US-Eliteuni Warum Brett Kavanaugh über Diskriminierung in Harvard entscheiden könnte

Die Harvard University muss sich vor Gericht verantworten. Der Vorwurf: Bei der Zulassung werden asiatische Studierende systematisch benachteiligt. Eine Trump-Entscheidung könnte dabei sehr wichtig werden.

Asiatische Studentinnen demonstrieren vor der Harvard University
REUTERS

Asiatische Studentinnen demonstrieren vor der Harvard University


Diskriminiert die älteste Hochschule der Vereinigten Staaten asiatische Bewerber? In Boston beginnt am Montag ein Gerichtsverfahren, das richtungsweisend für die USA werden könnte. Die Vereinigung "Students for Fair Admissions" ("Studenten für faire Zulassung") hat die Eliteuniversität Harvard verklagt.

Der Hauptvorwurf: Asiatinnen und Asiaten, die sich durch herausragende Leistungen auszeichnen, werden in weicheren Bewertungskategorien zur Persönlichkeit systematisch benachteiligt. Die Klage war schon 2014 eingereicht worden. Im Lauf des Prozesses musste Harvard die eigentlich geheimen Beurteilungen der Bewerberinnen und Bewerber offenlegen.

Laut "Students for Fair Admissions" gehe aus den Daten hervor, dass Herkunft und Hautfarbe nicht nur wichtige, sondern entscheidende Faktoren bei der Studienzulassung seien. "Bei einem asiatischem Bewerber, der aufgrund seiner Noten eine Chance von 25 Prozent hat, angenommen zu werden, würde diese Chance auf 35 Prozent steigen, wenn er weiß wäre", zitiert ein CNN-Bericht aus der Klagebegründung. "Wäre er Latino, läge die Chance bei 75 Prozent, wäre er Afroamerikaner sogar bei 95 Prozent."

Affirmative Action soll Minderheiten schützen

Die Harvard-Verantwortlichen weisen diese Vorwürfe kategorisch zurück. Aus ihrer Sicht handelt es sich um eine Fehlinterpretation der ausgewerteten Beurteilungen. Gleichzeitig räumen sie ein, dass Herkunft und Abstammung zu den vielen Faktoren bei der Bewertung von Bewerberinnen und Bewerbern gehören. Das ist im Rahmen der sogenannten positiven Diskriminierung zulässig.

1978 hatte der Supreme Court in einem Grundsatzurteil Quotenregelungen bei der Studienzulassung untersagt, aber Hautfarbe und Herkunft als Kriterium zur Beurteilung von Bewerbern genehmigt. Durch die Affirmative Action soll sichergestellt werden, dass Minderheiten leichter Zugang zu höherer Bildung haben.

Hinter "Students for Fair Admissions" steckt der konservative Rechtsstratege Edward Blum, der schon lange versucht, die Affirmative Action zu kippen. Vor Harvard hatte Blum die University of Texas verklagt, weil sie angebliche weiße Studentinnen und Studenten benachteiligen soll. In dem Prozess ging es um die Studentin Abigail Fisher, der 2008 die Zulassung zum Studium verweigert worden war. Nach einem jahrelangen Prozess hatte der Supreme Court ihre Klage 2016 abgewiesen.

Wird Kavanaugh zum entscheidenden Faktor?

Sollte der aktuelle Prozess auch vor dem obersten US-Gericht landen, wovon beide Seiten ausgehen, rechnet sich Blum bessere Chancen aus. Der Grund dafür sind die von Donald Trump benannten konservativen Richter Neil Gorsuch und Brett Kavanaugh, dessen Nominierung wegen der gegen ihn erhobenen Vergewaltigungsvorwürfe heftig umstritten war.

Die entscheidende Stimme im Prozess 2016 war die von Richter Anthony Kennedy, der gerade durch Kavanaugh ersetzt wurde. Wie wichtig die Benennung Kavanaughs für den US-Präsidenten ist, könnte sich an diesem Fall zeigen. Die Trump-Administration hatte der Affirmative Action schon im vergangenen Jahr den Kampf angesagt.

