Bucerius Law School Warten auf die Wunderschüler

Die Bucerius Law School in Hamburg hat noch keinen einzigen Studenten zum Staatsexamen gebracht, gilt aber schon als Deutschlands beste Juristen-Schmiede. Ihren guten Ruf müssen sich die Studenten aber erst noch verdienen.

Von Marc Baumann


Schöner wohnen: Die Bucerius Law School kostete 34 Millionen Euro
B.Solcher

Schöner wohnen: Die Bucerius Law School kostete 34 Millionen Euro

Im großzügigen Foyer der Bucerius Law School (BLS) steht eine unscheinbare Vitrine. Als Segler, Fußballer und Cheerleader haben die Jurastudenten Pokale und Urkunden gewonnen. Doch die Wand hinter der Vitrine ist noch kahl: Hier sollen ab Ende 2004 die Fotos der ersten Absolventen hängen. Bis das soweit ist, bleibt Deutschlands erste private Hochschule für Rechtwissenschaften ein Experiment - allerdings ein ziemlich teures.

Die Hypothese lautet: Wenn man für 34 Millionen Euro eine kleine, feine Privat-Universität aus dem Boden stampft, die Lehrpläne für Jura neu gestaltet und ein Studium generale dazu packt, dann bekommt man vier Jahre später den nahezu idealen Juristen.

Der Beweis dafür steht allerdings noch aus: Im kommenden Sommer treten die ersten hundert BLS-Studenten zum Ersten Staatsexamen an. Das Ergebnis wird in Juristenkreisen mit Spannung erwartet. Die Privatschüler sollen bitte merklich aus der Masse der staatlichen Studenten hervorstechen, mit guten, besser sehr guten Noten. Diesem Anspruch muss eine 30.000 Euro teure Ausbildung gerecht werden.

Hightech Offensive: Hörsaal in der Bucerius Law School
R.Frommann

Hightech Offensive: Hörsaal in der Bucerius Law School

Dafür fehlt es den Studenten an nichts: Es gibt kleine Lerngruppen, einmal wöchentlich fächerübergreifende Kurse im Studium generale, die Studenten können 24 Stunden am Tag die Räume der Schule nutzen und neue Dozenten müssen vor den Schülern Probevorlesungen halten, bevor die ihr Ja-Wort geben. Ein Großbildschirm im Eingangsbereich zeigt aktuelle Vorlesungen, auf den Toiletten öffnet sich der Mülleimer automatisch, per Lichtschranke. Die Bucerius Law School wirkt wie ein toller Spielplatz für Juristen.

Es darf gemeckert werden

Wer sich bisher für die Bucerius Law School entschied oder seinem Kind die Ausbildung finanzierte, kam aber aus einem anderen Grund: Dem guten Namen.

Die "Zeit-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius", Hauptträger der Schule, hat so namhafte Fürsprecher wie den ehemaligen Bundespräsident Roman Herzog oder Hamburgs Bürgermeister a.D. Henning Voscherau. Das zeigt Wirkung. Schon im Gründungsjahr 2000, als die Schule noch einer Großbaustelle glich, gab es über 400 Bewerber für die jährlich einhundert Ausbildungsplätze.

Einfach schick: Die Bibliothek
B.Solcher

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Dass sich die Law School ihre Studenten in einem aufwändigen Auswahlverfahren selbst aussucht, soll in Deutschland Schule machen. Staatliche Hochschulen sollen sich an dem Vorbild Law School orientieren und ihre bisherige Ausbildung überdenken. Ein Sprecher der Law School sagt: "Das ganze hat Leuchtturm-Charakter". Ein Licht in der dunklen Nacht also.

