Bologna-Reform Bachelor-Studenten gehen seltener ins Ausland

Die Zahl der deutschen Studenten im Ausland steigt. Im internationalen Vergleich liegt die Bundesrepublik damit auf Platz vier. Allerdings schaffen bislang nur wenige Bachelor-Studenten den Sprung über die Grenze - und Hochschüler aus armen Familien fahren besonders selten.

Studium to go: Die Zahl der Austauschstudenten steigt
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Studium to go: Die Zahl der Austauschstudenten steigt


Für viele deutsche Studenten gehört ein Jahr im Ausland fest zur Studienplanung. Ob man nun eine Sprache lernen will, fremde Kulturen treffen oder auch nur mal den heimischen Hörsaal tauschen möchte - die Zeit im Ausland prägt und verschafft dabei fast spielend einen zusätzlichen Spiegelstrich im Lebenslauf.

Aber nicht alle wagen den Schritt über die Landesgrenze: Bachelor-Studenten haben deutlich seltener einen Auslandsaufenthalt absolviert als ihre Kommilitonen in den alten Studienmodellen. Dies zeigt nun eine Studie des Hochschul-Informations-Systems (HIS) im Auftrag der Bundesregierung und des deutschen Studentenwerks (DSW).

Zwar hat sich die Zahl der deutschen Studenten, die ihr Studium ins Ausland verlagern, im Vergleich zum Jahr 2000 nahezu verdoppelt, aber unter den 102.500 Austauschstudenten die im Jahr 2008 gegangen sind, waren deutlich weniger Bachelor-Studenten als Hochschüler der alten Studiengänge.

Laut Studie hatte fast jeder Fünfte Student im Diplom- oder Magisterstudium (23 Prozent) und rund jeder sechste Anwärter auf ein Staatsexamen (18 Prozent) bereits im Ausland studiert oder ein Praktikum absolviert. Bei den Bachelor-Studenten waren es zum Befragungszeitpunkt Mitte 2009 nur sieben Prozent oder jeder Vierzehnte. Die Daten stammen aus der Studie "Internationalisierung des Studiums", einer Sonderauswertung der DSW-Sozialerhebung.

Reich an Erfahrung: Soziale Herkunft entscheidet

Zwar haben sich die beiden unterschiedlichen Studien-Systeme noch nicht völlig angeglichen, aber trotzdem ist die Zahl kläglich. An fehlender Motivation scheint es bei den Bachelor-Studenten nicht zu liegen: Ein großer Teil plant noch einen Auslandsaufenthalt im Studium. Doch selbst in höheren Semestern ist der Anteil der Studenten mit Auslandserfahrung im Diplom oder Magister doppelt so hoch wie im Bachelor (32 zu 16 Prozent). Werden die fest geplanten und bereits vorbereiteten Auslandsaufenthalte mitgerechnet, verkleinert sich der Unterschied zwischen den beiden Gruppen auf sieben Prozentpunkte.

Für die Bachelor-Garde, wie für alle anderen Studenten auch, spielt ein altbekanntes Problem eine Rolle: Geld. Noch immer hängt ein Jahr im Ausland stark von der sozialen Herkunft ab. Junge Menschen aus hochschulnahen, einkommensstarken Familien gehen fast doppelt so oft ins Ausland, wie ihre wie Kommilitonen aus bildungsferneren Haushalten mit geringerem Einkommen. "Die soziale Selektivität des deutschen Hochschulsystems schlägt auch bei der Mobilität durch", so DSW-Präsident Rolf Dobischat.

Die Zahl der ausländischen Studenten an deutschen Hochschulen hat zwischen 1997 und 2008 ebenfalls sehr stark zugenommen. "Deutschland hat sich auf dem internationalen Bildungsmarkt als attraktiver Standort etabliert", sagt Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU). "Auch wer nach dem Studium in sein Heimatland zurückkehrt, behält meistens einen engen Draht nach Deutschland", sagt die Ministerin. 2008 besuchten gut 245.000 ausländischen Studenten eine deutsche Hochschule. Hinter den USA und Großbritannien belegt Deutschland damit weltweit den dritten Platz.

