Bewegungsmelder Schlagstöcke gegen Gebührengegner

Bei Protesten gegen Studiengebühren in Frankfurt ist es Mittwoch zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen. Studenten blockierten den Bahnhof und warfen Müllcontainer auf die Gleise, die Polizei reagierte hart. Ein Streifenwagen fuhr einem Studenten über den Fuß.


Die Innenministerien in Hessen hatten ein hartes Vorgehen gegen Demos während der WM bereits angekündigt. In Frankfurt (dort findet am Abend das WM-Spiel Argentinien gegen Niederlande statt) demonstrierten heute mehrere hundert Menschen gegen die Einführung von allgemeinen Studiengebühren. Die Polizei sprach von 300 Demonstranten, Studentenvertreter nannten hingegen 1000.

Sie versuchten unter anderem, den Public-Viewing-Bereich zu erreichen, wo sich Tausende Fußballfans versammelt hatten. Als sie das nicht schafften, zogen sie zur Konstabler Wache, wo sie den U- und S-Bahnverkehr kurzzeitig lahmlegten. Bahnsprecher Thomas Bischoff sagte, ein S-Bahn-Tunnel habe abgesucht und der Verkehr deswegen gestoppt werden müssen.

Als der Protestzug versuchte, über eine Brücke ans südliche Mainufer zu gelangen, setzte die Polizei Augenzeugen zufolge Schlagstöcke ein. Am Frankfurter Hauptbahnhof stürmten Studenten S-Bahn-Gleise und warfen Müllcontainer auf die Bahnschienen. Sowohl Gleise des Fernverkehrs als auch für die S-Bahn mussten vorübergehend gesperrt werden. Laut Bischoff wurde der Bahnhof zwischendurch komplett abgesperrt. Reisende mussten sich ausweisen, um in das Bahnhofsgebäude zu kommen. Die Studenten seien gezielt in kleinen Gruppen vorgegangen, insgesamt habe es 16 vorläufige Festnahmen wegen Sachbeschädigungen gegeben, sagte ein Polizeisprecher.

Ein Demonstrant wurde verletzt, als ihm ein Einsatzwagen über den Fuß rollte. Die Polizei bestätigte den Vorfall und erklärte, der junge Mann sei mit dem Verdacht auf einen Knochenbruch ins Krankenhaus gebracht worden. Ein Studentenvertreter kritisierte, die Polizei sei "äußerst brutal" vorgegangen.

In der Nacht verhafteten Polizeibeamte 47 Studenten, die sich gegen 2.00 Uhr in einer Cafeteria auf dem Campus Bockenheim verschanzt hatten. Es seien Mülleimer angezündet und Fensterscheiben eingeworfen worden, sagte ein Polizeisprecher. Die Besetzer hätten auch mit Flaschen geschmissen. Als ein Vermittlungsversuch des AStA-Vorsitzenden scheiterte, stürmten die Beamten das Café.

Auch in Düsseldorf hatte das Aktionsbündnis gegen Studiengebühren zu einer NRW-weiten Demo aufgerufen. Statt der erwarteten 1500 Demonstranten versammelten sich jedoch nur 500 Menschen. Sie wurden von einem starken Polizeiaufgebot aus der Innenstadt zum Landtag geleitet. Die Kundgebung verlief ohne Zwischenfälle.

Bundesweit haben die Gebührengegner für die kommenden Tage Proteste angekündigt, wobei gezielt die Medienaufmerksamkeit während der WM genutzt werden soll. In Hessen ist geplant, dass die rund 150.000 Studenten ab dem Wintersemester 2007/08 Studiengebühren in Höhe von 500 bis 1.500 Euro pro Semester zahlen.

agö/dpa/AP



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.