Sollte es tatsächlich zu einer neuen Grundsatzentscheidung kommen, die dem Urteil von 1978 widerspricht, hätte das nicht nur Auswirkungen auf Harvard, sondern auf alle US-Universitäten. Das könnte asiatischen Studierenden helfen - anderen ethnischen Minderheiten aber den Zugang zu höherer Bildung erschweren.

mmm/AP



insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
Phil2302 15.10.2018
1. Positive Diskriminierung
Warum ist die erlaubt? Ich verstehe es nicht. Und ich denke auch nicht, dass man einer Gesellschaft, in der Herkunft und Hautfarbe egal sind, näher kommt, indem man den Spieß umdreht und Minderheiten bevorzugt. Aber ich weiß, dass ich mit der Meinung alleine auf weiter Flur stehe.
uhu_13 15.10.2018
2. Stehen Sie nicht
Positive Diskriminierung soll immer temporaer sein, bis zur Abstellung von Misstaenden. Damit gehoert die positive Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Rasse abgeschafft (schon Lange). Fuer Behinderte und sozial Schwache werden wir noch ein Weilchen damit leben muessen.
Atheist_Crusader 15.10.2018
3.
Zitat von Phil2302Warum ist die erlaubt? Ich verstehe es nicht. Und ich denke auch nicht, dass man einer Gesellschaft, in der Herkunft und Hautfarbe egal sind, näher kommt, indem man den Spieß umdreht und Minderheiten bevorzugt. Aber ich weiß, dass ich mit der Meinung alleine auf weiter Flur stehe.
Ich persönlich bin da keiner eindeutigen Meinung, aber die Verteidiger positiver Diskriminierung sind idR der Ansicht dass das nötig wäre um die Verhältnisse wieder geradezurücken. Da sind ja eine Menge Mechanismen am arbeiten und viele davon funktionieren einfach nicht mehr. Die ursprüngliche Idee ist ja: Jemand geht auf Kredit studieren, bekommt einen guten Job und seine Kinder können dann ohne Kredit studieren gehen. Sie wissen schon, der amerikanische Traum bei dem jede Generation hart arbeitet damit sie es besser hat als die nächste. Dieser Traum ist allerdings ziemlich tot. Steigende Studiengebühren und Lebenserhaltungskosten nebst einem Fehlen von gut bezahlten Jobs haben ihm gründlich den Garaus gemacht. Wenn man dazu noch zu einer Minderheit gehört die auf vielfältige Weise benachteiligt wird, dann wird es nochmal umso unwahrscheinlicher. Also ergreift man korrektive Maßnahmen. Wenn z.B. (vollkommen fiktive Zahlen) 10% aller Weißen studieren aber nur 1% aller Schwarzen... dann wäre es im Interesse einer gleichen Gesellschaft wichtig, diese Zahlen anzugleichen. Man kann hoffen, dass Schwarze irgendwann den gleichen sozioökonomischen Stand wie Weiße erreichen, so dass das Geld für ein Studium da ist und die Schulen die Schüler entsprechend vorbereiten (aber wie das nunmal so ist sind Schulen in mehrheitlich schwarzen Vierteln tendenziell sehr viel schlechter finanziert). Und die Ungleichheit dann ultimativ von allein verschwindet. Oder man kann einsehen, dass selbst wenn das ein erfolgreicher Plan wäre, er Ewigkeiten benötigen würde um Wirkung zu zeigen. Also macht man es Schwarzen einfacher in Unis zu kommen bis diese die selben 10% erreicht haben wie der Rest. Sobald das geschafft ist, kann man die Programme dann langsam auslaufen lassen. Das kann man gut finden oder auch nicht. Für diejenigen die nur aufgrund solcher Programme studieren können ist es ein Segen. Aber es ist auch unglaublich frustrierend und unfair wenn dann ein Mitglied der Mehrheit dafür keinen Platz bekommt - schließlich kann der genausowenig für seine Hautfarbe wie der Angehörige der Minderheit.
DJ Doena 15.10.2018
4.
