Bafög Weniger Studenten bekommen Geld vom Staat

Die Zahl der Bafög-Empfänger in Deutschland sinkt - zum sechsten Mal in Folge. Hunderttausende Studierende müssen jobben oder mit dem Geld ihrer Eltern auskommen.

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Laut Statistischem Bundesamt haben im vergangenen Jahr 782.000 Studenten und Schüler Leistungen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz bekommen. Das sind 41.000 weniger als 2016, was einem Rückgang um 5,8 Prozent entspricht. Damit setzt sich ein Negativtrend weiter fort: 2015 war das Bafög noch an 870.000 Schüler und Studenten ausgezahlt worden.

Der Rückgang ist leicht zu erklären: Das Einkommen der Eltern entscheidet mit darüber, ob ein Kind Bafög bekommt oder nicht. Und weil die Löhne in Deutschland zuletzt gestiegen sind, haben mehr mögliche Empfänger die Grenzbeträge überschritten, ab denen sie weniger oder gar keine Förderung erhalten.

Das Studentenwerk fordert deshalb schon seit Langem, dass die Elternfreibeträge um etwa zehn Prozent erhöht werden, damit mehr Studenten aus mittelständischen Familien die Chance auf Bafög bekommen. Zuletzt wurden die Freibeträge zum 1. August 2016 erhöht - aber das konnte den Rückgang der Bafög-Empfänger nicht stoppen.

CDU, CSU und SPD haben im Koalitionsvertrag Zusatzausgaben von einer Milliarde Euro verabredet, um bis zum Jahr 2021 eine Trendumkehr beim Bafög zu erreichen. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) erklärte, sie wolle einen Gesetzentwurf vorlegen, der zum Schuljahresbeginn 2019/2020 in Kraft treten solle.

Trotz der gesunkenen Zahlen der Empfänger erhöhten sich die Bafög-Ausgaben des Bundes 2017 erstmals seit Jahren wieder - und zwar um rund 2,4 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro. Der Anstieg erklärt sich durch höhere Pro-Kopf-Förderbeträge. Schüler konnten im Durchschnitt mit monatlich 456 Euro rechnen, 21 Euro mehr als im Vorjahr. Studierende erhielten im Schnitt 499 Euro, ein Plus von 35 Euro.

Rund die Hälfte der Bafög-Empfänger erhielt den maximalen Förderbetrag. Eine Teilförderung erhalten etwa Schüler und Studenten, die mit eigenen Einkommen oder dem Einkommen der Eltern über bestimmten Grenzen liegen. Ihre Zahl ging um 7,1 Prozent zurück.

vet/AFP



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werder11 02.08.2018
1. seit jahrzehnten
werben politiker für ihre wahl vor allem damit, daß sie ganz bestimmt mehr für die bildung tuen wollen - für mich heißt das, investieren in die nachwuchsgeneration, um unseren standort zu erhalten und den nachrückenden generationen die entwicklungswege freizumachen, die sie verdienen und die für das land unverzichtbar sind - statt dessen gehen die subventionen nach wie vor in die wirtschaft, zu den banken, zur kohleerhaltung, agrarwirtschaft usw ganz am schluß kommen dann kindergärten, schulen und universitäten - ach so, die absolute priorität für alle politiker hat natürlich immer erst mal die eigene versorgung!
martine-primus 02.08.2018
2. @1
ja, sehe ich auch so. Und hinzu kommt, dass das Jobben-gehen-müssen, um das Studium durchführen zu können, einen um viele Semester zurückwirft! Es ist ja nicht damit getan, mal am Wochenende zu jobben! Oder nur in der vorlesungsfreien Zeit (gerne auch als "SemesterFERIEN" betitelt). Es gibt eben Studiengänge, da ist jobben nebenher kontraproduktiv für spätere Karrierechancen. Da sehen die späteren Chefs nur, dass man nicht in der Regelstudienzeit studierte. Aber gut.. man hat natürlich auch noch die Möglichkeit, seine Eltern zu verklagen! Aber wie lange dauert das, bis es zum Erfolg und zu Geldfluss kommt??? Also bleibt es beim Alten: die Akademiker-Kinder studieren gut und gerne und abgesichert, während die vom Proletariat wieder einmal in die Röhre gucken!
anriss 02.08.2018
3. Statistik...
Um die Daten einordnen zu können wäre es wichtig zu wissen, wie sich die Gesamtzahl der Schüler und Studenten entwickelt hat. Ist die stärker zurück gegangen als die Zahl der BAföG Empfänger, hat sich deren Anteil sogar erhöht. Das wäre dann kein Grund für Panik(mache). Die Informationen im Artikel sind daher für sich genommen völlig nichtssagend.
JL1212 02.08.2018
4. seit Jahrzehnten ungerecht
Mein Studium musste ich vor 30 Jahren als Sohn einer Krankenschwester und einem Frührentner selbst finanzieren. Zu hoch war das versteuerbare Einkommen meiner Eltern. Meine beiden besten Freunde, Sohn eines Landwirts und Sohn eines selbstständigen Schmiedes (eigener Industrieschmiedebetrieb), haben ihr volles Bafög bekommen. Beide wohnten offiziell ausserhalb (bei den Grosseltern), defacto aber zu Hause und fuhren in den von den Eltern finanzierten Auto zur Fachhochschule. Eltern verfügten über mehrer Fahrzeuge (Mercedes), Ferienwohnung und lebten im Eigenheim. Aber auf der Steuererklärung waren diese Grundsätzlich arm wie die Kirchenmäuse. In Skandinavien bezieht jeder Student sein staatliche Unterstützung unabhängig von dem Einkommen der Eltern. Diese reicht gerade so zum Überleben, wenn man mehr braucht nimmt man staatlich garantierte Kredite. Nicht die Elternfreibeträge sollten in Frage gestellt werden sondern das ganze System.
nixkapital 02.08.2018
5. ...
...ich kann nicht nachvollziehen, warum die Unterstützung von Student_Innen in Deutschland so restriktiv und geizig gehandhabt wird. Erstens ist BAFÖG ein Kredit, der in den meisten Fällen zurückgezahlt werden muss und zweitens sollten die Bemessungsgrundlagen endlich einmal den Realitäten angepasst werden und damit meine ich gestiegene Lebenshaltungskosten und da vor allen Dingen die Mieten. Ich würde gerne mal ein "Förderziel" sehen, wie bei den Rüstungsausgaben. Während da großzügig die Rüstungsindustrie bis zum Anschlag gepampert wird, kommt die Bildung hier in Deutschland langsam unter die Räder. Aber vielleicht ist das ja gewollt und man benötigt nicht mehr viele studierte Leute? Und die sollen dann wohl bitte schön aus den Kreisen kommen, die ohnehin in Sachen Geld keine Sorgen haben. Aber hier in Deutschland hatte man schon immer Hemmungen, Menschen zu unterstützen. Das fängt bei der Kita-Verfügbarkeit an und endet dann in einem überholten und ungerechten Rentensystem. Schaut man z.B. nach Skandinavien, sieht man, dass es auch anders geht. Man (Berlin) muss nur wollen.
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