Kungelei-Vorwurf unter Hochschulchefs Uni-Rektor zürnt Elite-Clubs

Deutschlands chronisch klammen Unis kämpfen um Geld - und greifen dabei zu unlauteren Methoden, beklagt Ulrich Radtke, Rektor der Uni Duisburg-Essen. In einem offenen Brief warnt er vor elitären Vereinen, vor Komplizenschaft und Konfrontation - und einer "Kannibalisierung der Hochschulen".

Frank Preuß/UDE

Deutsche Hochschulen leiden unter Geldmangel, ein inzwischen chronischer Zustand. Sie werben deswegen um Drittmittel, buhlten um den Titel Elite-Uni, und manche schließen sich auch zu einem Verein zusammen, um gemeinsam für mehr Geld zu kämpfen. So geschehen im vergangenen Herbst als 15 große Universitäten "German U15" gründeten. Sie wollen künftig "ihre strategischen Interessen gemeinsam vertreten", wie sie damals ankündigten. Aus Sicht der Clubmitglieder ist dieser Schritt verständlich.

Wenig Verständnis haben allerdings diejenigen, die sich von den U15 ausgegrenzt fühlen. Einer von ihnen ist der Präsident der Uni Duisburg-Essen, Ulrich Radtke, und er hat einen offenen Brief geschrieben an seine Kollegen sowie an die Hochschulrektorenkonferenz (HRK). (Lesen Sie hier den Brief im Original)

Seine Sorge: Deutschlands Hochschulen könnten sich aufteilen, in "Kontrahenten" und "Komplizen". Er schreibt: "In unseren Reihen bilden sich neuerdings Verbünde und Lager, und die Hochschulen geraten im Gerangel um Gelder, Drittmittel und Sponsoren zusehends in die Konfrontation." Das sei "so überflüssig wie gefährlich", man müsse sich schon "den Anfängen einer Kannibalisierung der Hochschulen untereinander wehrhaft entgegenstellen".

Was sind leistungsfähige Hochschulen?

Es gebe durchaus Spitzenuniversitäten und exzellente Cluster, die Hervorragendes leisten, schreibt er. Aber das seien wohl eher nur drei bis vier in Deutschland. Einige Gruppierungen versuchten nun, aus der Masse hervorzudringen. Dazu gehören seiner Meinung nach die "German U15" genauso wie beispielsweise die "TU9", die selbsternannten führenden technischen Universitäten Deutschlands. "Beide versuchen, durch eine schlicht postulierte, apodiktische Belegung der 'Spitze' eine Art 'pole position' im Kampf um die Futtertröge einzunehmen." So forderte beispielsweise der Sprecher der "U15", schon bei einer Neuordnung der Hochschulfinanzierung sollten "die besonders leistungsfähigen Hochschulen", bevorzugt behandelt werden, wie der "Tagesspiegel" im März berichtete.

Nur: Was sind leistungsfähige Hochschulen? Und wer darf sich um Aufnahme in die "U15" oder "TU9" bewerben?

Zur "U15" gehören unter anderem die Freie Universität Berlin, die Humboldt-Universität zu Berlin und die Unis in Hamburg, Münster und Freiburg. Auf der "U15"-Webseite heißt es, jene Unis hätten sich zusammengeschlossen, die "ein breites Fächerspektrum aber keine profilgebende kritische Masse in den Ingenieurwissenschaften haben und die ein Profil als Forschungsuniversität mit internationaler Wahrnehmung und Ausstrahlung aufweisen und medizinführend sind". Zu "TU9" gehören unter anderem die Technischen Hochschulen in Aachen, Berlin, Braunschweig und Dresden. "Die Mitglieder des Verbandes sind exzellent in der Forschung", heißt es auf deren Webseite.

"Eine Art selbstbestätigendes Selbstlob", nennt Rektor Radtke das. Wobei es natürlich stimmt, dass die Hochschulen dieser beiden Zusammenschlüsse in Deutschland sehr viele Studenten und Doktoranden ausbilden und viele Drittmittel einwerben. Trotzdem fürchtet Radtke, dass eine Fokussierung auf ein paar glückliche Wenige Deutschlands Wissenschaft nicht guttut. "Will man das künstliche Konstrukt einer universitären Ober- und Unterschicht erreichen", fragt er. Oder wäre es nicht produktiver, gemeinsam für eine solide Grundfinanzierung zu streiten? Ulrich Radtke hofft, dass die HRK über diese Themen sprechen wird, wenn sich die Mitglieder Anfang kommender Woche treffen.

