Bier "Campusperle" Mit Hopfen und Malz zum Diplom

Alles begann mit einem Würstchenkocher und einer Stoffwindel: Seit gut zwei Jahren brauen Studenten der TU Hamburg-Harburg ihr eigenes Bier, die "Campusperle". Der erste Versuch war ungenießbar, jetzt laben sich Kommilitonen und Professoren an dem herben Gebräu.

Von Sabine Hoffmann


Etwa drei Meter über dem Boden der großen Versuchshalle im Technikum der TU Hamburg-Harburg baumelt eine hübsche Blondine von der Decke. Ihre Lippen sind rot angemalt, in der rechten Hand hält sie ein Bierglas. Dass ihnen eine junge Frau zuprostet, scheinen Felix Will, 24, Christian Hensel, 24, und Moritz Völtzer, 23, aber nicht zu bemerken. Gespannt blicken die drei angehenden Ingenieure in einen großen Kupferkessel. Denn da drin schwimmt etwas, dass sie viel mehr interessiert als die gemalte Figur: eine zähe braune Flüssigkeit, aus der später Bier werden soll.

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Bier "Campusperle": Wohl bekomm's
Felix, Christian und Moritz gehören wie 13 weitere Studenten und zwei Studentinnen zur Bierbrau-AG. Einmal im Monat treffen sich die Mitglieder in der riesigen Versuchshalle, um gemeinsam die "Campusperle" zu brauen. Mit ihrem selbstgemachten Pils sind sie mittlerweile so erfolgreich, dass sie Ende Januar von der Hamburger Ditze-Stiftung als bestes studentisches Projekt ausgezeichnet wurden.

Angefangen hat alles bei einer Exkursion an die Ostsee im Oktober 2003. Eines Abends saßen alle um ein Lagerfeuer, tranken Bier und tauschten Geschichten aus. Irgendwann erzählte ein Student, dass er vor dem Studium eine Lehre als Bierbrauer absolvierte habe. Seine Erkenntnis: "Bierbrauen ist echt einfach. Da braucht man eigentlich nur einen Würstchenkocher!" Acht Kommilitonen wollten wissen, ob das tatsächlich stimmt und beschlossen, die Bierbrau-AG zu gründen.

Das erste Pils war eine herbe Enttäuschung

Knapp drei Monate später traf sich die Gruppe zum ersten Brautermin. Im Würstchenkocher mischten sie ihr Bier und filterten es anschließend durch eine Stoffwindel in Plastikeimer. Dann kühlten und lagerten sie es im Kühlschrank.

Wenige Wochen später probierten sie das Premiere-Pils. Eine Enttäuschung: "Das Bier hat so bitter geschmeckt, dass wir es wegschütten mussten", erinnert sich Felix. "Da war eindeutig zu viel Hefe drin." Jetzt wollten sie erst recht ihre Campusperle brauen.

Beim zweiten Versuch schmeckte das Gebräu dagegen schon leicht und frisch. Bei einem Institutsfest schenkten es die Brauer an ihre Professoren und Kommilitonen aus, jeder bekam einen halben Pappbecher voll zur Probe. Doktorand Ole Wagner, 28, half dabei, aus einem ausrangierten Apparat ein kleines Sudhaus zu basteln. Nun konnten die Brauer schon 50 Liter zubereiten, statt wie bisher 20 Liter im Würstchenkocher.

Um ein noch größeres Sudhaus zu bauen, schrieben die Studenten Briefe an Großfirmen wie ThyssenKrupp, schilderten ihr Vorhaben und baten sie um Sachspenden. Die Unternehmen zeigten sich großzügig.

"Wir wollen neue Verfahren der Brautechnik erforschen", erzählt Ole Wagner. "Beim Bierbrauen gibt es so viele Dinge, die man beachten muss. Es ist ein tolles Gefühl, wenn man das schafft und ein gutes Bier braut." Und Felix fügt hinzu: "Außerdem macht es mordsmäßigen Spaß!"

Im Kessel blubbert und brodelt es

Mittlerweile können die Studenten 100 Liter Pils auf einmal brauen. Seit acht Uhr morgens stehen Felix, Christian, Moritz und Ole in der Versuchshalle. Unter einer 15 Meter hohen Decke türmen sich unzählige Forschungsapparate, große Edelstahltanks ragen in die Höhe, durch silberne Rohre laufen Flüssigkeiten hin und her. Hier gehen die Verfahrenstechniker ihrer Arbeit nach.

In einer kleinen Ecke am Ende des langen Raumes steht das Sudhaus der Bierbrau-AG: Eine zwei Meter lange und 90 Zentimeter breite Anlage. Dort wird in einem 100-Liter-Maischbottich das geschrotete Malz mit Wasser erhitzt, um daraus eine Zuckerlösung zu gewinnen. Später kommen Hopfenextrakte und Wasser hinzu, dann Hefe. Sie bringen das Gebräu zum Gären - streng nach Reinheitsgebot. Die Zutaten kommen von Unternehmen aus der Region, das Brauwasser einfach aus der Leitung.

Bis in den Abend hinein werden die Campusbrauer hier noch weiter maischen und läutern, um alles für die Gärung vorzubereiten. Während es im Kessel leise brodelt und blubbert, erzählen sie von ihrem Traum: Einmal 2000 Liter Bier auf einen Schlag zu brauen und auf der Uni-Party zu verkaufen. Felix mein selbstbewusst: "Was die großen Brauereien können, das können wir schon lange."



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