Bachelor-Studium Brauche ich überhaupt einen Master?

Noch zwei Jahre Uni? Wirklich? Nicht jeder Bachelor-Absolvent muss noch einen Master dranhängen, um Chancen auf einen Job zu haben. Viele Personalchefs achten auf andere Qualitäten.

Studentenfeier an der Uni Hamburg: Der Abschluss ist nicht alles, was zählt
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Studentenfeier an der Uni Hamburg: Der Abschluss ist nicht alles, was zählt


Der Bachelor ist geschafft, der erste Job wartet. Oder? Viele Absolventen des meist dreijährigen Studiums fürchten, dass sie gegen Bewerber mit Masterabschluss keine Chance haben. Also doch noch weiterstudieren, selbst wenn man auf Uni eigentlich keine Lust mehr hat?

Derzeit entscheidet sich die Mehrheit der Studenten für einen Master. Fast drei von vier (72 Prozent) Bachelorabsolventen machen ein Jahr nach Abschluss ein weiterführendes Studium - oder haben es zumindest vor, sagt Hochschulforscher Andreas Ortenburger. Er bezieht sich dabei auf eine Studie von 2012.

"Der Master lohnt sich für alle, die ihre wissenschaftliche Qualifikation ausbauen wollen", sagt Ortenburger, der am Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) in Hannover forscht. Verlangt werde der Master in der Regel von Naturwissenschaftlern. Unbedingt notwendig sei er für eine Karriere in der Wissenschaft.

Doch: In der Wirtschaft ist ein Master nicht immer Voraussetzung, um einen Job zu bekommen.

  • Bei Ingenieuren ist ein Master kein Muss. Der Bachelor sei auf dem Arbeitsmarkt gern gesehen, sagt Ina Kayser, Expertin für Arbeitsmarktfragen beim Verein Deutscher Ingenieure. Unternehmen schätzten an jungen Absolventen, dass sie formbar sind. Deswegen sei ein allgemeines Studium wie Maschinenbau oder Elektrotechnik sinnvoller, als sich schon im Bachelorstudium auf eine Nische einzulassen. Eins sei jedoch auch klar: Wer in die Chefetage will, komme um den Master nicht herum. Den könne man aber auch später berufsbegleitend machen.

  • In der IT ist ein Master zwar gern gesehen, aber ebenfalls kein Muss. Der Bachelorabschluss sei voll akzeptiert, sagt Stephan Pfisterer, Arbeitsmarktexperte beim IT-Branchenverband Bitkom. Eine klare Präferenz für Masterabsolventen gebe es in der Beratung sowie in Feldern wie IT-Sicherheit oder Big Data. "Überall dort, wo Schnittstellenkompetenzen gesucht werden, und in Jobs, die ein besonderes Maß an Selbstständigkeit kurz nach Jobeinstieg erfordern."

  • Auch bei Banken haben Bachelor-Absolveten recht gute Chancen, direkt ihre Karriere starten zu können. Bei der Deutschen Bank hatten 30 Prozent der Hochschulabsolventen, die 2013 eingestellt wurden, nur einen Bachelorabschluss. Bei der Commerzbank war es sogar fast jeder Zweite. Nur die staatliche Förderbank KfW nimmt keine Bachelor-Absolventen. Für ihr Geschäft brauche sie Spezialisten wie Agraringenieure, Risiko- und IT-Experten. Dafür hätten sich "vertiefter ausgebildete Masterstudenten als geeigneter erwiesen", sagt Sprecher Charis Pöthig.

Zwischen Bachelor und Master Praxiserfahrung sammeln

Mancher entscheidet sich möglicherweise auch deshalb für den Master, weil er hofft, dass ein höherer Abschluss vor Arbeitslosigkeit schützt. "Das wissen wir aber nicht", sagt Paul Ebsen von der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Der Arbeitsagentur liegen keine Zahlen vor, ob zum Beispiel Bachelorabsolventen häufiger arbeitslos sind als Masterabsolventen. "Ob ein Master notwendig ist, kommt total auf die jeweilige Branche an", sagt er.

Gut sei in jedem Fall, zwischen Bachelor und Master einige Monate Berufs- und Lebenserfahrung zu sammeln. "Den Absolventen, die an der Hochschule bleiben, fehlt der Praxisbezug", mahnt Marcus Reif, Recruiting-Chef bei Ernst & Young. Wer in ein oder mehrere Unternehmen hineinschnuppert, eine erste Festanstellung hat oder ausgedehnte Praktika macht, hat einen guten Überblick über verschiedene Jobs. So ein Gap Year werde am Arbeitsmarkt inzwischen auch zunehmend akzeptiert, erklärt Hochschulforscher Ortenburger.

