"Alleen, Blumen, Frauen" Gomringer-Gedicht hängt jetzt neben  Brandenburger Tor

Das umstrittene Gedicht "Avenidas" erhält noch mehr Aufmerksamkeit als bislang: In Berlin soll es sechs Wochen lang unweit des Brandenburger Tors zu sehen sein.

"Avenidas" am Pariser Platz
Elke A. Jung-Wolff

"Avenidas" am Pariser Platz


Die Stiftung Brandenburger Tor will ein Zeichen setzen - für die künstlerische Freiheit und gegen die Eliminierung von Kunst aus dem öffentlichen Raum, so sagte es eine Sprecherin SPIEGEL ONLINE. Aus diesem Grund hat die Stiftung an diesem Donnerstag ein Banner an der Fassade des Max-Liebermann-Hauses am Pariser Platz in Berlin anbringen lassen. Darauf zu sehen: das umstrittene Gedicht "Avenidas" des Künstlers Eugen Gomringer.

Banner an der Fassade des Max Liebermann Hauses
Elke A. Jung-Wolff

Banner an der Fassade des Max Liebermann Hauses

Das Gedicht hatte für weltweite Aufmerksamkeit gesorgt. Schon seit mehr als sieben Jahren ist es an der Fassade der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin zu sehen. Doch weil das Studierendenparlament (StuPa) und der Allgemeine Studierenden-Ausschuss (AStA) das Gedicht als sexistisch bezeichnet hatten, entschloss sich die Hochschule dazu, es durch ein anderes Gedicht zu ersetzen.

"Avenidas" besteht aus 20 aneinandergereihten Begriffen und erzählt von einer Szene auf den Ramblas in Barcelona, die der Dichter Eugen Gomringer in den Fünfzigerjahren beobachtet hat. Sie lauten übersetzt so: "Alleen / Alleen und Blumen / Blumen / Blumen und Frauen / Alleen / Alleen und Frauen / Alleen und Blumen und Frauen und ein Bewunderer".

Nicht nur die Stiftung Brandenburger Tor kritisiert die Entscheidung der Hochschule das Gedicht zu entfernen, auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hatte die Entfernung des Gedichts scharf gerügt."Die Entscheidung des Akademischen Senats der Alice Salomon Hochschule, das Gomringer-Gedicht zu übermalen, ist ein erschreckender Akt der Kulturbarbarei."

Noch mehr Aufmerksamkeit als bisher

Auch der 93 Jahre alte Gomringer hatte die geplante Übermalung seines Gedichts scharf kritisiert: "Das ist ein Eingriff in die Freiheit von Kunst und Poesie." Es gehe den Verantwortlichen um die Entfernung eines "nicht weichgespülten Gedichts" im Sinne einer falsch verstandenen Political Correctness.

Die Stiftung Brandenburger Tor will das etwa acht mal zwei Meter große Banner mit der spanischen Version des Gomringer-Gedichtes bis Anfang April hängen lassen. Damit erhält "Avenidas" wohl noch mehr Aufmerksamkeit als bislang. Berlin besuchen jährlich mehr als zwölf Millionen Touristen. Und das Max-Liebermann-Haus steht direkt am Brandenburger Tor - dem bekanntesten Wahrzeichen Deutschlands.

Auch andere Städte, etwa Bielefeld und Schaffhausen in der Schweiz sowie die Heimatstadt des Künstlers, das oberfränkische Rehau, haben angekündigt, das Gedicht an Häuserfassaden anbringen zu lassen.

kha

insgesamt 122 Beiträge
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Seite 1
RedEric 22.02.2018
1. Sexistisch
Ich habe nie verstanden was an dem Gedicht sexistisch sein soll. Oder ist allgemein die Aussage dass ein Geschlecht Interesse an dem anderen hat schon sexistisch? Wir steuern in die Diktatur des Ponyhofs un der politischen Korrektheit.
Mehrleser 22.02.2018
2.
Schau an, eine wirkungsvolle Aktion, die ohne Hashtag auskommt. Gefällt mir :-)
Zauberhexe 22.02.2018
3. Prima, freut mich!
Gute und richtige Entscheidung! Ich mag dieses Gedicht, in dem ich absolut nichts Sexistisches lesen kann. Es war ein Armutszeugnis der Hochschule, es zu entfernen.
DerDifferenzierteBlick 22.02.2018
4. Streisand-Effekt
Vorhersehbar bewirken die Entferner des Gedichtes an der Berliner Hochschule nicht nur das Gegenteil (Gedicht wird sehr, sehr, sehr viel bekannter als ohne die Entscheidung), sondern schaden auch der Bewegung für Gleichberechtigung MASSIV, da die Entscheidung vollkommen absurd ist.
ambulans 22.02.2018
5. schön
zu hören, wie vielfältig doch die reihe der unterstützer dieses von allzu vielen (absichtlich?) missverstandenen gedichtes bei der verteidigung gegen militante ignoranz besetzt ist. wenn man beispielsweise die einschätzung der tochter des dichters (germanistin) oder dessen eigene einschätzung zum werk sich einmal ansehen würde ...
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