Berufsvorbereitung Studenten wollen mehr Praxisbezug

Starre Stundenpläne, zu wenig E-Learning, und nach dem Uni-Abschluss kommt das Loch: Studenten an deutschen Hochschulen fühlen sich auf das Berufsleben nicht vorbereitet. Unis leisten dabei noch weniger als Fachhochschulen.

Vorlesung in Köln: Vielen Studenten fehlt Bezug zu Forschung und Beruf
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Vorlesung in Köln: Vielen Studenten fehlt Bezug zu Forschung und Beruf


Studieren, das muss man sich in vielen Fällen so vorstellen: Die Räume sind überbelegt, nicht jeder Student hat einen Tisch zur Verfügung. Die Lehrenden sind zwar hoch qualifiziert und gut vorbereitet. Nur schaffen sie es leider nicht, ihr Wissen ansprechend zu vermitteln.

Ihre Studenten sitzen deshalb unmotiviert und etwas ratlos in den Veranstaltungen, die sie sich selten selbst aussuchen konnten. Auf Prüfungen fühlen sie sich gut vorbereitet, doch oft lernen sie nur fachspezifische Inhalte. Wofür die später mal gut sein sollen, verstehen sie in vielen Fällen nicht.

Dieses Bild zeichnen knapp 50.000 Studenten von mehr als 80 Hochschulen in der Onlinebefragung "Studienqualitätsmonitor 2013". Nur 38 Prozent fühlen sich von der Hochschule gut auf den Beruf vorbereitet. Wenig überraschend schneiden Fachhochschulendabei deutlich besser ab als Universitäten: 54 Prozent der FH-Studenten sind mit der Vorbereitung auf das Arbeitsleben zufrieden, aber nur 31 Prozent der Uni-Studenten. Die Ergebnisse der repräsentativen Umfrage veröffentlichte nun das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW).

Auch wissenschaftliches Arbeiten kommt zu kurz

Zwar kann man einwenden, dass die Universität vor allem die Aufgabe hat, wissenschaftlichen Nachwuchs auszubilden. Doch auch hier sehen viele Uni-Studenten Defizite: Den Forschungsbezug von Veranstaltungen und Seminare lobt nur jeder zweite, das Angebot von speziellen Seminaren zur Methodenlehre und Forschungspraxis sogar nur etwa jeder Dritte.

Unmut bereitet Studenten auch das enge Korsett, in das viele Prüfungsordnungen sie zwängen: 36 Prozent beklagen sich über eine unflexible Studiengestaltung, ebenso viele haben Probleme, den geforderten Stoff zu bewältigen. Hinzu kommen bürokratische Hürden wie die Anmeldepflicht zu Seminaren, über die sich 47 Prozent aller Studenten beschweren. Und jeder Dritte hat Schwierigkeiten, sein Studium zu finanzieren.

Zufrieden ist eine große Mehrheit dagegen mit ihren Lehrern. 81 Prozent loben das Fachwissen von Professoren und Mitarbeitern. Deren Engagement loben an Unis wie Fachhochschulen rund zwei Drittel der Befragten, die Erreichbarkeit in Sprechstunden rund 80 Prozent. Auch ihre Vorgaben bei Prüfungen finden 60 Prozent in Ordnung, ähnlich viele loben die Qualität der Vorbereitung auf Tests.

ade

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insgesamt 57 Beiträge
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gangker2 10.09.2014
1. Missverständnis
Die meisten Studiengänge sind keine Berufsausbildungen. Leider scheinen das einige Studenten zu vergessen...
Boandlgramer 10.09.2014
2.
Der "Fehler" liegt wieder in der Gier des Kapitalisten: Die weiter zunehmende Arbeitsteiligkeit der mittlerweile langen und komplexen Wertschöpfungsketten lässt sich unmöglich über eine schulische Ausbildung - deswegen ist jeder Ausbildungsgang unzureichend. Zumindest wenn man die Erwartung hat, dass da lauter schlüsselfertige High-Potentials rauspurzeln... Das klappt nur bei Juristen und Wirtschaftswissenschaftlern einigermaßen - mit den bekannten Nebenwirkungen... Wenn ein Unternehmen Entwickler braucht, die sowohl Code verstehen als auch eine Fertigung planen können, dann werden die sich selber welche ziehen müssen. Da sie das für zu teuer halten, haben sie einen gefühlten Fachkräftemangel. Oder sie zahlen soviel, dass sie eine Wechselwilligen irgendwo rauskaufen können - aber auch das ist ihnen zu teuer. Bei den Mittelständlern sind mehr Generalisten unterwegs und es gibt eine größere Bereitschaft, learning by doing einzuplanen. Nur tun die sich noch schwerer gute Gehälter zu zahlen, was zu einer unerfreulichen Fluktuation führen kann. Es bräuchte einen Mentalitätswechsel bei den Unternehmen/Unternehmern - und da seh ich vollkommen schwarz. Und deswegen führen wir die Diskussion schon seit mindestens 20 Jahren und ich geh' jede Wette ein, dass wir das auch in 20 Jahren noch als ungelöstes Problem diskutieren werden.
bonner85 10.09.2014
3. Genau so ist es...
...im Studium habe ich zu 80% unnötiges Zeug gelernt. Und nach der Klausur vergisst man es dann zu 90% wieder. In der Praxis (Steuerberatung) kam dann der Schock...
BettyB. 10.09.2014
4. Der tragische Wechsel...
Gestern noch Student, morgen schon Mitarbeiter. Dumm daran, dass Mitarbeiter nicht studieren dürfen, sondern arbeiten sollen. Da fällt schon manch einer in ein tiefes Loch...
tina777777 10.09.2014
5. Umstrukturierung
ich kann da nur das niederländische sytem empfehlen. die legen einen hohen Wert auf Forschung und verbinden diese mit einen hohen praxis Anteil. ich kann die Studenten verstehen die sich bequsst für ein qualitativ hochwertiges hochschulsystem entscheiden und somit gegen das system in der BRD. schade dass sich die deutschen systeme nichts davon annehmen und konsequent an ihrem alten festhalten, komme was wolle.
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