Bachelor und Beruf Wer wenig erwartet, wird nicht enttäuscht

Gute Nachricht für Bachelor-Studenten: In den Arbeitsmarkt fädeln sie sich fast problemlos ein, zeigt eine neue Absolventenstudie. Allerdings studieren die meisten weiter, nur ein Viertel der Absolventen wagt sofort den Schritt in den Beruf - mit Abstrichen bei Gehalt und Jobsicherheit.

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Fertig! Muss Bachelor-Absolventen bange sein? Nein, sagt eine neue Studie
ddp

Fertig! Muss Bachelor-Absolventen bange sein? Nein, sagt eine neue Studie


Bei der Bologna-Reform, der Umstellung von Diplom und Magister auf Bachelor und Master, hat es vernehmlich gescheppert und gerumpelt. Jetzt hat niemand den Bachelor richtig lieb. Viele Studenten nicht, weil sie klagen, sie müssten in weniger Zeit das gleiche Pensum durchackern wie ihre ausdauernderen Vorgänger in den "alten" Studiengängen. Die Dozenten und Professoren auch nicht, weil sie ihre Lehre neu strukturieren und mit dem unhandlichen Bewertungssystem aus Punkten und Pünktchen jonglieren sollen. Und mit dem Bachelor, diesem Abschluss light für Dünnbrettbohrer, gleich nach sechs Semestern auf den Arbeitsmarkt? Da lacht doch der Arbeitgeber.

Kurzum: Die Bachelor-Einführung ist "von vorn bis hinten Murks", ein glatter Schuss in den Ofen, isn't it?

Ist es nicht, sagt Harald Schomburg. Der Kasseler Hochschulforscher mag solchen Pessimismus nicht mehr hören. "Bachelor - geht doch" lautet die Botschaft Schomburgs und seines Kollegen Ulrich Teichler. Und so steht es auch in einer Untersuchung, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde: Es ist die größte Absolventenstudie, die es zu den neuen Abschlüssen bisher in Deutschland gibt - und eine der größten Absolventenstudien überhaupt.

Der Bachelor kann was, jedenfalls ist er deutlich besser als sein Ruf, davon sind die Forscher überzeugt. Auskunft über ihr Studium und vor allem den Berufsstart gaben rund 35.000 Absolventen von 48 Unis und Fachhochschulen des Prüfungsjahrgangs 2007; befragt wurden sie Ende 2008, also geraume Zeit nach dem Abschluss. Ein Viertel davon hatte mit dem Bachelor, jeder Fünfte mit einem Master sein Studium beendet, die übrigen mit Diplom- oder Magisterabschluss. Die Ergebnisse werden in dem Werkstattbericht des Kasseler Instituts Incher unter dem Titel "Generation Vielfalt" veröffentlicht werden.

Bachelor-Absolventen kommen "fast normal" in den Job

Die Forscher wollten wissen: Welcher Anteil der Absolventen studiert nach dem Abschluss weiter, wie viele schaffen es in einen Vollzeitjob? Wenn sie arbeiten, zu welchen Konditionen - und wie zufrieden sind sie mit ihrem Beruf? Zudem: Was verdienen die Absolventen?

Das Ergebnis nimmt, nach Auffassung von Schomburg und Teichler, vor allem jenen Kritikern den Wind aus den Segeln, die Bachelor-Absolventen generell als untauglich für den Arbeitsmarkt einstufen. Für Bachelor-Absolventen gebe es einen "fast normalen" Übergang in den Beruf, gemessen am allgemeinen Wehklagen gehen es dieser Absolventengruppe "bemerkenswert gut". So suchten die Absolventen des neuen Abschlusses im Schnitt gut drei Monate nach einer Stelle, genauso lange wie Magister- oder Diplom-Absolventen. Und beinahe ebenso oft, nämlich 86 Prozent, haben sie einen Vollzeitjob.

