Jungwähler-Umfrage auf SPIEGEL ONLINE Was ist dir wichtig?

Im Bundestagswahlkampf bemühen sich Politiker um junge Wähler. Das wirkt oft verkrampft. Aber wie treffen Erstwähler ihre Entscheidung? Du hast dazu eine Meinung? Hier geht es zur Umfrage.

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FDP-Chef Christian Lindner versucht es im Unterhemd und mit Schwarz-Weiß-Clips. Martin Schulz wurde zum SPD-Meme gehypt und die CDU hat ihrer Jugendorganisation in der Wahlkampfzentrale gleich eine halbe Etage in hipper Start-up-Optik spendiert.

Klar, gerade jetzt im Bundestagswahlkampf bemühen sich Politiker um junge Wähler. Sie besuchen Schulen und Jugendklubs, laden zu Kongressen ein und lassen bunte Plakate kleben. Dabei ist der Bundestag ein Parlament der Silberhäupter: 49,7 Jahre beträgt das Durchschnittsalter der Abgeordneten. Junge Politiker und Politikerinnen sind in Berlin eher die Ausnahme. Da wirkt das Werben um die Erststimme oft verkrampft.

Interessieren sich junge Erwachsene zwischen 18 und 29 Jahren überhaupt noch für Politik? Und wie treffen sie ihre Wahlentscheidung? Welche Rolle spielen Medien? Und sind Eltern noch eine Orientierung oder doch lieber Facebook? Wer und was beeinflusst wirklich? Das wollen wir wissen.

Deshalb starten DER SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE eine Umfrage mit unserem Kooperationspartner, dem Online-Meinungsforschungsinstitut Civey, in Echtzeit, für jeden Nutzer zugänglich und mit repräsentativen Ergebnissen. (Welche Methodik dahintersteckt, kannst du unten in diesem Artikel nachlesen.)

Und los geht's.

1. Ganz direkt: Politik? Ist das dein Ding?

2. Kommt da überhaupt etwas an?

3. Was ist dir wichtig?

4. Was hat dich bloß so politisiert?

5. Merkel vs. Schulz

Was ist das Besondere an der Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen Verfahren. Zuerst werden alle Umfragen in einem Netzwerk aus mehr als 12.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"). Online kann jeder an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, unter anderem nach den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse nach weiteren Faktoren und Wertehaltungen gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 12.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass viele unterschiedliche Nutzer erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Man kann nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. In unserem Fall heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Sie dienen allein dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden.
Wer steckt hinter Civey?
Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der "Tagesspiegel", "Cicero", der "Freitag" und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.
insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
joke61 28.07.2017
1. Meine Befürchtung ist,
das die jungen Leute sich immer mehr von der Politik entfernen. Zumindest in der unteren und mittleren Schicht. Dank der Medien wissen die ja schon nicht mehr, dass auch andere Politiker Kanzler werden können. Und diese politische Gezeter, zum Wahlkampf hin besonders scheinheilig, geht denen einfach auf die Klötze. Jeder sagt am Ende das selbe und möchte auch das selbe tun, nämlich eigentlich nichts. Einheitsbrei eben. Also wozu zur Wahl gehen, wenn doch so weiter gemacht wird wie bisher. Was unsere jungen nicht bzw. wenig machen, ist rechts oder links extremen Parteien Ihre Stimme geben. Also bleiben die zu Hause und wählen eben nicht. Außerdem kann man Sonntags so gut ausschlagen. Bei vielen geht dabei der Tag drauf, weil die Nacht so lang war.
discprojekt 28.07.2017
2. Also,
da wird wohl, etwas naiv, versucht das Verhalten der jüngeren Wähler auszuforschen? SPON im Auftrag eines Instituts? Oder einer Partei?
mapcollect 28.07.2017
3. Die jüngeren Generationen sind anscheinend immer unpolitischer
und unkritischer. Querdenker haben es auch immer schwerer in unserer Gesellschaft und die Bacheler/Master-Korsette machen die freie Entwicklung auch nicht gerade einfacher. Änderungen gehen i.d.R. von den Intellektuellen aus - und denen geht es zu gut als dass sie für Veränderungen auf die Straße gehen. Auch die Leitmedien scheinen mit dem Status Quo ganz zufrieden sein - so dass von denen auch keine Impulse zu erwarten sind.
petruz 28.07.2017
4.
Wie üblich wird den jungen hier nichts zugetraut politisch. Was vermutlich damit zu tun hat, dass junge überdurchschnittlich viel links wählen. das ist jedoch nachzuvollziehen.
Magentasalex 28.07.2017
5. Wahlen....
Zitat von joke61das die jungen Leute sich immer mehr von der Politik entfernen. Zumindest in der unteren und mittleren Schicht. Dank der Medien wissen die ja schon nicht mehr, dass auch andere Politiker Kanzler werden können. Und diese politische Gezeter, zum Wahlkampf hin besonders scheinheilig, geht denen einfach auf die Klötze. Jeder sagt am Ende das selbe und möchte auch das selbe tun, nämlich eigentlich nichts. Einheitsbrei eben. Also wozu zur Wahl gehen, wenn doch so weiter gemacht wird wie bisher. Was unsere jungen nicht bzw. wenig machen, ist rechts oder links extremen Parteien Ihre Stimme geben. Also bleiben die zu Hause und wählen eben nicht. Außerdem kann man Sonntags so gut ausschlagen. Bei vielen geht dabei der Tag drauf, weil die Nacht so lang war.
Also ich halte mich da an meinen Vater und der an seinen Vater. Motto: Würden Wahlen unsere Lebensgrundlagen verbessern, hätten die Machthaber sie längst verboten. Ob man zur Wahl geht oder nicht geht, bleibt sich völlig gleich. Die Machthabenden sind immer unter sich.
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