Kabinettsbericht Bafög kostet Bund und Länder 3,3 Milliarden Euro

So viel Bafög wurde noch nie ausgezahlt: 440.000 Studenten erhielten 2012 die staatliche Studentenstütze, zeigt der aktuelle Bafög-Bericht. Grund sind steigende Studentenzahlen, die Gefördertenquote stagniert.

Studenten der TU München: In Bayern liegt die Bafög-Quote bei 25 Prozent
DPA

Studenten der TU München: In Bayern liegt die Bafög-Quote bei 25 Prozent


Eine Bafög-Reform soll kommen, spürbar soll sie sein und an die "Lebensrealität" der Studenten angepasst. So hatten es Politiker der Großen Koalition angekündigt. Konkreter wurde es seit Ende der Koalitionsverhandlungen im Dezember nicht. Bald soll die Reform verhandelt werden, und Grundlage für die Verhandlungen wird auch der 20. Bafög-Bericht der Bundesregierung sein, der am Mittwoch vom Kabinett in Berlin verabschiedet wurde.

Alle zwei Jahre erscheint ein solcher Bericht, er listet unter anderem auf, wie viele Schüler und Studenten Bafög erhalten haben und wie hoch die Ausgaben dafür waren, die sich Bund und Bundesländer teilen. In dem aktuellen Bericht werden Zahlen aus dem Jahr 2012 mit den Zahlen vorheriger Berichte verglichen.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • 440.000 der 2,3 Millionen Studenten erhielten im Jahr 2012 Bafög. Das sind 54.000 oder 14 Prozent mehr als im Jahr 2010. Dieser Anstieg ist jedoch vor allem auf die gestiegene Studentenzahl zurückzuführen. Bessere Vergleichsmöglichkeiten als die absoluten Zahlen bietet die Gefördertenquote.

  • Die Gefördertenquote lag bei 28 Prozent. Das heißt, gut jeder Vierte, der potentiell anspruchsberechtigt wäre, erhält Bafög. Potentiell anspruchsberechtigt ist, wer unter anderem in der Regelstudienzeit studiert - zunächst einmal abgesehen vom eigenen Vermögen und dem Einkommen der Eltern. Die Gefördertenquote stieg im Vergleich zu 2010 um 0,7 Prozentpunkte. 2011 hatte sie bei 28,4 Prozent gelegen. Vor zwölf Jahren lag sie noch bei 25,3 Prozent.

  • Die höchste Förderquote haben Thüringen (40 Prozent), Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern (je 39 Prozent). Die geringste Quote haben das Saarland (18 Prozent) und Baden-Württemberg (20 Prozent).

  • Die durchschnittliche Fördersumme für Studenten stieg binnen zwei Jahren von 436 auf 448 Euro, bei den Schülern von 357 auf 401 Euro. Schüler werden im Vergleich zum Jahr 2010 weniger gefördert, die Quote ging um 4,6 Prozent auf knapp 190.000 Schüler zurück.

  • Der Anstieg der Studentenzahlen hat das Bafög für Bund und Bundesländer deutlich teurer gemacht: 2010 gaben Bund und Länder noch 2,84 Milliarden Euro dafür aus, im vergangenen Jahr waren es 3,34 Milliarden Euro und damit so viel wie noch nie.

Wie das Bafög reformiert, verbessert und angepasst werden soll, steht nicht in dem Bericht. Einig sind sich SPD und CDU wohl darüber, dass sich etwas ändern muss. "Das Bafög muss moderner werden", sagte Oliver Kaczmarek, stellvertretender bildungspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion. "Wir machen eine Bafög-Reform, darauf können Sie sich verlassen", hatte Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) bereits im November im Interview mit SPIEGEL ONLINE gesagt. Die Reform werde "deutlich spürbar sein und die Strukturen verbessern".

Allerdings: Im Koalitionsvertrag wird keine Bafög-Reform erwähnt, in der letzten Runde der Koalitionsverhandlungen war der Passus aus dem Vertrag gestrichen worden. Einige hatten erst an einen "redaktionellen Fehler" geglaubt, ein Versehen. Doch die Streichung hatte einen anderen Grund: Die SPD wollte erreichen, dass der Bund die Kosten für eine Bafög-Erhöhung allein schultert. Damit konnten sich die Sozialdemokraten nicht durchsetzen. Auch an der Verteilung der Finanzierungslast zwischen Bund und Länder soll sich nichts ändern: Bildungsministerin Wanka hatte bereits angekündigt, dass der Bund weiterhin 65, die Bundesländer 35 Prozent der Kosten tragen werden. Das sei in den Koalitionsverhandlungen vereinbart worden.

