Studenten-Sorgen Der Bachelor ist nicht genug

Der Bachelor soll als Abschluss reichen, um einen Job zu finden - so war es gedacht. Doch daran glauben nur wenige Studenten. Eine neue Allensbach-Umfrage zeigt: Die meisten wollen einen Master dranhängen.

Studenten in Leipzig (Archiv): Master muss schon sein
dpa

Studenten in Leipzig (Archiv): Master muss schon sein


Zuversicht sieht anders aus: Mehr als jeder zweite Student sieht sich mit einem Bachelor-Abschluss nur unzureichend auf das Berufsleben vorbereitet. Auch äußert die Mehrzahl der Studenten deutliche Zweifel an der Akzeptanz eines Bachelor-Abschlusses durch die Arbeitgeber. Das sind einige Ergebnisse einer repräsentativen Allensbach-Umfrage (hier als PDF), beauftragt vom Begabtenförderungswerk des Zigarettenherstellers Reemtsma.

Die größte Sorge der Studenten ist die Suche nach einer bezahlbaren Unterkunft. 72 Prozent kritisieren die geringe Zahl an Plätzen in Studentenwohnheimen. Das Deutsche Studentenwerk (DSW) reagierte prompt auf die Umfrageergebnisse und fordert erneut ein Bund-Länder-Programm für zusätzliche und preisgünstige Wohnheimplätze. Aus Sicht des Studentenwerks decken sich die Ergebnisse weitestgehend mit der eigenen Sozialerhebung.

Ansonsten ging es in dem Online-Fragebogen, mit dem gezielt 2000 FH- und Uni-Studenten im Alter zwischen 18 und 29 Jahren befragt wurden, um Abschluss, Studienfinanzierung, Perspektiven und Chancen. Die Ergebnisse im Überblick:

  • 61 Prozent der Befragten gaben an, sie wollten nach dem Bachelor noch einen Master-Abschluss machen. Nahezu drei Viertel der Befragten versprechen sich davon bessere Karriere- und Verdienstmöglichkeiten. Zwei Drittel wollen sich spezialisieren und ihre Kenntnisse vertiefen.

  • Bei den Berufsvorstellungen der Studenten rangiert der Wunsch nach einem "guten Betriebsklima" mit 73 Prozent an erster Stelle. Der Arbeitsplatz sollte zukunftssicher sein (67 Prozent), und Arbeit und Privatleben müssten sich gut vereinbaren lassen (66 Prozent). Ein hohes Einkommen halten dagegen nur 46 Prozent für wichtig. 35 Prozent wünschen sich eine Arbeit, die sie herausfordert und bei der man sein Können unter Beweis stellen muss. Jeder Vierte wünscht sich "wenig Stress" am Arbeitsplatz.
  • 17 Prozent aller Studenten zwischen 18 und 29 Jahren haben einen eine Zeit im Ausland studiert, weitere 27 Prozent planen einen Auslandsaufenthalt während des Studiums. In der Studie wurde nicht gefragt, was Studenten vom Studium im Ausland abhält. Womöglich fürchten die Studenten, dass ihnen im Ausland zu viel Zeit verloren geht, vermuten die Autoren. Dabei hatte die Einführung der Bachelor-Studiengänge größere Mobilität ermöglichen sollen.

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  • Nach dem Studium hingegen zieht mehr als jeder Dritte einen Ortswechsel in Erwägung, innerhalb Deutschlands wie auch ins Ausland. Dabei sind die jungen Frauen (36 Prozent) noch mehr zu Mobilität bereit als die gleichaltrigen Männer (33 Prozent).
  • Wichtigste Einnahmequelle der Studenten sind nach wie vor die Eltern. Jeder Dritte bekommt laut Umfrage Bafög. 58 Prozent gaben an, neben dem Studium zu arbeiten.

Ursprünglich sollte der Bachelor ein berufsqualifizierender Abschluss sein und das Master-Studium nur wenigen offenstehen. Denn vor 15 Jahren hatten sich die europäischen Staaten und einige Nachbarländer in der alten Hochschulstadt Bologna darauf geeinigt, Bachelor- und Master-Abschlüsse einzuführen. Während in vielen anderen EU-Staaten der Bachelor nach etwa acht Semestern vergeben wird, wurden in Deutschland zu Anfang häufig nur sechs Semester vorgegeben. Studenten und Professoren klagten über Stofffülle und Studienstress, inzwischen haben viele Unis ihr Bachelor-Angebote entzerrt.

Erfahren Sie mehr darüber, wie Studenten leben:
Unsere Auswertung der Sozialerhebung finden Sie hier.

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otr/dpa



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insgesamt 113 Beiträge
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rst2010 10.06.2014
1. bacchalaureus
war früher der akademische schmalspurabschluss, den man aus guten gründen hat fallen lassen. jetzt ist er - leicht angliziert - wieder da. und ist weiterhin der schmalspurabschluss. Da dann doch besser einen Handwerksmeister machen.
mslanzer 10.06.2014
2. Bachelor ist RTL-Niveau
Nicht umsonst heisst der Studiengang so wie die gleichnamige Sendung - oder war es umgekehrt? SPaß bei Seite, ich würde als Firmenchef auch keinen mit Vordiplom einstellen, warum dann also mit Bachelor?
mslanzer 10.06.2014
3. Bachelor ist RTL-Niveau
Nicht umsonst heisst der Studiengang so wie die gleichnamige Sendung - oder war es umgekehrt? SPaß bei Seite, ich würde als Firmenchef auch keinen mit Vordiplom einstellen, warum dann also mit Bachelor?
harryholdenwagen 10.06.2014
4.
Ich merke gerade selbst, dass der Bachelor in meinem Fach nicht ausreicht und werde einen Master dranhängen.
bk69 10.06.2014
5. Bachelor
Naja, warum sollte auch ein Bachelorabschluss für die meisten ausreichen? Man hat doch früher auch nicht nach dem Vordiplom aufgehört. Der Bachelor/Master wurde eingeführt, um besser vergleichen zu können bzw. auch die Möglichkeit zu schaffen, einfach die Uni zu wechseln. Das Arbeitgeber nach Bachelor-Studenten suchen kommt zwar doch recht häufig vor (je nach Fachrichtung natürlich), aber eigentlich ist das Studium einfach zu kurz.
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