Bafög digital Studentenwerk schimpft über lahme Bundesländer

Der Chef der Studentenwerke ist sauer: Die Länder haben die Digitalisierung der Bafög-Anträge völlig verschlafen. Nur in einem Bundesland wurden die Pläne zum e-Bafög umgesetzt.

Bafög-Antrag: Probleme bei der Digitalisierung des Verfahrens
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Bafög-Antrag: Probleme bei der Digitalisierung des Verfahrens


Wer Bafög beantragen will, muss sich mehr als ein halbes Dutzend Formblätter herunterladen, sie ausfüllen, ausdrucken und mit der Post an das zuständige Amt für Ausbildungsförderung schicken. Willkommen im Jahr 2016!

Mit dem e-Bafög sollte alles einfacher werden. Die Idee: Wer einmal online einen Antrag stellt, kann immer wieder auf diesen Datensatz zurückgreifen - egal wann, und egal an welcher Hochschule. So war es von Seiten der Politik auch angekündigt worden, so steht es im Gesetz zur Bafög-Reform. Doch außer Hessen hat kein Land diese Ankündigung bisher umgesetzt.

Der Präsident des Deutschen Studentenwerks, Dieter Timmermann, wirft deshalb 15 der 16 Bundesländer Versäumnisse vor: "Die Länder wussten von der Frist 1.8.2016 seit dem Jahr 2013." Sie hatten also ausreichend Zeit, um die Digitalisierung der staatlichen Studienfinanzierung voranzutreiben.

Während der Bund seit Anfang 2015 allein für die Bafög-Kosten von etwa 1,2 Milliarden Euro pro Jahr aufkommt, sind die Länder weiterhin für die Bafög-Verwaltung zuständig - und dort hätten die Innenminister aktiv werden müssen, so Timmermann kopfschüttelnd: "Ein medienbruchfreies e-BAföG ist doch kein visionäres oder größenwahnsinniges Vorhaben in diesem Jahrzehnt!"

Das Studentenwerk fordert seit Längerem eine gemeinschaftliche Lösung aller 16 Bundesländer beim e-Bafög. "Die Studierenden haben Anspruch auf ein einfaches, transparentes, entbürokratisiertes, einheitliches System. Hier geht es um Kundenorientierung, nicht um föderale Kirchturmpolitik", so Timmermann.

Auch sein Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde betont: "Einfach nur den Bafög-Antrag online zu stellen und dann die Studierenden zu bitten, alles ausgedruckt doch wieder schriftlich einzureichen: Das ist kein e-Bafög."

him/dpa



insgesamt 28 Beiträge
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Vollgasmeister 27.06.2016
1.
Das ganze System ist ein Witz. Wieso muss ich immer elendig lange Anträge ausfüllen? Dieser Staat weiss ja eh schon alles was ich da ankreuze und reinschreibe, eigl. müsste der Staat von sich aus auf seine Bürger zukommen und ihnen mitteillen, ob/dass sie Bafög-berechtigt sind. Viele in meiner Klasse wissen garnicht, dass sie Anspruch auf Meister-Bafög haben und haben es deshalb garnicht erst beantragt.
Mr Bounz 27.06.2016
2. Priorität = 0
Wer beantragt Bafög? Die Kinder der Besserverdienenden Elite? Nein! Also ganz klar priorität = 0 (Null) Wer schon einen Halbtags Job hat um sein Studium zu finsnzieren, der kann doch auch locker noch umständliche Anträge bearbeiten. Wenn sichergestellt ist das die Bafög "Beansprucher" immer genug zu tun haben, ist gleichzeit auch sichergestellt das Konsul Meiers (Name frei erfunden) Sprössling besser abschneiden kann. (Falls es vom Kopf her halbwegs reicht)
robert.stegler 27.06.2016
3. e-Bafög schon lange überfällig
Man möchte fast denken, dass dort ein System dahinter steckt, um die Studenten nur lange genug zu schickanieren bis sie auf ihr Bafög verzichten. Ich gebe mal ein kleines Beispiel aus meiner eignen Erfahrung und der meiner beiden Geschwister: Man kann gar nicht glauben dass alleine bei uns 3 Personen die Anträge oder noch nachzureichende Unterlagen inzwischen schon 5-mal "verschwunden" oder nie angekommen sind obwohl alles mit Einschreiben gesendet wurde. Durch diese Praktik dauerte es bei mir 9 Monate bis ich dann mein Bafög tatsächlich bekam. Nur um dann 2 Monate später den nächsten Antrag zu stellen zu müssen, da hat dann alles nur noch 6 Monate gedauert. => von 24 Monaten habe ich 15 Monate kein monatliches Bafög erhalten (wurde natürlich nachgezahlt aber wenn man jeden Monat Miete zahlen muss siehts schlecht aus)
quark2@mailinator.com 27.06.2016
4.
Und das ist ja auch ein himmelschreiendes Drama, wenn Studenten, wie all die Zeit bisher, gezwungen sind, ein Formular auf Papier auszufüllen, für das es dann Geld gibt. Komischerweise regt man sich weniger darüber auf, daß nun Millionen Rentner Steuererklärungen abgeben müssen ... macht mit 90 Jahren sicher Spaß, weil geht ja am Rechner ... und das unterbschäftigte Pflegepersonal hat sicher auch Spaß dran, sich nun auch noch darum zu kümmern. Aber hey, Studenten sind die Zukunft ...
Nonvaio01 27.06.2016
5. sorry aber deutschland
hat die digitalisierung komplett verschlafen. In normalen westlichen laendern muss man wegen nichts mehr zum Amt, oder ein stueck papier ausfuellen. In D undenkbar, darum bin ich vor 17 jahren auch weg aus D...... Ich mache alles nur noch ueber das Internet.
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