1997 entstand die Idee zur Law School. Der 1995 verstorbene Jurist und Mitbegründer der Wochenzeitung "Die Zeit", Gerd Bucerius, hatte seiner Stiftung per Testament eine beachtliche Summe hinterlassen. Nur kurz war bei den Mitgliedern der Zeit-Stiftung eine private Wirtschaftshochschule im Gespräch. "Wenn wir uns engagieren, dann wollten wir ein Defizit aufgreifen und etwas Neues entgegen setzten", sagt der geschäftsführende Vorstand der Zeit-Stiftung, Michael Göring. Jura bot sich an.

"Seit 25 Jahren wird über Reformen gesprochen, das bisherige Jura-Studium geht zu sehr in Richtung Amtsrichter", sagt Göring. Die Bucerius Law School soll all das umsetzen, was in der Hochschuldiskussion in Deutschland seit Jahrzehnten gefordert wird.

"Juristen sind Allzweckwaffen"

Das heißt: Es gibt ein Auswahlverfahren und Studiengebühren - aber dafür auch das Anrecht auf eine gute Ausbildung. Die BLS-Studenten werden vorbereitet auf ein Leben als Unternehmensberater oder Anwalt, aber auch im Auswärtigen Amt kann Göring sich die Schüler gut vorstellen. Er erwartet, "dass sie der Gesellschaft etwas zurück geben".

Große Namen als Garant für gute Ausbildung: Der Marion Gräfin Dönhoff Lesesaal
B.Solcher

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Denn "Juristen sind Allzweckwaffen", sagt Göring: "Die finden sie in der Politik, in so vielen Bereichen an federführender Stelle, wenn wir da Jahr für Jahr sehr gut ausgebildete Leute reinschicken, wird man damit etwas verbessern".

Die Zeit-Stiftung hat für 34 Millionen Euro das ehemalige Botanische Institut an der Jungiusstraße 6 in Hamburg gekauft und renoviert, weitere fünf Millionen Euro zahlt die Stiftung jährlich für den Unterhalt. Unternehmensspenden belaufen sich momentan auf 1,5 Millionen im Jahr, dazu kommen die Studiengebühren.

Auch Juristen können arbeitslos werden

Allein über die Studiengebühren wird sich die Schule nie finanzieren können - die Law School bleibt ein Zuschussunternehmen. Man könnte auch sagen: Eine gute Tat.

Die Schüler können sich aussuchen, ob sie die Studiengebühren selber berappen, ein vergünstigtes Darlehen aufnehmen, oder den so genannten umgekehrten Generationenvertrag in Anspruch nehmen: Statt Studiengebühren zu zahlen, verpflichten sich die angehenden Juristen dabei, in ihren ersten zehn Berufsjahren acht Prozent des Gehalts an die BLS zu überweisen - bis zur Obergrenze von 75.000 Euro. Die Law School will keine Exklusivveranstaltung für die Kinder reicher Eltern sein.

Für die Studenten wird sich auf dem Arbeitsmarkt zeigen, ob die Investition sich in wirtschaftlich schweren Zeiten auszahlt. "Ob sie auch in der Praxis die besseren Juristen sind", was Professor Michael Schweitzer von der Uni Passau für entscheidend hält. Er lobt vor allem das integrierte Studium generale an der Law School als "eine pfiffige Idee". Neue Modelle belebten die Uni-Landschaft, sagt er.

Das Auditorium als Computer-Modell, Einweihung ist im Oktober

Das Auditorium als Computer-Modell, Einweihung ist im Oktober

Im Oktober wird der neue große Hörsaal der Bucerius Law School eingeweiht, mit der Verleihung des Uni-internen "Bachelor of Laws"-Abschlusses, der vor dem ersten Staatsexamen abgelegt wird. Bis dahin erledigen eine Hand voll Bauarbeiter, Maler und ein kleiner Bagger die letzten Arbeiten an dem neuen Hörsaal. Wenn auch der Rasen um das Auditorium endlich grünt, dann haben die Väter der Law School ihren Teil erbracht. Was aus den Kindern wird, muss sich noch zeigen.



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