jon/dpa



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Mr.Threepwood 07.01.2011
1. mal,
wieder so ein jubelartikel auf den banchelor. es liegt nicht am geld da man ausser den flug nichts zahlen muss den rest übernimmt der akademische bund. es liegt vielmehr an diesem absolut unausgereiften banchelor konzept mit extremen lern und kurzem zeitpensum, gerade in den ohnehin schon sehr unattraktiven ingenieursstundiengängen. es mag zwar schön für die geistewissenschaftler sein das sie endlich geregelt bekommen haben in welchen hörsaal sie müssen. für den rest aber......... die die ein diplom besitzen dürfen sich glücklich schätzen. aber hauptsache immer alles schön normieren
Erebos 08.01.2011
2. Wie auch?
Wie auch, ich studiere auf Bachelor Informatik, meine Freundin Mathematik noch Diplom. Ich werde fuchsteufelswild, wenn ich daran denke, welche Unterschied im Prüfungs und Notendruck bei uns gegenüber dem Diplom besteht und dass am Ende das Diplom noch als der bessere Abschluss dasteht. Ich hab hier noch die Diplomprüfungsordnung für Informatik unserer Universität, die haben, von der Diplomprüfung mal abgesehen, weniger Prüfungen und mehr Zeit. Und dann darf man sich anhören: "Enstschuldigung, aber ein Master sollte es schon sein ...". Oh, sagte ich schon, dass ich für den Master die Universität wechseln darf, wenn es überhaupt genug Plätze gibt. So ein Reinfall.
ohne_sorge 08.01.2011
3.
Zitat von ErebosWie auch, ich studiere auf Bachelor Informatik, meine Freundin Mathematik noch Diplom. Ich werde fuchsteufelswild, wenn ich daran denke, welche Unterschied im Prüfungs und Notendruck bei uns gegenüber dem Diplom besteht und dass am Ende das Diplom noch als der bessere Abschluss dasteht. Ich hab hier noch die Diplomprüfungsordnung für Informatik unserer Universität, die haben, von der Diplomprüfung mal abgesehen, weniger Prüfungen und mehr Zeit. Und dann darf man sich anhören: "Enstschuldigung, aber ein Master sollte es schon sein ...". Oh, sagte ich schon, dass ich für den Master die Universität wechseln darf, wenn es überhaupt genug Plätze gibt. So ein Reinfall.
Ja die Bologna Reform ist total verfehlt. Ein Student braucht einfach auch etwas mehr Zeit, um auch mal das Wissen setzen zu lassen und man muss auch mal die Zeit haben, sich in Gebieten zu vertiefen zu können, die zwar der Prof. uninteressant findet, wo man selber aber meint etwas Neues zu finden. Die Verschultheit des Bachelor Studium schafft einfach keine Vielseitigkeit, sondern produziert Studenten, die gut wiedergeben können, weil sie ja nur noch gerade so dafür Zeit haben. Ich bin auch der Meinung, dass Verschultheit im Studium wirklich zu Ende sein sollte. Obwohl mein Diplomstudiengang auch schon sehr verschulte Züge hatte, konnte man in der Diplomarbeit in einem halben Jahr wirklich lernen was wissenschaftlicher Diskurs ist. Neue Sachen zu entwickeln braucht einfach Zeit, wenn es gut werden soll. Leider nimmt sich in den Firmen keiner mehr die Zeit, Sachen wirklich gut oder überhaupt zu machen. Das merkt man als Kunde überall und gerade bei den großen Firmen. Die großen Berater nennen das Produktivitätssteigerung, ich nenne das sukzessive Verlagerung der Produktion zum Kunden (z.B. Qualitätssicherung, Kundenservice, Rechnungserstellung usw.), was natürlich in starkem Margendruck resultiert. Trotzdem sollte man nicht schon im Studium den gleichen Fehler machen, sondern auch die Zeit haben einen Perspektivenwechsel zum Prof. einnehmen zu können und eine anderen/eigenen Zugang zu den Themen finden zu können. Ich verstehe auch nicht warum wir immer den anderen hinterherlaufen, denn unser Erfolg zeigt doch, dass unsere Systeme so schlecht nicht sein können, aber stattdessen IFRS statt HGB, neuartige Finanzkontrakte (CDS, CDOs, ABS MBS ...), Bachelor/Master statt Diplom, hohe Renditeansprüche und damit hoher Raubbau an der Natur usw. Komischerweise macht das alles unsere Welt eher volatiler. Da Volatilität als Maß für das Risiko angesehen werden kann, wird die Welt also nicht sicherer.
phys_ka 08.01.2011
4. Wann?
