Studienfinanzierung Immer weniger Schüler und Studenten bekommen Bafög

Die Zahl der Bafög-Empfänger ist binnen vier Jahren um knapp 180.000 gesunken. Die Grünen sprechen von einem "fatalen Absturz". Und warnen: Daran wird auch die Bafög-Reform kaum etwas ändern.

Studentin in einer Bibliothek
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Studentin in einer Bibliothek


Die Zahl der Bafög-Empfänger ist weiter gesunken: Nach den aktuellsten Zahlen wurden 2017 noch rund 557.000 Studierende und 225.000 Schülerinnen und Schüler gefördert. Das geht aus einer Antwort des Bundesbildungsministeriums auf eine kleine Anfrage der Grünen im Bundestag hervor.

Damit setzt sich der Trend weiter fort: Seit 2013 sinkt die Zahl der Berechtigten, binnen vier Jahren sind es knapp 180.000 Bafög-Empfänger weniger.

Das Problem: "Auch mit der geplanten Novelle wird der Bedeutungsverlust des Bafög nicht gestoppt", sagte der Grünen-Bildungsexperte Kai Gehring unter Berufung auf den aktuellen Gesetzentwurf zur Erhöhung des Bafög.

Bafög
Was ist Bafög?
Bafög ist die Abkürzung für Bundesausbildungsförderungsgesetz. Mit dieser Förderung, die im Jahr 1971 eingeführt worden ist, soll es jungen Menschen ermöglicht werden, unabhängig von ihrer sozialen und wirtschaftlichen Situation eine Ausbildung zu absolvieren.
Wer bekommt Bafög?
Gefördert werden grundsätzlich junge Menschen mit deutscher Staatsbürgerschaft sowie Ausländerinnen und Ausländer, die eine Bleibeperspektive in Deutschland haben und gesellschaftlich integriert sind. Auszubildende können meist nur gefördert werden, wenn sie die Ausbildung, für die sie Förderung beantragen, vor Vollendung des 30. Lebensjahres, bei Masterstudiengängen vor Vollendung des 35. Lebensjahres, beginnen.
Wie viele Studierende bekommen den Bafög-Höchstsatz?
Im Jahr 2017 wurden von rund 557.000 Studierenden, die Bafög erhielten, rund 229.000 voll gefördert. Die Höhe des Bafögs hängt von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel, ob die Studierenden noch bei ihren Eltern oder in einer WG wohnen, ob sie im Ausland studieren oder in Deutschland, wie viele Geschwister sie haben und wie hoch das eigene Vermögen ist. Zurzeit liegt der Höchstsatz für Studierende, die nicht bei ihren Eltern wohnen, bei 735 Euro. Bis 2020 soll der Höchstsatz auf 850 Euro steigen.
Wie zahlt man das Bafög zurück?
Bafög-Empfänger müssen nicht die gesamte Förderung zurückzahlen, sondern nur einen Teil, da Bafög zur Hälfte als Darlehen und zur Hälfte als Zuschuss gezahlt wird. Für die Rückzahlung haben sie in der Regel 20 Jahre Zeit. Sie können es auf einen Schlag bezahlen oder in Raten. Wer es auf einmal bezahlt, bekommt einen Teil erlassen. Mit der Rückzahlung müssen sie fünf Jahre nach Ende der Bafög-Förderungshöchstdauer beginnen. Maximal müssen 10.000 Euro zurückgezahlt werden.

Zwar sollen nach einem Gesetzentwurf von Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU), der bald vom Bundeskabinett auf den Weg gebracht werden soll, der Einkommensfreibetrag der Eltern in drei Schritten bis 2021 um insgesamt 16 Prozent angehoben werden. Damit erhöht sich die Zahl der Bafög-Berechtigten.

Doch Gehring weist darauf hin, dass die Bundesregierung nur mit rund 35.000 zusätzlich Geförderten rechne. Das schlussfolgert der Grünen-Politiker aufgrund des erwarteten Mehraufwands, den die Bundesregierung zur Bearbeitung angibt.

Gehring sprach von einem "fatalen Absturz dieses wichtigen Chancengerechtigkeitsgesetzes". Ein Ende dieser Entwicklung sei nicht in Sicht.

Um diese Entwicklung aufzuhalten, müssten die Fördersätze und Freibeträge zum nächsten Semester um mindestens zehn Prozent steigen, forderte Gehring - danach automatisch und regelmäßig.

CDU steht zur Reform

Der CDU-Bildungsexperte Stefan Kaufmann verteidigte die Reform. Dass mehr Familien als früher ihren Kindern eine Ausbildung aus eigener Kraft finanzieren können, liege an der guten Wirtschafts- und Einkommensentwicklung. "Andererseits steigen auch die Kosten und belasten gerade jene, die knapp über den Anspruchsgrenzen liegen", sagte Kaufmann.

