Baden-Württemberg Studenten protestieren gegen Bezahlstudium

Baden-Württemberg will ausländische Studenten zur Kasse bitten, angeblich für eine bessere Betreuung. Doch die Hochschulen bekommen von dem Geld wenig ab - am Wochenende gibt es Proteste.

Studenten in Heidelberg (Archivbild)
DPA

Studenten in Heidelberg (Archivbild)


1500 Euro pro Semester - so viel werden ausländische Studenten, die aus Nicht-EU-Staaten kommen, ab Herbst an Gebühren bezahlen müssen, wenn sie in Stuttgart oder Karlsruhe, Freiburg oder Hohenheim studieren wollen. Das sieht der Gesetzentwurf vor, über den der baden-württembergische Landtag in der kommenden Woche entscheidet - und gegen den Studiengebührengegner am Freitag und Samstag noch einmal landesweit auf die Straße gehen wollen.

Die Idee zum Bezahlstudium für internationale Studenten stammt von der grünen Wissenschaftsministerin Theresia Bauer. "Das Notwendige mit dem Sinnhaften verbinden", so skizziert sie selbst ihre politische Strategie. Das Notwendige ist in diesem Fall: mehr Geld auftreiben, um den Landeshaushalt zu entlasten. Das Sinnvolle aus ihrer Sicht: Gebühren zu erheben, um die Betreuung zu verbessern und die Abbrecherquoten von rund 50 Prozent zu senken, die es bei internationalen Studenten gibt.

Streit über Abschreckungseffekt

Für Johannes Glembeck, Geschäftsführer des Bundesverbands ausländischer Studierender (Bas), ist das kein nachvollziehbares Argument. Denn von den 1500 Euro pro Semester gehen nur 300 Euro an die jeweilige Hochschule - der Rest wandert in die Landeskasse. "Wenn man von diesen 300 Euro noch die Verwaltungskosten abzieht, bleibt kaum etwas übrig für eine bessere Betreuung", rechnet Glembeck vor.

Zusammen mit anderen Gebührengegnern will der Bas am Freitagabend in Ulm und am Samstag in Stuttgart, Freiburg, Heidelberg, Karlsruhe und Konstanz auf die Straße gehen, um gegen das geplante Gesetz zu demonstrieren - auch wenn die grün-schwarze Mehrheit im Landtag die Neuregelung wohl durchwinken wird. Die Kritiker befürchten, dass das Bezahlstudium Interessenten insbesondere aus ärmeren Ländern abschrecken könnte. "Wir wollen gute ausländische Studenten hier bei uns - nicht reiche", sagt Glembeck.

Ministerin verspricht Ausnahmeregelungen

Den vermuteten Imageschaden sieht Theresia Bauer nicht. "Wir wollen mehr Internationalisierung, nicht weniger", sagt auch die Wissenschaftsministerin, "internationale Studierende tun unserem Land gut. Aber gleichzeitig brauchen diese Studierenden auch eine bessere Betreuung, um ihr Studium erfolgreich abzuschließen." Diese bessere Betreuung mit den Gebühren zu finanzieren, sei konsequent.

Und sie verspricht: "Für internationale Studierende aus den ärmsten Ländern der Welt wird es gezielte Ausnahmeregelungen geben." Ein Trostpflaster sei das, mehr nicht, finden die Gebührengegner. Und wollen bei ihren Protesten deutlich machen, dass sie die Pläne der Landesregierung für einen Tabubruch halten. Allgemeine Studiengebühren schließt der Koalitionsvertrag zwischen den Grünen und der CDU eigentlich aus.

him



insgesamt 25 Beiträge
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rjb26 28.04.2017
1. Warum sollen
Ausländer, die nach Deutschland kommen um zu studieren nicht bezahlen. Sie oder ihre Eltern haben in DE keine Steuern gezahlt...Also.....und allen voran bitte amis und Engländer zur Kasse bitten
felertoifel 28.04.2017
2. @ rjb26
@ rjb26 bisschen kraus ausgedrückt, aber in der Sache eindeutig richtig. Deutschland ist nicht mehr in der Lage, anderen jeden Luxus zu bezahlen und bei den eigenen Leuten dann mit den Achseln zu zucken. Wie wär's mal mit der Devise "Germany first!" ( un zwar UNGLEICH "Deutschland über alles").
taglöhner 28.04.2017
3. Aufklärung
Stipendien für Begabte aus aller Welt. Freies Studium für alle EU-Bürger.
steffen.ganzmann 28.04.2017
4.
Zitat von rjb26Ausländer, die nach Deutschland kommen um zu studieren nicht bezahlen. Sie oder ihre Eltern haben in DE keine Steuern gezahlt...Also.....und allen voran bitte amis und Engländer zur Kasse bitten
Warum emphasieren Sie ausgerechnet die Anglo-Amerikaner? Ich schätze einmal, es wird deutlich mehr Chinesen in deutschen Universitäten. Btw., während meines Jurastudiums hatten wir als Ausländer gerade mal *einen* Italiener, im Medizinstudium gab *gar keinen* Ausländer in unserem Jahrgang, lediglich im PJ lief mir ein Inder über den Weg. Eine Freundin aus Deutschland studiert in Luxemburg. Das war selbst 2010 noch *so* sehr interessant und exotisch, dass Ihr sogar ein einseitiger Artikel in *Die Zeit* gewidmet wurde.
kulinux 28.04.2017
5. Statt dessen: Studiengebühren für Autobauer!
Damit könnten Studierende der Technik- und Ingenieurwissenschaften bezahlt werden (und zwar mit verlockend hohen Stipendien), die dann in ihren Abschlussarbeiten zu besseren Motoren mit weniger Schadstoffausstoß forschen könnten. Dabei käme sicherlich etwas raus: Die Autokonzerne schaffen es ja nicht … SCNR
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