Künftig sollen auch Studenten, die in Teilzeit studieren, ein Anrecht auf Bafög haben. Hier kündigte Wanka einen "Einstieg" an. Für Studenten zwischen Bachelor- und Master-Studium gibt es bislang nur Bafög für einen Überbrückungsmonat - und auch nur dann, wenn sie endgültig für das Master-Studium zugelassen sind. Universitäten lassen Studenten allerdings mitunter nur vorläufig zu, weil sie wissen, dass oft Monate vergehen, bis Professoren die Bachelor-Arbeiten ihrer Studenten korrigiert haben.

Das Deutsche Studentenwerk (DSW) forderte wegen der inzwischen gestiegenen Lebenshaltungskosten eine Erhöhung der Bedarfssätze um 10 Prozent und der Elternfreibeträge um 7,5 Prozent. Auch die Gewerkschaften und Studentenverbände bezeichneten die Reform als "längst überfällig". Ähnlich sieht es die Opposition: Kai Gehring, hochschulpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, forderte eine Erhöhung noch für dieses Jahr. Nicole Gohlke von den Linken will, dass das Bafög künftig automatisch an steigende Lebenshaltungskosten angepasst wird.


 

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insgesamt 34 Beiträge
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Seite 1
freiheitsglocke 29.01.2014
1.
Zitat von sysopDPASo viel Bafög wurde noch nie ausgezahlt: 440.000 Studenten erhielten 2012 die staatliche Studentenstütze, zeigt der aktuelle Bafög-Bericht. Grund sind steigende Studentenzahlen, die Gefördertenquote stagniert. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/bafoegbericht-3-3-milliarden-euro-in-2012-ausgegeben-a-946151.html
Na und? Wenn sich eine Gesellschaft EINES leisten können muss, dann ist es Bildung. Bildung ist eine wichtige Grundlage rationalen Denkens. Jeder, der es halbwegs gebacken bekommt, sollte meiner Meinung nach studieren, denn eine Gesellschaft ist nur so klug wie ihre Bürger.
pm40 29.01.2014
2. Kein Wunder....
...wenn jeder mit einem IQ knapp über Toastbrot meint, studieren zu müssen. Handwerksberuf ih...bah...geh' weg. Die NC müssten viel strenger werden.
pepe_sargnagel 29.01.2014
3. Eine einzige Frage bleibt...
Zitat von sysopDPASo viel Bafög wurde noch nie ausgezahlt: 440.000 Studenten erhielten 2012 die staatliche Studentenstütze, zeigt der aktuelle Bafög-Bericht. Grund sind steigende Studentenzahlen, die Gefördertenquote stagniert. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/bafoegbericht-3-3-milliarden-euro-in-2012-ausgegeben-a-946151.html
Tolle Überschrift, toller Artikel! Eine einzige Frage bleibt... "Bafög kostet Bund und Länder 3,3 Milliarden Euro" und bringt WAS UNGEFÄHR? Die Frage nach dem Nutzen ist aber vermutlich hirnrissig zu stellen... Wie kann man nur die Gegenseite der Kosten betrachten? (eine zweite Frage, die sich nur aus der Ironie heraus so ergeben hat) Teufelswerk!
ossimann 29.01.2014
4. Des Dankes Lohn ...
Schade nur das viele die es dann in die Gutverdiener Liga dank Studium geschafft haben später dann über Steuern und Abgaben wettern . Viele der durch Steuergeldern Wissensvermittelte machen sich gänzlich vom Acker um irgendwo in der Welt die "fette Kohle" zu verdienen . Man könnte z.B. bei Ärzte auch sagen für die zigtausend Euro der Arztausbildung sollte man wenigstens ein Jahr z.B. als Landarzt tätig sein müssen , bevor er in die Pharmaindustrie abtaucht statt Patienten zu helfen .
Crom 29.01.2014
5.
Zitat von ossimannSchade nur das viele die es dann in die Gutverdiener Liga dank Studium geschafft haben später dann über Steuern und Abgaben wettern . Viele der durch Steuergeldern Wissensvermittelte machen sich gänzlich vom Acker um irgendwo in der Welt die "fette Kohle" zu verdienen . Man könnte z.B. bei Ärzte auch sagen für die zigtausend Euro der Arztausbildung sollte man wenigstens ein Jahr z.B. als Landarzt tätig sein müssen , bevor er in die Pharmaindustrie abtaucht statt Patienten zu helfen .
Haben Sie denn Ihre Ausbildungskosten, z.B. für den Besuch der Schule, auch abgearbeitet oder geht es wieder einmal nur darum, was andere zu tun und zu lassen haben?
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