Baden-Württemberg Comeback der Uni-Demokratie

In Baden-Württemberg steht eine kleine Uni-Revolution an: Bislang haben Studenten dort weniger zu sagen als in den meisten anderen Bundesländern. Doch nun will Grün-Rot die Uni-Demokratie stärken und die Verfasste Studierendenschaft wiederbeleben.


Baden-Württemberg will die Verfasste Studierendenschaft wieder einführen. Ein enstprechender Gesetzentwurf der grün-roten Landesregierung wurde heute im Kabinett beraten. Bis zum Wintersemester 2012/13 soll die rechtliche Vertretung der Studenten wieder in den Unis Einzug halten.

"Mit einem politischen Mandat sollen die Studierenden sich zu hochschulpolitischen Fragen äußern und für die sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Belange aller Studierenden eintreten können", sagte die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) dem SWR.

Es ist ein neuer Ton in der Hochschulpolitik Baden-Württembergs, wo es seit ihrer Abschaffung im Jahr 1977 keine verfasste Studentenschaft gibt und Rektorate und Hochschulräte bei Entscheidungen kaum jemanden fragen müssen. Ausdrücklich verabschiedet sich Grün-Rot auch vom Leitbild der "Unternehmerischen Hochschule", das nie zu den Hochschulen gepasst habe.

"Das muss sich endlich ändern"

Die Verfasste Studierendenschaft besitzt als rechtliche Vertretung der Studenten Finanzhoheit - das Recht, Semesterbeiträge festzulegen, die die Studenten zur Finanzierung der Selbstverwaltung bezahlen müssen - und ein hochschulpolitisches Mandat.

Baden-Württemberg ist neben Bayern das einzige Bundesland, das keine Verfassten Studierendenschaft hat. In Bayern wurde sie bereits 1973 abgeschafft.

Auch die bayerischen Grünen drängen auf eine Wiedereinführung der Verfassten Studierendenschaft an bayerischen Hochschulen. Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen im bayerischen Landtag, Ulrike Gote, forderte Bildungsminister Wolfgang Heubisch (FDP) auf, sich ein Beispiel an der Nachbarregierung zu nehmen. "Die Studierenden können an der Gestaltung der Hochschulen in Bayern nicht mitwirken, obwohl sie den größten Teil der Mitglieder ausmachen. Das muss sich endlich ändern", sagte sie. Eine echte Mitwirkung sei nur mit einer Verfassten Studierendenschaft möglich.

seh



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joey55 07.02.2012
1.
ASten sind völlig überflüssig! Sie kosten nur Geld der Studenten und dienen rein der Profilierung Einzelner. Vorteile bringen sie den Studenten nicht!
biobanane 07.02.2012
2.
Zitat von joey55ASten sind völlig überflüssig! Sie kosten nur Geld der Studenten und dienen rein der Profilierung Einzelner. Vorteile bringen sie den Studenten nicht!
Genau, Studierende haben zu studieren und die Professoren wissen es sowieso besser, was braucht man da noch Mitbestimmung...
Loewe_78 07.02.2012
3.
Zitat von joey55ASten sind völlig überflüssig! Sie kosten nur Geld der Studenten und dienen rein der Profilierung Einzelner. Vorteile bringen sie den Studenten nicht!
Stimmt. Genau deswegen haben wir in Hessen z.B. ein landesweites, sehr günstiges Semesterticket, und die in BW nicht - und die Landesregierungen BW und Bayern - die deutschen Hillbillies - haben die politische Betätigung mittels AStA auch nur verboten, weil sie die Studierenden schützen wollten. Nicht, weil eine organisierte, verfasste Studierendenschaft die Wünsche und Vorstellungen der Studierenden lautstark und wirksam formulieren könnte. Was mitunter den Interessen der Landesleitung zuwider laufen könnte. Nein, so ist das nicht. Ehrlich.
prefec2 07.02.2012
4. Sinn und Zweck von ASten
Zitat von joey55ASten sind völlig überflüssig! Sie kosten nur Geld der Studenten und dienen rein der Profilierung Einzelner. Vorteile bringen sie den Studenten nicht!
In meiner Uni hat der AStA seinerzeit das Semesterticket entwickelt, verhandelt und geholfen es durchzusetzen. Natürlich alles mit dem Auftrag des StuPas. Davon abgesehen ist natürlich die Kritik an den ASten vollkommen berechtigt. Sie kümmern sich nur um Minderheiten: Schwule, Lesben, Ausländer, Studies ohne Geld, Studies mit Kindern, sie können meist die Studentenwerke kontrollieren, und finanzieren solche Dinge wie die Fahrradselbsthilfewerkstatt für Studierende oder organisieren das Semesterticket (siehe oben). Aber das ist natürlich alles Humbug und unnötig. Sie vertreten die Studierenden in den Ausschüssen der Hochschule. Zusammen mit den Aktiven der Fachschaften bilden sie die Kontrolleure der Uni von Seiten der Studierenden. Es gibt jedoch auch ASten, die das alles nicht hinbekommen. Da diese aber von den StuPas gewählt werden und die StuPas nun mal von den Studierenden, können die Studierenden hier gerne auch mal andere Listen wählen. Oder gar selbst eine Liste gründen. BTW: Ich war nie im StuPa oder AStA dafür aber in der aktiven Fachschaft und weiß sehr genau wie wichtig die Infrastruktur AStA für studentische Belange sein kann. Wahrscheinlich passt ihnen nur nicht, dass die meisten ASten tendenziell links sind.
joey55 07.02.2012
5. Titel!
Zitat von biobananeGenau, Studierende haben zu studieren und die Professoren wissen es sowieso besser, was braucht man da noch Mitbestimmung...
Och, das ist mir jetzt doch ein wenig zu plump...
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