Songtitel in wissenschaftlichen Aufsätzen Forscher liefern sich Bob-Dylan-Battle

Wer bringt die meisten Bob-Dylan-Zitate in seinen Forschungsaufsätzen unter? Unter Wissenschaftlern in Schweden ist ein bizarrer Wettstreit entbrannt.

Gustav Martensson

Naturwissenschaftler haben den Ruf, mitunter gedanklich in ihrer Spezialdisziplin gefangen zu sein. Fünf Forscher in Schweden überschreiten mit ihren Arbeiten dagegen die Grenzen ihrer Fächer - zur Musik: Seit 17 Jahren haben sie eine Wette laufen, wer bis zum Ruhestand die meisten Bob-Dylan-Zitate in seine akademischen Aufsätze schmuggeln kann.

Der Wettstreit begann 1997, als der Pharmakologe Jon Lundberg und der Mediziner Eddie Weitzberg vom Karolinska-Institut einen Aufsatz in "Nature" mit "Nitric Oxide and Inflammation: The Answer Is Blowing In the Wind" überschrieben. Stickstoffmonoxid und Entzündungen - da lag für sie Dylans berühmtester Protestsong nahe. "Wir sind beide große Dylan-Fans", sagte Weitzberg kürzlich der institutseigenen Webseite der renommierten medizinischen Universität. "Da dachten wir an den Songtitel, er passte perfekt."

2003 wies ein Bibliothekar die beiden Forscher darauf hin, dass auch zwei Institutskollegen den großen Songwriter als Inspirationsquelle für ihre Paper-Überschriften nutzten - und sogar Album- und Songtitel unterbrachten: "Blood on the Tracks: A Simple Twist of Fate?" überschrieben sie ihren Aufsatz über die überraschende Möglichkeit, aus Blut Neuronen zu gewinnen.

Neue Ergebnisse zu Nitrit? The Times They Are a-Changin'

Lundberg und Weitzberg vereinbarten mit ihren Kollegen: Wer bis zur Rente mehr Dylan-Zitate in akademischen Aufsätzen oder Buchkapiteln unterbringen kann, gewinnt ein Mittagessen in einem örtlichen Restaurant. Ein weiterer Kollege, Konstantinos Meletis, hatte schon im Jahr 1998 vorgelegt: "Tangled Up in Blue: Molecular Cardiology in the Postmolecular Era" hieß sein Paper. Neue Entdeckungen zu Nitrat und Nitrit überschrieben Lundberg and Weitzberg mit "The Times They Are a-Changin'". Nitrat in der Nahrung verglichen ihre Kollegen mit einem "Slow Train Coming".

Den Vorwurf, ihr Spielchen sei eine alberne Ablenkung von der Forschung, weisen die Wissenschaftler zurück. Dylans Lyrik stachele ihre Kreativität an: "Keiner will einen Musiker hören, der 30 Jahre lang dasselbe macht. Gute Musik ist innovativ, so wie die Bob Dylans", sagt Meletis. Bei medizinischer Forschung sei das nicht anders: "Ein Wissenschaftler muss auch neue, innovative Wege gehen."

ade



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insgesamt 3 Beiträge
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j.w.pepper 29.09.2014
1. Don't Think Twice, It's Alright
Every Grain of Sand muss schließlich wissenschaftlich untersucht werden. It's Alright Ma, solange man nicht den Masters of War dient. Sonst sind die Wissenschaftler Only a Pawn in Their Game. Alternativ heißt es On the Road Again. Aber With God on Our Side, klappt das schon. Sonst gilt: A Hard Rain's A-Gonna Fall.
ahhcrap 29.09.2014
2. Und für die Urologenfraktion..
...wäre dann 'Like a Rolling Stone ' Im Zusammenhang mit Nierensteinen bzw. einer Kolik zu erwähnen.
emiliano-zapata 30.09.2014
3. Ich versteh' nicht alles von dem hier
"... großen Songwriter als Inspirationsquelle für ihre Paper-Überschriften nutzten - und sogar Album- und Songtitel" Kann mir bitte jemand sagen, was ein großer "Songwriter" was "Paper-Überschriften" (ganz unverständlich) und "Album- und Songtitel" heißen?
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