Erhoben wurden die Daten Ende 2008, zu einer Zeit also, als die Wirtschaftskrise gerade erst richtig ins Rollen kam, schränkt Mitautor Schomburg ein. Wie es den Absolventenjahrgängen des Jahres 2008/2009 erging, die kurz vor oder mitten in der Rezession die Hochschule verließen, darüber kann die Studie nichts aussagen.

Drei Viertel bleiben lieber an der Uni

Fast drei Viertel der Uni-Absolventen in Bachelor-Studiengängen wagen sich jedoch nicht sofort in die Arbeitswelt, sondern studieren weiter und streben den Master-Abschluss an; ein Teil arbeitet und studiert gleichzeitig (22 Prozent). Am ehesten begnügen sich noch Wirtschaftsabsolventen mit einem Bachelor - hier ging knapp die Hälfte nach dem ersten Abschluss in den Beruf.

Arbeitslos gemeldet sind anderthalb Jahre nach dem Bachelor nur drei Prozent, was dem Durchschnitt aller Absolventen entspricht, egal mit welcher Abschlussart. Ein ganz anderes Bild zeigt sich bei den FH-Absolventen mit Bachelor: Über die Hälfte ist erwerbstätig (58 Prozent), nur ein Drittel studiert nach dem Bachelor weiter, die Arbeitslosenquote liegt bei geringen vier Prozent.

All das bedeutet für Bachelor-Studenten: Ja, auch ihr können auf dem Arbeitsmarkt reüssieren - die Wirtschaft hatte ja schon im Zuge der Bachelor-Umstellung "Bachelor Welcome"-Grüße geschickt. Bleibt nur die Frage: Zu welchen Konditionen?

Erwartbar bitter sind die Aussichten von Berufseinsteigern mit Bachelor-Abschluss beim Gehalt: Der Uni-Absolvent mit klassischem Abschluss oder Master verdient nach 18 Monaten durchschnittlich 2800 Euro brutto pro Monat. Bachelor-Absolventen indes liegen ganze 20 Prozent darunter, verdienen also 560 Euro pro Monat weniger als Berufsanfänger mit Magister, Diplom oder Master. Der FH-Bachelor muss auf 15 Prozent Einkommen im Monat verzichten. Ein Durchschnittsverdienst über alle Fächer hat allerdings nur bedingt Aussagekraft. Die Gehälter klaffen je nach studiertem Fach einfach zu weit auseinander, egal wie der Abschluss heißt, betonen die Autoren.

Endgültig abgerechnet wird 2015

Ein weiterer Minuspunkt: Vollzeit arbeitende Bachelor-Absolventen von Universitäten sind deutlich seltener unbefristet beschäftigt als Hochschulabgänger aller anderen Abschlussarten. Etwa jeder Zweite muss sich daher Sorgen machen, binnen Jahresfrist seinen Job zu verlieren. Ihrer Ausbildung angemessen beschäftigt fühlen sich drei Viertel der Uni-Bachelor-Absolventen - ein Wert, der teils deutlich unter dem anderer Abschlüsse liegt.

Trotz der Abstriche bei Gehalt und Jobsicherheit - Absolventen des neuen Abschlusses sind keineswegs unglückliche Arbeitnehmer: Bei der Berufszufriedenheit liegen sie mit allen anderen Abschlussarten etwa gleich auf, je zwei Drittel der Absolventen gefällt ihr Beruf.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU), die Anti-Bachelor-Proteste bei Studentendemos vor einigen Monaten als "gestrig" geschmäht hatte, sieht die Studie als "erfreulichen Beweis", dass man mit der vor zehn Jahren beschlossenen Bologna-Studienreform den richtigen Weg eingeschlagen habe.

Ein Rest Unsicherheit bleibt, das sehen auch die Autoren so: So richtig Bilanz ziehen könne man frühestens 2015, also dann, wenn Bachelor und Master die alten Abschlüsse gänzlich ersetzt haben. Damit der Anteil derer, die nach dem Bachelor weiterstudieren, sinkt, müsste der Hochschulzugang erleichtert und die Akzeptanz bei Arbeitgebern erhöht werden, heißt es in der Studie.