Mit der anstehenden Novelle werde nun diese Mittelschicht entlastet. Das Ziel sei, wieder mehr junge Menschen zu fördern. Die dafür entscheidenden Einkommensfreibeträge würden deutlich erhöht. "Die im Koalitionsvertrag verabredete Trendumkehr hin zu mehr Geförderten setzen wir um."

sun/dpa

insgesamt 14 Beiträge
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Thomas Schröter 28.01.2019
1. Aktenmanipulationen, Anreiz zum Boulemielernen, Studienabbruch
Neben den in den SPON-Artikeln vom 23.01..2019 aufgezeigten massiven Mängeln in der Bafögverwaltung setzt das Bafög zudem völlig falsche Anreize zum dauerhaft unproduktiven Boulemielernen. Man lernt nicht um zu lernen sondern nur für die Prüfung zum anschliessenden Vergessen. Logische Konsequenz sind hohe Studienabbrecherquoten in MINT-Fächern, in denen prozedurales Können nun mal erworben werden muß und die auf mathematisch-prozeduralen Sprachen basierenden Inhalte aufeinander aufbauen. Aber das ist vielen Verantwortlichen völlig klar. Vielmehr stehen die in regionalen Wirtschaftsstrukturen verwurzelten Hochschulen im Verdacht, über steigende Studienbeginnerzahlen Immobilienblase und Immobilienspekulation zu befeuern. Um für entsprechenden Nachschub zu sorgen wird dann weltweit angeworben. Das Ausweisen von kalkulatorischem Wirtchaftswachstum durch steigenden Bodenpreise hat die britische Vorbrexit-Ökonomie zum Vorbild.
JackGerald 28.01.2019
2. Dann liegt es vielleicht auch daran,
dass deren Eltern ein zu hohes Einkommen haben. Wenn beide Elternteile berufstätig sind, was besonders auch von den Grünen unterstützt wird, dann wär das ja auch nicht außergewöhnlich. Sowas pauschal als "Absturz des Chancengerechtigkeitsgesetzes" zu bezeichnen ist jedenfalls reichlich einseitig.
urbuerger 28.01.2019
3. Die Vergabe von Barfög geschied in vielen Fällen rein Subjektiv!
Mir ist aus meinem Umfeld bekannt, dass ein Unternehmer für alle seine Fünf Kinder Barfög beantragte und auch durch bekam, denn offiziell, verdiente er nur 1300.00€ als Geschäftsführer seiner eigenen GmbH monatlich! Warum seine Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung nicht hinzugezogen würden, bleibt mir en Rätsel, denn die Gebäude seiner 4 Filialen gehören ihm und sind nur an die GmbH vermietet oder verpachtet, die Einnahmen daraus gehen direkt an ihn! Zu diesem Menschen sind noch viele andere Dinge zu sagen, aber das würde zu weit führen, aber eben er bekam Barfög für alle Kinder, während in unserer Nachbarschaft einigen das Barfög zu meist aus zu hohen Einkünfte Gründen versagt würde, so wie auch mir, als allein Erziehenden Vater, der Erwerbsminderungsrentner ist, zwar mit einem Rentenzuschuss aus dem Ausland für Acht Einzahlungsjahre, aber mit kaum mehr als das Grundeinkommen! Meiner Tochter konnte ich das Studium vor 3 Jahren nicht bezahlen und Barfög würde nicht genehmigt. Deshalb machte sie sich nach ihrer Lehre, trotz hervorragendem Abschluss, lieber in die Schweiz auf, dort eine Anschlusslehre machte und nun mit einem Stipendium nach drei Jahren Verspätung endlich ihr Studium zu absolvieren! Die Zuschüsse in der Schweiz gab es auf Grund der Tatsache, dass meine Tochter in der Schweiz geboren wurde! Die Anträge waren übrigens nur drei Seiten lang und könnten innerhalb einer Woche bewilligt werden, während hier das ganze Prozedere bereit Monate in Anspruch genommen hatte! Barfög wird hier eben nicht an jeden vergeben, der in der Lage wäre aus Bildungsgründen zu studieren, hier gilt immernoch in erster Linie die Herkunft des Studenten! Akademiker und Unternehmer werden massiv Bevorteilt, selbst wenn es keine Notwendigkeit für Barfög Unterstützung gibt!!! Herkunft vor Intelligenz! Übrigens haben nur zwei der Unternehmerkinder tatsächlich ihr Studium abgeschlossen, die anderen arbeiten bei Papa!!!
nwh48056 28.01.2019
4.
Ich kann derzeit kein Bafög beziehen, weil meine Eltern vor Jahren den Fehler gemacht haben, auf meinen Namen statt auf ihren zu sparen. Hätten sie diesen Fehler nicht begangen, würde ich jetzt schon Bafög beziehen und könnte zusätzlich ein monatliches "Taschengeld" von meinen Eltern erhalten, das niemand prüfen würde. Ich finde das derzeitige Vergabeverfahren ja sehr bizarr..
cabeza_cuadrada 28.01.2019
5. Bafög Rechner
Zitat von JackGeralddass deren Eltern ein zu hohes Einkommen haben. Wenn beide Elternteile berufstätig sind, was besonders auch von den Grünen unterstützt wird, dann wär das ja auch nicht außergewöhnlich. Sowas pauschal als "Absturz des Chancengerechtigkeitsgesetzes" zu bezeichnen ist jedenfalls reichlich einseitig.
bemühen sie einfach mal einen Bafög Rechner. Schon ein Elternteil mit etwas über 40k Jahresgehalt (brutto) und es ist Asche mit Bafög. Selbst wenn das Elternteil Alleinverdiener ist. Ja, das nennt man dann ein zu hohes Einkommen.
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