Zu schwer sollten sich Studierende die Entscheidung für oder gegen einen Master nicht machen. Die Bildungsbiografie verliere während des Berufslebens ihre Wichtigkeit, beruhigt Reif von Ernst & Young. "Wichtig ist, welche Leistung ein Mitarbeiter bringt, nicht welchen Abschluss er mal gemacht hat." Das sieht Hochschulforscher Ortenburger ähnlich: Zwar zahle sich Bildung in der Regel aus. Doch ein Master sei kein Garant dafür, dass Beschäftigte im Beruf erfolgreich sind oder es bleiben.


 

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Verena Wolff/dpa/ade



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Seite 1
michaelXXLF 26.10.2014
1. Brauche ich überhaupt einen Master?
Das habe ich mich damals, vor 15 Jahren, auch gefragt. Heute stehe ich mit einem BA Abschluß in drei Fächern da, und bekomme gesagt, daß die damals versprochene Zukunft nur einem Fachhochschulabschluß gleichzusetzen ist und ich deswegen im öffentlichen Dienste leider unerwünscht bin. Festanstellung ist nicht. Andere Branchen betrachten den BA auch nur als einen Schmalspurabschluß. Ja, man *muß* einen Master haben! Zumindest wenn man in Deutschland bleiben und arbeiten will.
marthaimschnee 26.10.2014
2.
Blöderweise bringen Bacherlor-Ingenieure durch die Verschulung des Studiums keine Ingenieursfähigkeiten mehr mit - zB logisches Denken, innovative Problemlösung, Abstraktionsvermögen - und sind deswegen alles andere, als gern gesehen. Den meisten fehlt überhaupt jegliche Vorstellung davon, wie man an ein Problem herangehen könnte. Ihr einziges Glück ist, daß sich durch die Weiterbildungsmaßnahme "Master" daran auch nichts ändert.
DrBlue 26.10.2014
3. Wie sieht es mit Gehalt, Qualität der Aufgabe und Entwicklungsperspektive aus?
Die hier angesprochene Chance auf den Job ist aufgrund des demographischen Wandels ein meines Erachtens untergeordneter Aspekt. Für den jungen Absolventen sollte die Frage nach der Qualität der Aufgabe im Vordergrund stehen, da sie weitere Aspekte wie das Gehalt und die sich im Laufe der Jahre ergebenden Entwicklungsperspektiven im Berufsleben stark beeinflusst. Sehen wir es realistisch: "junge, formbare" Mitarbeiter ohne viel Fachkenntnisse, wie es Bachelor nun einmal sind, können im Unternehmen nicht für besonders hochwertige Aufgaben eingesetzt werden. Sie bekommen daher weniger Gehalt. Außerdem mucken sie nicht auf, weil sie noch keinen fachlichen Durchblick haben und ihre Persönlichkeitsstruktur mit Anfang 20 noch nicht ausgereift ist. Diese beiden Dinge sind etlichen Unternehmen recht, vor allem denen, die eher kurzfristig denken. Wenn Bachelorabslventen nicht sofort konsequent gefördert und betriebsintern weitergebildet werden, bleibt es bei diesen geringerwertigen Aufgaben, mit sehr langfristigen Folgen für deren Erwerbsbiographie. Als Ingenieur in der Entwicklung sind mir Masterabsolventen, die drei Jahre mehr fachliche Vertiefung und charakterliche Reifung hinter sich haben, mit Mitte zwanzig deutlich lieber. Diese sind in der Lage höherwertige Aufgaben selbstständig voranzutreiben, wofür sie auch mehr Gehalt verdient haben. Selbstredend qualifizieren sie sich damit besser und schneller für weitergehende Aufgaben und Karriereschritte!
ichsagwas 26.10.2014
4. Je jünger, desto formbarer...
natürlich haben nicht wenige Firmen, besonders die richtig großen, global tätigen, Lust auf möglichst junge Absolventen. Die sind intelligent, haben durchaus auch einiges gelernt, denken aber noch nicht allzu selbständig und widersprechen nicht so oft. Man kann sie dann in frimeneigenen Pseudo-Hochschulen zu genau dem weiterbilden, was man haben möchte. Chapeau Konzernlobby - ihr habt es geschafft ! Unser bewährtes Studiensystem wurde auf dem Altar der EU geopfert.
thesedays 26.10.2014
5. Und die anderen Berufe?
Warum wird hier eigentlich nie über die Geisteswissenschaften wie die pädagogischen Berufe berichtet?
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