Ich sehe nicht, wieso sich jemand wundert, denn der Bachelorstundenplan lässt da nicht viele Freiräume. Ich selber habe einen Physik Bachelor gemacht und obwohl für mich von Anfang an klar war, dass ich ein Auslandssemester machen möchte, ging das während des Bachelorstudiums nicht. Die Gründe waren folgende: 1. Die Bewerbung um ein Auslandsstudium muss bis Januar eingereicht werden für das folgende Winter- oder Sommersemester 2. Ein Auslandssemester im Sommersemester ist nicht möglich aufgrund der anderen Studienzeiten in Deutschland und im Ausland: Während in Deutschland im Februar sämtliche Klausuren geschrieben werden fängt in vielen anderen Ländern schon Anfang Februar das Semester an. Man hat also die Wahl zwischen keinem Schein aus dem Vorsemster bekommen und dem 1. Monat im Ausland zu verpassen... 3. Das Bachelorstudium ist nur 3 Jahre lang. Wo und ob man danach einen Masterplatz bekommt ist nicht klar. Im 1. Jahr kann man nicht ins Ausland, weil man die Bewerbungsfrist verpasst hat. Im 2. Jahr ist es auch schwierig, da man sich im Januar des 1.Semesters bewerben muss obwohl man Studienfach und Fachbereich noch nicht gut kennt. Die Wahrscheinlichkeit da dann einen Platz zu bekommen ist auch nicht sehr groß, da noch mit einem Studienabbruch bzw Fachwechsel gerechnet werden muss (zumindest in Physik). Es bleibt also noch das 3. Jahr, in dem man sich aber eine Arbeitsgruppe suchen und die Bachelorarbeit schreiben muss. Beides ist nicht gut per E-Mail möglich. Eine Studienverlängerung wäre also nötig, die aber nicht gerne gewährt wird. Somit blieb nur noch die Möglichkeit sich jetzt zum Anfang des Masters zu bewerben. Die Problematik des Findens einer Arbeitsgruppe ist leicht zurückgegangen, da man ja schon eine von der Bachelorarbeit kennt, aber zu einer Studiumsverlängerung wird es trotzdem kommen. Ich hoffe also, dass meine Bewerbung akzeptiert wird, da dies die letzte Möglichkeit im Studium ist. So gesehen wundert es mich nicht, dass wenige während des Bachelorstudiums ins Ausland gehen. In manchen Studiengängen ist ein Auslandssemester vorgesehen, aber in den Naturwissenschaften ist es nur schwer möglich.
suomi500 08.01.2011
5. so schlimm ist es dann auch nicht...
In der Studie selbst steht eine Passage zur Interpretation der Ergebnisse: "Im Folgenden werden die Mobilitätsquoten für Studierende mit dem Abschlussziel Bachelor und Diplom/Magister getrennt prognostiziert. Dabei zeigen sich große Unterschiede zwischen den Studierenden der neuen und der traditionellen Studiengänge. Ein direkter Vergleich der Mobilitätsquoten von Studierenden in Bachelorstudiengängen mit Studierenden in Diplom- und Magisterstudiengängen ist allerdings problematisch, da aufgrund der unterschiedlichen Regelstudienzeit die mittlere Semesteranzahl der Studierenden in den Diplom- und Magisterstudiengängen mehr als doppelt so hoch ist (9,5 Hochschulsemester) wie der Studierenden mit dem Abschlussziel Bachelor (4,4 Hochschulsemester). Erstere hatten damit rein zeitlich betrachtet durchschnittlich 5 Semester länger die Möglichkeit studienbezogen ins Ausland zu gehen. Werden – wie folgt – nur Studierende in höheren Semestern betrachtet, so reduziert sich der Unterschied im Mittelwert der Hochschulsemester auf 4 Semester (Diplom, Magister: 10,4, Bachelor: 6,7 Semester). Diese zeitlich begründeten Unterschiede sowie die Möglichkeit der Bachelor-Studierenden einen Auslandsaufenthalt in der Masterphase durchzuführen sollten bei der Interpretation der Differenzen in den Mobilitätsquoten von Studierenden in Bachelor- und Diplom- bzw. Magisterstudiengängen beachtet werden." (Internationalisierungbericht, S. 59), 2010 Es kann sein, dass Bachelor-Studenten rein von den Zahlen her seltener ins Ausland gehen. Dabei ist dann aber nicht berücksichtigt, dass Bachelor-Studenten nur 6 Semester lang Bachelor-Stdenten sind, Diplomer hingegen 10 Semester lang Diplomer. Außerdem können viele Bachelor-Studenten ihren gesamten Master im Ausland verbringen, was dann auch nicht in der Statistik auftauchen würde. Und vor genau so einer Interpretation (Bachelor-Studenten viel seltener im Ausland) warnen die Autoren ausdrücklich.
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