Forum - Verkommt die Uni zur Studentenfabrik?
insgesamt 1657 Beiträge
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Seite 1
DJ Doena 26.04.2008
1.
Gegenfrage: Ist die Uni denn Selbstzweck?
Senfkorn, 26.04.2008
2.
Das Bachelorstudium ist mittlerweile eine Fortsetzung von Schule. Auswendiglernen, Testen, Vergessen. In Deutschland lebt man nicht behütet auf dem Campus, sondern wohnt vielleicht zum ersten Mal alleine, muss Wohnung, Haushalt organisieren, dazu die neue Situation an der Uni. Wenn dann in den ersten Monaten schon Prüfungen geschrieben werden, die für die Endnote relevant sind, braucht man sich über hohe Abbrecherquoten auch nicht wundern. Dazu wird duch die enge Taktung Studenten das Leben erschwert, die sich selbst finanzieren müssen. Der Verdacht liegt nahe, das dies auch so gewollt ist, wozu gibt es Studienkrdite und schon hat man neue Kunden für die Finanzwirtschaft gewonnen. Insgesamt wird zur Zeit in der Bildung nur gehetzt, ohne Sinn und Verstand, früher Einschulen, G8, Bachelor. Vielleicht läuft sich das ein, aber einige Generationen werden dabei wohl verloren gehen.
Kristian Viesmann, 26.04.2008
3. Alter Wein in neuen Schläuchen
Der Bologna (http://de.wikipedia.org/wiki/Bologna-Prozess) Prozess ist mir ein Graus. Wenn ich die Bachelor Informatiker in meinen Tutorium ein wenig nach mathematischen Hintergrundwissen frage, ist es sehr still. Was hat das noch mit Informatik zu tun? Das gleiche höre ich von vielen Kollegen, die selbst mit Diplom abgeschlossen haben, und nun mit Bachelor-Studenten Umgang haben - Es geht nur noch um pauken pauken pauken. Wissen, Lust am Fach? Uninteressant, wichtig sind nur die Klausuren, von den es reichlich jedes Semester gibt. Das sollen Wissenschaftler werden? Das ist Pfusch, das hat doch nichts mehr mit der Jahrhunderten alten Tradition zu tun - Humbold (http://de.wikipedia.org/wiki/Humboldtsches_Bildungsideal) muss im Grabe sich nicht nur drehen, sondern schon rotieren!
ondrana 26.04.2008
4. Studium Generale?
Zitat von Kristian ViesmannDer Bologna (http://de.wikipedia.org/wiki/Bologna-Prozess) Prozess ist mir ein Graus. Wenn ich die Bachelor Informatiker in meinen Tutorium ein wenig nach mathematischen Hintergrundwissen frage, ist es sehr still. Was hat das noch mit Informatik zu tun? Das gleiche höre ich von vielen Kollegen, die selbst mit Diplom abgeschlossen haben, und nun mit Bachelor-Studenten Umgang haben - Es geht nur noch um pauken pauken pauken. Wissen, Lust am Fach? Uninteressant, wichtig sind nur die Klausuren, von den es reichlich jedes Semester gibt. Das sollen Wissenschaftler werden? Das ist Pfusch, das hat doch nichts mehr mit der Jahrhunderten alten Tradition zu tun - Humbold (http://de.wikipedia.org/wiki/Humboldtsches_Bildungsideal) muss im Grabe sich nicht nur drehen, sondern schon rotieren!
Von mir behaupte ich, eine außergewöhnlich breite Allgemeinbildung zu haben. Die ist mir nur zum Teil von zu Hause anerzogen worden, denn meine Eltern waren sehr einfache Leute, die mir aber den Drang anerzogen haben, mich umzuschauen und mehr als meine kleine Welt wahrzunehmen. Im Studium habe ich mit vielen Dingen Kontakt gehabt, die mir von zu Haus aus fremd waren, die aber mein Leben und meine Grundeinstellung zum Leben und den Menschen geprägt haben. An den Cafeteriatischen der Uni hatte ich Kontakt mit Musikern - also machte ich beim Unichor mit und bekam tiefe Einblicke in die klassische Musik. Im Unichor lernte ich dann Biologen kennen und ich half ihnen im Labor bei den Versuchen für ihre Examensarbeit. Eine völlig neue Welt! Aktiv zu sein im ASTA prägte mich hinsichtlich meiner späteren politischen Aktivitäten. Ein Literaturzirkel interessierter Studenten entwickelte sich zu einer Theatergruppe und wir hatten wunderbare Aufführungen auf höchstem Niveau. Dort lernte ich Selbstvertrauen, Mut, Konzentration. Außerdem verbrachte ich ein Jahr in England an einer englischen Schule als Assistant Teacher. Trotz alle dem - oder vielleicht GERADE DESWEGEN- habe ich mein Studium mit guten Noten in der Regelstudienzeit abgeschlossen. Vielleicht bin ich ja eine Bildungsromantikerin, aber ich bin der Meinung, dass zu Menschen, die ja irgendwie später zur Führungsschicht gehören (fachlich oder politisch), etwas mehr gehört als Fachidiotentum. Studenten muss die Möglichkeit gegeben werden, über den Tellerrand hinauszuschauen. Sie müssen sich ausprobieren können und ihre Stärken und Schwächen herausfinden, sowohl menschlich als auch fachlich. Das Bachelorstudium schient in dieser Hinsicht nicht der richtige Weg zu sein.
Kristian Viesmann, 26.04.2008
5.
Zitat von ondranaVon mir behaupte ich, eine außergewöhnlich breite Allgemeinbildung zu haben. Die ist mir nur zum Teil von zu Hause anerzogen worden, denn meine Eltern waren sehr einfache Leute, die mir aber den Drang anerzogen haben, mich umzuschauen und mehr als meine kleine Welt wahrzunehmen. Im Studium habe ich mit vielen Dingen Kontakt gehabt, die mir von zu Haus aus fremd waren, die aber mein Leben und meine Grundeinstellung zum Leben und den Menschen geprägt haben. An den Cafeteriatischen der Uni hatte ich Kontakt mit Musikern - also machte ich beim Unichor mit und bekam tiefe Einblicke in die klassische Musik. Im Unichor lernte ich dann Biologen kennen und ich half ihnen im Labor bei den Versuchen für ihre Examensarbeit. Eine völlig neue Welt! Aktiv zu sein im ASTA prägte mich hinsichtlich meiner späteren politischen Aktivitäten. Ein Literaturzirkel interessierter Studenten entwickelte sich zu einer Theatergruppe und wir hatten wunderbare Aufführungen auf höchstem Niveau. Dort lernte ich Selbstvertrauen, Mut, Konzentration. Außerdem verbrachte ich ein Jahr in England an einer englischen Schule als Assistant Teacher. Trotz alle dem - oder vielleicht GERADE DESWEGEN- habe ich mein Studium mit guten Noten in der Regelstudienzeit abgeschlossen. Vielleicht bin ich ja eine Bildungsromantikerin, aber ich bin der Meinung, dass zu Menschen, die ja irgendwie später zur Führungsschicht gehören (fachlich oder politisch), etwas mehr gehört als Fachidiotentum. Studenten muss die Möglichkeit gegeben werden, über den Tellerrand hinauszuschauen. Sie müssen sich ausprobieren können und ihre Stärken und Schwächen herausfinden, sowohl menschlich als auch fachlich. Das Bachelorstudium schient in dieser Hinsicht nicht der richtige Weg zu sein.
Die Bachelor-Studiengänge haben nur ein Ziel: Die Wirtschaft schnell mit Fachkräften zu versorgen. Toller Lebenslauf, sollen wir jetzt alle klatschen und uns geehrt fühlen, mit einem Vertreter der geistigen Elite ein Thread teilen zu dürfen? Kopfschüttelnd, Kristian Viesmann
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