Chemieberaterin bei "Breaking Bad" "Blaues Meth? Das geht nicht"

Donna Nelson, Chemikerin an der University of Oklahoma, beriet die Macher der Erfolgsserie "Breaking Bad". Sie erklärte den Autoren, wie viel man wovon braucht, um Meth zu kochen. Und ab welcher Menge Chemikalien so richtig schön knallen.

Walter White (Bryan Cranston) in der Serie "Breaking Bad": Ein Chemielehrer auf Abwegen
Hollywood Picture Press/face to

Walter White (Bryan Cranston) in der Serie "Breaking Bad": Ein Chemielehrer auf Abwegen


Chemikerin und Uni-Dozentin Nelson: Sie beriet Vince Gilligan bei der Serie "Breaking Bad"

Chemikerin und Uni-Dozentin Nelson: Sie beriet Vince Gilligan bei der Serie "Breaking Bad"

UniSPIEGEL: Frau Dr. Nelson, wie wurden Sie zur Drogenexpertin?

Nelson: Ich las in einem Fachmagazin ein Interview mit Vince Gilligan, dem Erfinder von "Breaking Bad". Vince sagte, dass es ihm wichtig sei, die Chemie korrekt darzustellen. Aber weder er noch seine Drehbuchautoren hätten einen wissenschaftlichen Background. Da dachte ich: Wenn ein Produzent eine Brücke bauen will zwischen Hollywood und der Wissenschaft, ist das doch großartig! Ich meldete mich, und eine Woche später war ich seine wissenschaftliche Beraterin. Ehrenamtlich übrigens - sie hatten kein Budget für solche Extras.

UniSPIEGEL: Woher nehmen Sie Ihre Expertise über Meth?

Nelson: Ich habe keine Meth-Küche im Keller, wenn Sie das vermuten. Deswegen konnte ich zum Beispiel auch nicht helfen, als es um Fragen der Ausstattung des Labors ging, in dem Walter White kochen sollte. Aber ich kann als Chemikerin natürlich chemische Rezepte auf Plausibilität checken und ausrechnen, welche und wie viele Stoffe man zum Beispiel braucht, um Leichen aufzulösen oder Wände zu sprengen. Das alles tut White ja in der Serie.

UniSPIEGEL: Gibt es bei "Breaking Bad" auch Dinge, die in der Realität gar nicht funktionieren würden?

Nelson: Leider ja. Irgendwann fragte mich Vince zum Beispiel: Was hältst du davon, wenn wir das Meth blau machen? Ich antwortete: Das geht nicht! Er sagte: Aber wenn es sehr, sehr reines Meth wäre? Und ich: Dann wäre es weiß oder ganz durchsichtig. Aber er wollte eben ein Markenzeichen für Walter. Er hielt sich sonst sehr genau an wissenschaftliche Regeln, aber musste eben auch daran denken, sein Publikum bei Laune zu halten.

UniSPIEGEL: Kritiker sagen, die Serie verherrliche Drogen und Gewalt. Hatten Sie moralische Bedenken mitzumachen?

Nelson: Am Anfang schon. Allerdings wurden Walters Lebensumstände durch das Meth immer schmerzhafter. Er wurde ständig verprügelt, angeschossen und hatte Ärger mit der mexikanischen Drogenmafia. Ich glaube, keiner meiner Studenten würde sich das angucken und sagen: "Yeah, so ein Leben will ich auch!"

UniSPIEGEL: Was haben Ihre Kollegen zu Ihrer ungewöhnlichen Freiwilligenarbeit gesagt?

Nelson: Anfangs haben sie mich mit ihren Moralreden ein bisschen entmutigt. Aber die Geschichte wäre ja auch ohne mich gelaufen, nur eben weniger wissenschaftlich korrekt. Also habe ich ihre Kritik ignoriert.

UniSPIEGEL: Dann hat die Wissenschaft nicht nur "Breaking Bad" geholfen, sondern auch umgekehrt?

Nelson: Ich kenne keine andere Serie, die Chemie so spektakulär in Szene setzt. Hier wird die Wissenschaft regelrecht zur Protagonistin, die manchmal sogar die Schauspieler in den Schatten stellt. Zum Beispiel als Walt und Jesse in ein Lagerhaus einbrechen: Sie schlagen nicht einfach mit einem Hammer die Tür ein. Sie benutzen Thermit. Sie selbst verschwinden in der Szene durch ihre schwarze Kleidung in der dunklen Nacht, und der Zuschauer sieht nur das Funkensprühen der chemischen Reaktion. Fabelhaft!

Das Interview führte Fabienne Hurst.

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insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
colephelps 06.08.2014
1.
Blaues Meth geht nicht? Leider komplett falsch. Als ich 1998 noch "buisy" war hatten wir das. Wir nannten es Koenigscrystal. Es gab auch GoldenCrystal etc. Der Trick: Lebensmittelfarbe.
cyn 06.08.2014
2. colephelps, toll.
Wie würden Sie die Frage beantworten ob es blaue Elefanten gibt? Natürlich können Sie Ihren Elefanten anmalen, nur gibt die Frage und die Antwort aus Sicht eines Biologen dann keinen Sinn/Nutzen mehr. Haben Sie das verstanden?
raymond.pfanner 06.08.2014
3.
Ja aber dann wäre es ja nicht mehr so rein wie in der Serie.
Stefan Hartmann 06.08.2014
4.
@colephelps: Die Lebensmittelfarbe haben die Konkurrenten von Walt benützt damit sie ihr Zeug noch losgeworden sind. Nur beim ihm kam es direkt "blau" raus, "tha bomb" halt.
colephelps 06.08.2014
5.
Zitat von cynWie würden Sie die Frage beantworten ob es blaue Elefanten gibt? Natürlich können Sie Ihren Elefanten anmalen, nur gibt die Frage und die Antwort aus Sicht eines Biologen dann keinen Sinn/Nutzen mehr. Haben Sie das verstanden?
Jaja. Aus meiner heutigen Sicht macht Meth auch keinen Sinn mehr. Blaue Elefanten auch nicht. Aber fuer eine fiktive Fernsehserie macht Lebensmittelfarbe durchaus Sinn. Die nehmen ja auch kein echtes Blut wenn jemand erschossen. wird.
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