fln

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insgesamt 14 Beiträge
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henrik-flemming 10.05.2013
1. Deutschland Schlecht
Zitat von sysopFrank Preuß/UDEDeutschlands chronisch klammen Unis kämpfen um Geld - und greifen dabei zu unlauteren Methoden, beklagt Ulrich Radtke, Rektor der Uni Duisburg-Essen. In einem offenen Brief warnt er vor elitären Vereinen, vor Komplizenschaft und Konfrontation - und einer "Kannibalisierung der Hochschulen". http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/brief-an-hrk-rektor-der-uni-duisburg-essen-zur-hochschulfinanzierung-a-899109.html
Nicht nur das, sondern in einem Ländere Ranking von Universitas21, welches Land die besten Studienmöglichkeiten bietet, ist die Bundesrepublik bestenfalls Mittelmass. Die meisten Gelder flieesen nun einmal in de USA, Scweden, Kanada, Finland, Dänemark. Deutschland landet hinter Frankreich und Irland auf Platz 17 immerhin vor Japan, Korea und China .. News Details (http://www.universitas21.com/news/details/61/u21-rankings-of-national-higher-education-systems-2012).
spiegel-kommentar 10.05.2013
2. Sandkastenspielchen
Als ich vor 20 Jahren angefangen habe zu studieren, hatten die beiden Gesamthochschulen in Essen und Duisburg beide keinen besonders guten Ruf und "standen" nicht für etwas bestimmtes. Trotz Wohnort in der Nähe habe ich eine der renommierten Universitäten für mein technisches Studium gewählt. Mittlerweile haben sich die beiden vor 10 Jahren zusammengeschlossen und "stehen" immer noch für nichts, jedenfalls nicht im technischen Bereich. Jetzt beklagt sich derjenige, der für die Weiterentwicklung zuständig wäre wie ein Dreijähriger, dass die 5-jährigen nicht mit ihm spielen und ihre Förmchen abgeben wollen. Wo ist ihre weitsichtige Perspektive, Herr Radtke? Der Lehrstuhl in meinem Fachgebiet ist schon national unbekannt, fehlt es da an Kontaktwillen oder-vermögen? Wer national unbekannt ist, darf sich nicht wundern, wenn er bei "Grüppchenbildung" außen vor bleibt. Vielleicht hilft ein Verbund der Hochschulen im Ruhrgebiet? Oder sind Sie da gegenüber den Fachhochschulen "was besseres"?
strixaluco 10.05.2013
3. Solidarität
... ist auch etwas wert, und wenn man merkt, dass man in einem zerstörerischen und ressourcenfressenden Wettbewerb gegeneinander ausgespielt wird, wäre es doch eine Idee, es einmal damit zu versuchen. Wenn wirklich alle Unis und ihre Angestellten zusammenhalten würden, wäre es durchaus möglich, echte politische Verbesserungen zu erreichen - solide Grundfinanzierung, lebensfreundliche Arbeitsbedingungen, nachhaltiges Management von Gebäuden und Geräten - für _alle_! Wenn das gegeben wäre, könnte man immer noch darüber nachdenken, wo Extras sinnvoll sind - im Moment werden eher die am wenigsten lecken Kähne gekürt...
gumbofroehn 10.05.2013
4. Wenig Inhalt ... viel Wirkung
Sei es U15, TU9 oder UAS7: Ohne nennenswerten Ressourceneinsatz erhalten die betreffenden Institutionen plötzlich mehr Visibilität. Ob beim Recruiting, der Drittmitteleinwerbung oder der medialen Berichterstattung. Allein diese inhaltlich fragwürdigen Label schaffen schon Vorteile. Man ist geneigt zu sagen, dass hier Hühnern die Füße platt geschlagen werden, um sie dann als Enten zu verkaufen.
vantast64 10.05.2013
5. Man könnte meinen, das finanzielle Elend sei beabsichtigt,
um die Hochschulen auf Dauer in die Arme der Konzerne zu treiben, wo sie billig aufgekauft werden, da das große Kapital in Zukunft viel mehr preiswerte Arbeitskräfte braucht. Auch hier bleibt, wie bei den Banken,der Steuerzahler der Finanzier der Kapitalisten.Die FDP hat uns immer vor dem Staat gewarnt, als Investor und Geldgeber ist er aber immer willkommen.
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