetzten

An australischen Unis ist laut einer Umfrage schon jeder fünfte Student Opfer von sexueller Belästigung geworden. 39 Hochschulen ziehen nun Konsequenzen - und verbieten sexuelle Beziehungen zu Betreuern.

Annäherung in der Uni-Bibliothek
Getty Images/Johner RF

Annäherung in der Uni-Bibliothek


In Australien sollen Studenten keinen Sex mehr mit ihren akademischen Vorgesetzten haben dürfen. Dies gilt auch für Doktoranden, wie aus einem Erlass hervorgeht, den die Dachorganisation 39 australischer Universitäten am Mittwoch veröffentlichte.

Darin heißt es: "Es gibt ein großes Machtgefälle zwischen Betreuern und ihren Studenten. Sexuelle Beziehungen sind deshalb niemals angemessen." Weil Betreuer einen so großen Einfluss auf die zukünftige Karriere ihrer Schützlinge hätten, beeinflusse dies auch eine mögliche Zustimmung zu Sex oder einer Beziehung.

Dass Wissenschaftler die ihnen verliehene Machtposition ausnutzen, ist auch an deutschen Unis ein bekanntes Problem. Professoren, meist auf Lebenszeit verbeamtet, entscheiden fast im Alleingang über akademischen Erfolg oder Misserfolg. Ob der Student, der eine gute Note in der mündlichen Prüfung braucht, oder die Doktorandin, die hofft, dass ihr befristeter Arbeitsvertrag verlängert wird: Sie alle sind auf das Wohlwollen des Profs angewiesen. Drohungen - etwa mit einer schlechten Prüfungsnote - seien deshalb meist gar nicht nötig, sagt Almut Dietrich von der Arbeitsstelle gegen Diskriminierung und Gewalt der Universität Bremen.

Wie viele Studenten schon Opfer sexueller Übergriffe geworden sind, ist schwer festzustellen - denn das Machtgefälle in der Forschung begünstigt nicht nur Übergriffe, sondern erschwert auch die Aufklärung.

In Australien hatten bei einer Umfrage der australischen Menschenrechtskommission, die im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde, mehr als die Hälfte der knapp 31.000 befragten Studenten (51 Prozent) angegeben, im Jahr zuvor Opfer von sexueller Belästigung geworden zu sein - jeder Fünfte nannte die Uni als Tatort. Der neue Erlass des australischen Dachverbands ist eine Reaktion auf dieses Ergebnis.

An Australiens Universitäten studieren auch mehr als eine halbe Million Ausländer, vor allem aus asiatischen Ländern. "Forschungsstudenten nehmen oft an Feldstudien oder Konferenzen teil, teilweise an abgelegenen, ihnen unbekannten Orten, an denen wenige oder keine anderen Uni-Mitarbeiter oder Kommilitonen sind. Sie müssen deshalb besonders vor sexueller Belästigung geschützt werden", heißt es in dem Erlass.

Erst im Februar hatte Australiens konservativer Premierminister Malcolm Turnbull angekündigt, den Mitgliedern seiner Regierung sexuelle Beziehungen mit Mitarbeitern zu verbieten. Der Regierungschef reagierte damit auf die außereheliche Affäre seines Vizes Barnaby Joyce. Dieser hatte zugegeben, dass seine frühere Pressesprecherin ein Kind von ihm erwarte.

lie/dpa

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