Leider beschreibt der Artikel nicht, warum Harvard gegen asiatische Studenten diskriminiert. Ein gerne ignorierter Fakt der sozialen Ungleichheiten in Amerika ist es nämlich, dass es fernöstlichen Asiaten finanziell im Schnitt sogar besser als den Weißen geht. Das passt nämlich nicht in das Erzählschema vom bösen Weißen, der alle Minderheiten unterdrückt. Für Asiaten (wie immer: im Durchschnitt, Ausnahmen gibt es immer) ist Bildung ein extrem hohes Gut und so werden auch Söhne und Töchter angetrieben, gute Bildungsabschlüsse an den besten Unis zu erwerben. Dadurch würde sich in einem blinden System ein extrem überproportionaler Anteil von Asiaten an den US-Unis wiederfinden. Das wäre aber zum Nachteil der schwarzen und Latino-Minderheiten. Also diskriminiert man gegen eine Minderheit, um die anderen empor zu heben und denkt auch noch, man täte was Gutes.
DJ Doena 15.10.2018
5.
Zitat von Atheist_CrusaderIch persönlich bin da keiner eindeutigen Meinung, aber die Verteidiger positiver Diskriminierung sind idR der Ansicht dass das nötig wäre um die Verhältnisse wieder geradezurücken. Da sind ja eine Menge Mechanismen am arbeiten und viele davon funktionieren einfach nicht mehr. Die ursprüngliche Idee ist ja: Jemand geht auf Kredit studieren, bekommt einen guten Job und seine Kinder können dann ohne Kredit studieren gehen. Sie wissen schon, der amerikanische Traum bei dem jede Generation hart arbeitet damit sie es besser hat als die nächste. Dieser Traum ist allerdings ziemlich tot. Steigende Studiengebühren und Lebenserhaltungskosten nebst einem Fehlen von gut bezahlten Jobs haben ihm gründlich den Garaus gemacht. Wenn man dazu noch zu einer Minderheit gehört die auf vielfältige Weise benachteiligt wird, dann wird es nochmal umso unwahrscheinlicher. Also ergreift man korrektive Maßnahmen. Wenn z.B. (vollkommen fiktive Zahlen) 10% aller Weißen studieren aber nur 1% aller Schwarzen... dann wäre es im Interesse einer gleichen Gesellschaft wichtig, diese Zahlen anzugleichen. Man kann hoffen, dass Schwarze irgendwann den gleichen sozioökonomischen Stand wie Weiße erreichen, so dass das Geld für ein Studium da ist und die Schulen die Schüler entsprechend vorbereiten (aber wie das nunmal so ist sind Schulen in mehrheitlich schwarzen Vierteln tendenziell sehr viel schlechter finanziert). Und die Ungleichheit dann ultimativ von allein verschwindet. Oder man kann einsehen, dass selbst wenn das ein erfolgreicher Plan wäre, er Ewigkeiten benötigen würde um Wirkung zu zeigen. Also macht man es Schwarzen einfacher in Unis zu kommen bis diese die selben 10% erreicht haben wie der Rest. Sobald das geschafft ist, kann man die Programme dann langsam auslaufen lassen. Das kann man gut finden oder auch nicht. Für diejenigen die nur aufgrund solcher Programme studieren können ist es ein Segen. Aber es ist auch unglaublich frustrierend und unfair wenn dann ein Mitglied der Mehrheit dafür keinen Platz bekommt - schließlich kann der genausowenig für seine Hautfarbe wie der Angehörige der Minderheit.
Die Frage ist nur nach dem "wie" in "wie macht man es ihnen einfacher". Wenn man einfach die Standards senkt, solange bis genug "Qualifizierte" durchs Aufnahmeverfahren durchkommen, dann spricht sich das rum. Das ist letztendlich nichts anderes wie in Deutschland mit dem Abi. Haben sie ein bayrisches, dann wird das respektiert. Haben sie eins aus Berlin, müssen sie erstmal beweisen, dass es das Papier wert war, auf dem es gedruckt wurde. Und so verfällt in den USA wegen genau solcher Maßnahmen (und anderen) der Wert eines Uni-Diploms, ohne dass die mehreren Zehntausend oder gar Hunderttausend Dollar Studiengebühren verschwinden würden. Hier kann man das schön in der Washington Post nachlesen: https://www.washingtonpost.com/blogs/right-turn/wp/2014/05/07/more-worthless-diplomas/?noredirect=on&utm_term=.994dff4bc32a
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