Hochschule Suizidserie alarmiert Bundeswehruni München

An der Bundeswehruni in München kommt es seit Mai 2014 zu einer Häufung von Suizidfällen. Eltern und einige Dozenten berichten nach SPIEGEL-Informationen von hohem Prüfungsdruck.

Universität der Bundeswehr in Neubiberg bei München: Hohe Durchfallquoten, hoher Druck
DPA

Universität der Bundeswehr in Neubiberg bei München: Hohe Durchfallquoten, hoher Druck


Die Bundeswehruniversität München wird von einer rätselhaften Serie von Suiziden erschüttert. Ende vergangenen Jahres nahmen sich in nur zwei Monaten drei Studenten das Leben. Seit Mai 2014 sollen es, sagen Universitätsmitarbeiter, sechs Fälle gewesen sein.

Eltern und einige Dozenten machen nach SPIEGEL-Informationen den hohen Druck, der durch das in Trimester geteilte Intensivstudium an der Bundeswehruni entsteht, für die Verzweiflung der jungen Männer mit verantwortlich. Die Studenten hätten keine freien Tage zwischen Unterricht und Klausuren. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Bei den Prüfungen gebe es, heißt es unter Kommilitonen, hohe Durchfallquoten, manchmal zwischen 80 und 90 Prozent. Einzelne Prüfungen können nur zweimal wiederholt werden. Wer im dritten Versuch scheitert, muss das Studium abbrechen und scheidet aus der Bundeswehr aus. Er verliert den Job, für den er sich eigentlich 13 Jahre verpflichten wollte.

Ein Vater aus Nordbayern wandte sich jetzt an den Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages, Hans-Peter Bartels, mit der dringenden Bitte, die merkwürdigen Todesfälle aufzuklären.

Ein Sprecher der Uni nannte die Häufung der Suizide unter den rund 2800 Studenten besorgniserregend. Die Hochschule tue dennoch sehr viel, um solches Unglück zu verhindern. Neben einer psychologischen Beratung stünden den Studierenden ein evangelischer und ein katholischer Pfarrer für Gespräche zur Seite, ebenso eine medizinische Abteilung.

Die drei jungen Männer, die Ende 2015 gestorben seien, hätten jedoch keine Beratung in Anspruch genommen. Man müsse auch berücksichtigen, dass die Gründe für die Selbsttötungen letztlich nicht aufzuklären seien.

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