Bestechlicher Professor Uni Hannover kassiert neun Doktortitel wieder ein

Ein Juraprofessor in Hannover bekam viel Geld dafür, dass er Richter und Anwälte zur Promotion führte. Neun Kunden einer windigen Promotionsberatung wurde das zum Verhängnis: Die Universität Hannover hat ihnen ihre Titel aberkannt. Weitere Prozesse bahnen sich an.

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Die Wahl des Doktorvaters will gut überlegt sein, und dass es mit dem Titel am Ende klappt, ist nie garantiert. Für externe Doktoranden ist die Promotion oft besonders schwierig. Deshalb bieten "Promotionsberater" im Dunstkreis der Universitäten ihre Dienste an und sind seit vielen Jahren umstritten. Ein solches Institut zwischenzuschalten und zu bezahlen, kann sich allerdings unter Umständen bitter rächen.

Uni Hannover: Neun Juristen verlieren ihre Doktortitel
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Uni Hannover: Neun Juristen verlieren ihre Doktortitel

Neun Juristen, darunter ein Richter, mehrere Staatsdiener und Rechtsanwälte, hatten auf ihrem Weg zur Promotion an der Universität Hannover Geld an eine Beraterfirma bezahlt - und sind ihre Doktortitel deshalb wieder los. Die Universität Hannover hatte die Titel zwischen 1998 und 2005 verliehen. Jetzt erkannte sie die akademischen Grade ab, wie die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" (HAZ) berichtet.

Grund für die Rückrufaktion: Die Juristen hatten ihre Arbeit beim wegen "Bestechlichkeit in besonders schwerem Fall" verurteilten Juraprofessor Thomas A. abgelegt. Ihm waren die Kandidaten wiederum von einer Agentur, dem Institut für Wissenschaftsberatung in Bergisch Gladbach, vermittelt worden. Die juristische Fakultät der Leibniz-Universität hält die Promotionen darum für rechtswidrig.

In diesen neun und 59 weitere Fällen hatte A. Juristen zu dem begehrten Titel verhelfen sollen und ließ sich dies fürstlich bezahlen. Über 150.000 Euro kassierte er insgesamt dafür, dass er Doktorarbeiten zur Betreuung annahm - was eigentlich zu den ganz gewöhnlichen Pflichten eines Universitätsprofessors gehört.

"Die Juristen wussten, worauf sie sich einlassen"

Das Hildesheimer Landgericht verurteilte den Professor wegen Bestechlichkeit in 68 Fällen zu drei Jahren Haft. Indes war die Promotion lediglich bei den neun Kandidaten, die jetzt ihre Titel einbüßen sollen, erfolgreich und das Prüfungsverfahren formal korrekt bis zum Ende verlaufen.

Volker Epping, Dekan der juristischen Fakultät in Hannover, sagte der "HAZ: "Wir gehen davon aus, dass die Kandidaten, allesamt Juristen, wussten, worauf sie sich einlassen." Alle neun hätten die Rechtswidrigkeit ihrer Promotion erkennen müssen - schließlich hätten sie bis zu 25.000 Euro gezahlt, um an den Doktortitel zu gelangen, für den sonst keinerlei Gebühren entrichtet werden müssen. "Den Juristen muss bewusst gewesen sein, dass es nicht rechtens ist, wenn sie für die Promotion und die Betreuung Geld bezahlen", sagte auch eine Uni-Sprecherin.

Thomas A. war erstmals 2004 in Bedrängnis geraten, als Studenten das Prüfungsamt der Uni baten, nicht von ihm geprüft zu werden. Sie befürchteten, man würde ihnen sonst unterstelle, sie hätten sich ihre Noten erschlichen. Die Uni wurde stutzig und informierte die Staatsanwaltschaft, nach langwierigen Ermittlungen legte A. im September 2007 ein Geständnis ab. Der Prozess ergab: Er hatte nicht nur für Geld Promotionsverfahren eingeleitet, sondern auch für sexuelle Gefälligkeiten in mehreren Fällen bessere Noten vergeben.

Die windigen Promotionsberater sind inzwischen pleite

Das Verfahren gegen A. brachte schließlich auch eine zwielichtige Firma in Bergisch Gladbach bei Köln ins Straucheln. Das Institut für Promotionsberatung hatte über zwei Jahrzehnte solvente Promotionskandidaten an den Hannoveraner Juristen und an weitere Professoren vermittelt. Dem Hildesheimer Landgericht zufolge erhielt Thomas A. für die Betreuung eines Doktoranden rund 2000 Euro, bei erfolgreicher Promotion weitere 2000 Euro.

Den Promotionsvermittler Martin D. verurteilte das Landgericht in Hildesheim im Juli wegen gewerbsmäßiger Bestechung zu dreieinhalb Jahren Gefängnis, das Verfahren ist beim Bundesgerichtshof derzeit in der Revision. Des Geschäftmodells beraubt, ist das Institut seit Anfang des Jahres pleite und hat seinen Betrieb eingestellt.

Dekan Epping geht davon aus, dass die neun Juristen gegen die Aufhebung ihrer Promotionen und damit den Verlust ihrer Doktortitel klagen werden. Setzte sich seine Universität in diesen Verfahren durch und verlören die Juristen ihre Titel endgültig, rechnet Epping für sie mit "existenzbeeinträchtigenden Konsequenzen", sagte er der HAZ. Die Betroffenen haben einen Monat Zeit, um gegen die Aberkennung der Titel zu klagen. Die erste Klage ist bereits beim Verwaltungsgericht Hannover eingegangen.

Außerdem läuft derzeit noch ein hochschulinternes Disziplinarverfahren gegen Eppings Amtsvorgänger im Dekanat. Der hatte nach Uni-Angaben eingeräumt, "vor circa zehn Jahren in Randbereichen" mit der Beratungsfirma zu tun gehabt zu haben. Die Staatsanwaltschaft hat die strafrechtlichen Ermittlungen gegen den früheren Dekan allerdings inzwischen eingestellt.

Mit Material von dpa

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