Rechtsextremismus-Vorwürfe Burschenschaft wirft Kritiker raus

Christian Becker hatte in den Reihen seiner eigenen Burschenschaft rechtsextreme Tendenzen ausgemacht. Er kritisierte ein Mitglied öffentlich, setzte sich damit auch vor Gericht durch. Nun wurde er hinausgeworfen.

Christian Becker (Juli 2012): Vor Gericht gewonnen, aus Burschenschaft geworfen
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Christian Becker (Juli 2012): Vor Gericht gewonnen, aus Burschenschaft geworfen


Berlin - Der Gründer der Initiative "Burschenschafter gegen Rechtsextremismus", Christian Becker, ist aus seiner Studentenverbindung ausgeschlossen worden. Die Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn habe ihn und ein weiteres Mitglied am Wochenende mit großer Mehrheit wegen "bundschädigenden Verhaltens" ausgeschlossen, erklärte Becker.

Die beiden Mitglieder hätten die Raczeks in der Öffentlichkeit als rechtsextrem dargestellt, was nicht zuträfe, habe die Begründung gelautet. Verbindungsmitglied Norbert Weidner, der den NS-Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer als Landesverräter bezeichnet hatte, sei hingegen von der Versammlung bestätigt worden.

Weidner, der unter anderem Chefredakteur der "Burschenschaftlichen Blätter" ist, hatte vor einigen Monaten in einem Leserbrief erklärt, er halte das Todesurteil gegen den Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer "rein juristisch" für "gerechtfertigt". Das Amtsgericht Bonn erließ einen Strafbefehl gegen ihn, er wurde wegen Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener zur Zahlung von 60 Tagessätzen zu je 40 Euro, insgesamt also 2400 Euro, verurteilt. Weidner hat gegen die Entscheidung bereits Widerspruch eingelegt.

Im Juli hatte Becker einen juristischen Erfolg errungen, indem das Landgericht Bonn ihm kritische Äußerungen zu Weidner erlaubt hatte. Becker darf demnach behaupten, Weidner sei "höchstwahrscheinlich einer der Köpfe der rechtsextremen Bewegung, die aus Burschenschaftern, NPD und Kameradschaften besteht", und strebe die Gründung einer "rechtsextremen Studentenpartei" an.

cis/dapd

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Subco1979 16.09.2012
1.
Naja, wo diese Raczeks stehen, hat man ja auch schon in der Vergangenheit durch ihre Taten gesehen. Ich wundere mich nur, dass in Zeiten, wo über NPD-Verbote geschwafelt wird, solche Vereine mehr oder weniger unbehelligt das Ihre tun können. Wenn ich so die Presse lese erhalte ich den Eindruck, dass fast alle Burschenschaften rechtsextrem sind. Dieser Eindruck mag unabhängig von der realen Verteilung sein, doch es ist der Eindruck der Medien.
BeitragszahlerwiderWillen 16.09.2012
2.
Das ist auch in jeder Partei so. Wer die Meinung des Vereins nicht mehr vertreten will, sollte nicht länger Mitglied bleiben müssen.
ernstmoritzarndt 16.09.2012
3. Juristischer Jux der Woche
Wenn Becker den Hinauswurf vor den ordentlichen Gerichten angreift, werden die DB-Nazis ihre nächste Niederlage kassieren. Das Ziel des Herrn Weidner ist klar darauf ausgerichtet, die Burschenschaft zu einer rechtsradikalen Minderheitsgruppe zu degradieren, um sein eigenes politisches Süppchen kochen zu können. Das erklärte Ziel der Verbandsnazis ist darin zu sehen, die liberalen Burschenschaften aus dem Verband herauszudrängen. Die Liberalen haben das Problem, daß sie - wegen beruflicher und sonstiger Einbindungen - nicht in der Lage sind, wesentliche Funktionen im Verband besetzen zu können.
ladywanda, 16.09.2012
4. Da gibts nur eins....
den braunen Mob rechts liegen lassen und seinen eigenen Verein aufmachen. Es müsste doch mit dem Deubel zugehen, wenn nicht die anständigen Burschenschaftler in der Lage wären, sich klar und deutlich von diesem Pöbel zu distanzieren - Jungs - seid Manns genug und schmeißt diesem Geschmeiß den Krempel vor die Füße und geht eurer Wege.. -andere Mütter haben auch schöne Töchter!
jeykey2000 16.09.2012
5.
Burschenschaften und Studentenverbindungen waren schon immer erzkonservative rechtsgerichtete faschistuide Vereine ohne jeden Nutzen für unsere heutige Gesellschaft. Sie waren schon immer eine Brutstätte für Faschisten mit wenig Hirn unter verschiedenen Deckmänteln und sollten grundsätzlich verboten werden.
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