Rekord Bafög knackt die Drei-Milliarden-Euro-Marke

So viel Geld haben Bund und Länder noch nie fürs Bafög ausgegeben: Im vergangenen Jahr zahlten sie über drei Milliarden Euro an Studenten und Schüler aus. Die Opposition zeigt sich davon allerdings unbeeindruckt. Für die Linke ist die statistische Erfolgsmeldung ein "schlechter Witz".

Bafög-Antrag: Rund 650.000 Studenten bezogen 2011 Ausbildungsstütze
dapd

Bafög-Antrag: Rund 650.000 Studenten bezogen 2011 Ausbildungsstütze


Die Studentenzahlen steigen und mit ihnen auch die Zahl der Bafög-Empfänger: Bund und Länder zahlten im vergangenen Jahr knapp 3,2 Milliarden Euro, 10,7 Prozent mehr als im Jahr zuvor, das teilte das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mit. Nie zuvor haben Bund und Länder so viel Geld für die Ausbildungsförderung ausgegeben, dabei trägt der Bund mit 65 Prozent den größeren Teil der Kosten.

Insgesamt erhielten im vergangenen Jahr 963.000 Studenten und Schüler Bafög, 5,1 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Dabei ging die Zahl der Schüler um 1,5 Prozent auf 319.000 zurück. Das sei auf zurückgehende Schülerzahlen, die verkürzte Gymnasialzeit und den Wegfall der Wehrpflicht zurückzuführen, sagte Udo Kleinegees vom Statistischen Bundesamt. Mit 644.000, 8,6 Prozent mehr als im Vorjahr, erhielten deutlich mehr Studenten die Förderung.

Auch wenn die Zahl der Bafög-Empfänger gestiegen ist, ist sie immer noch niedriger als in den achtziger Jahren: Damals erhielten über eine Millionen die Studentenstütze, sie war aber von 1981 bis 1990 ein Volldarlehen, musste also komplett zurückgezahlt werden. Ab Anfang der neunziger Jahre ging die Zahl der Empfänger zurück, erst seit 1998 steigt sie wieder an.

Als Student erhält Bafög, wer nach einer akribischen Prüfung der eigenen Vermögensverhältnisse und der elterlichen Einkünfte als bedürftig nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz gilt. Die Förderung muss zu jedem Studienjahr neu beantragt und nach Studienende zur Hälfte zurückgezahlt werden.

Opposition fordert Bafög-Erhöhung

Für die Schüler summierten sich die Bafög-Leistungen in 2011 insgesamt auf 910 Millionen Euro, für Studenten auf knapp 2,3 Milliarden Euro. Fast jeder Zweite (48 Prozent) erhielt 2011 den maximalen Förderbetrag. Er liegt für Studenten, die nicht zu Hause wohnen, derzeit bei monatlich 597 Euro. Hinzu kommen nach Auskunft des Bundesamts 73 Euro für Kranken- und Pflegeversicherung. Im Durchschnitt bekamen Schüler 385 Euro und Studenten 452 Euro im Monat.

Nicola Gohlke, hochschulpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Die Linke, sagt, die Statistik sei "ein schlechten Witz": Der Anstieg sei den doppelten Abiturjahrgängen und der Aussetzung der Wehrpflicht geschuldet, "nicht dem sozialen Verantwortungsbewusstsein der Bundesregierung". Wie mit dem Höchstbetrag von 670 Euro Miete, Semestergebühren, Verpflegung und Studienmaterial bezahlen werden sollen, wisse auch Ministerin Schavan nicht, so Gohlke.

Gohlke und weitere Oppositionsvertreter forderten, das Bafög müsse angehoben und damit an den tatsächlichen Bedarf angepasst werden. 2010 war der Bafög-Satz leicht gestiegen, zuletzt schloss Schavan Anfang 2012 eine Erhöhung für das kommenden Studienjahr aus.

fln/dpa

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insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
n+1 20.07.2012
1. Also
Zitat von sysopdapdSo viel Geld haben Bund und Länder noch nie fürs Bafög ausgegeben: Im vergangenen Jahr zahlten sie über drei Milliarden Euro an Studenten und Schüler aus. Die Opposition zeigt sich davon allerdings unbeeindruckt. Für die Linke ist die statistische Erfolgsmeldung ein "schlechter Witz". http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,845509,00.html
wie war nochmal die Relation: Für die Boni also ich meine die span. Banker (die bewiesen haben, dass sie ihr Geschäft nicht können) geben wir 29 Mrd. aus. Dabei darf ein solcher "Manager" dann nicht mehr als 600 000 pa verdienen. Und für die geistige Elite Deutschlands dann 3 Milliarden. Immerhin. Mehr als gar nichts. Potzblitz!
peammeak 20.07.2012
2.
... naja, diese Statistik zählt auch die Leute als "Empfänger mit Höchstsatz" mit, die Bafög als 100%-tigen verzinsten Kredit bekommen und die gesamte erhaltene Leistung samt Zinsen zurückzahlen müssen. Was Spiegel, ähnlich wie auch oft der Volksmund, schreibt, ist das der Bund und die Länder das Geld "ausgeben". Dabei wäre es sinnvoller dieses Geld als "Anlage" zu betrachten. ... immerhin darf man nicht vergessen, das man einen Teil des erhaltenen Bafögs für gewöhnlich zurückzahlt.
berndine 20.07.2012
3. i
Ich denke auch eher, dass dieses Geld gut investiert ist und nicht "ausgegeben"! Zudem werden 50 % zurückgezahlt, sofern man nicht große summen auf einmal zahlen kann.
qwert4310 20.07.2012
4.
Ich bin nicht für eine Erhöhung der Sätze, ich bin selbst Student und lebe von etwa 600 Euro monatlich und das sehr gut. Aber meiner Meinung nach sollten die grenzen ab wann man bafög bekommt reduziert werden damit mehr Studenten Bafög beziehen können. Ich kenne genug Leute die von 400 Euro pro Monat Miete und Lebensunterhalt stemmen!
Dr. Fuzzi 21.07.2012
5. Och Joh!
Zitat von n+1wie war nochmal die Relation: Für die Boni also ich meine die span. Banker (die bewiesen haben, dass sie ihr Geschäft nicht können) geben wir 29 Mrd. aus. Dabei darf ein solcher "Manager" dann nicht mehr als 600 000 pa verdienen. Und für die geistige Elite Deutschlands dann 3 Milliarden. Immerhin. Mehr als gar nichts. Potzblitz!
Wie kommen Sie denn auf "geistige Elite" Deutschlands? Das Bafög ist rein gar nicht an reale Qualifikation geknüpft. Das erhalten selbst "Eliten" mit einem Abi-Schnitt von 4,9 und diese studieren dann auf irgendeiner Wald- und Wiesen-Uni ohne NC vielleicht irgendetwas, womit sie später als Banker quasi auferstehen können. Vielleicht ist das sogar des Pudels Kern bei der aktuellen Bankenkrise....
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