NSU-Verbindung Neonazi-Kader wohnte jahrelang in Bayreuther Burschenhaus

Die Bayreuther Burschenschaft Thessalia beherbergte elf Jahre lang einen Thüringer Neonazi-Kader. Er gilt als Intimus der Terrorzelle NSU. Jetzt wollen die Grünen im Stadtrat die Verbindung vom Volkstrauertag ausschließen.

Burschenschafter (Archivbild): "Nur wer deutscher Herkunft ist"
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Burschenschafter (Archivbild): "Nur wer deutscher Herkunft ist"


Einen Hehl aus ihrer Geisteshaltung hat die Bayreuther Burschenschaft "Thessalia zu Prag" nie gemacht: Auf ihrer Internetseite heißt es, es sei "selbstverständlich, daß nur Thessale werden kann, wer deutscher Herkunft ist, egal welchen Paß er trägt".

Dieser "Ariernachweis" ist jedoch fast eine Petitesse gegen die Nähe der Burschenschaft zum rechtsterroristischen NSU, der im Zuge der Ermittlungen nun öffentlich wird. Denn bis vor wenigen Jahren ging im Verbindungshaus der Thessalia auch ein Intimus des Rechtsterroristen-Trios um die in München angeklagte Beate Zschäpe ein und aus.

Mario B. lebte zwischen 1997 und 2008 durchgehend in dem Haus am Wittelsbacher Ring unweit des Bayreuther Schlosses, bis einschließlich 2010 hatte er das Verbindungshaus als seinen Nebenwohnsitz gemeldet. Sechs Semester lang studierte er an der dortigen Uni Jura, bevor er das Studium abbrach. Aus "Prüfungsangst", wie er in einer Vernehmung angab.

Auch ohne Staatsexamen konnte B. sein Wissen aus Bayreuth für die extremistische Sache nutzen. Gemeinsam mit dem führenden Neonazi-Kader und V-Mann Tino Brandt führte er "Rechtsschulungen" und "Jungsturmbelehrungen" durch. Darin berieten sie ihre Gesinnungsgenossen im Umgang mit der Polizei und zum Verhalten bei Festnahmen und Vernehmungen.

Zu Beginn seiner Studienzeit wurde B. auch dem harten Kern des sogenannten Thüringer Heimatschutzes zugerechnet, der Bericht des NSU-Ausschusses im Thüringer Landtag nennt ihn als "Führungskader". 1998 flog B. laut Verfassungsschutz-Informationen gemeinsam mit dem Neonazi Andre K. nach Südafrika. Die Flugtickets für rund 3400 Mark buchte und bezahlte B. laut dem "Nordbayerischen Kurier" in einem Bayreuther Reisebüro.

"Äußerster Rand der Gesellschaft"

Andre K. gab im Münchner NSU-Prozess gegen die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe zu, B. und er hätten am Kap einen Unterschlupf für Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Zschäpe gesucht. B. bestätigte diese Behauptung gegenüber Beamten des Bundeskriminalamtes allerdings nicht.

Gerade vor diesem Hintergrund wird manchem in der Wagnerstadt mulmig beim Gedanken, rechtskonservative Studenten könnten bei der städtischen Zeremonie zum Volkstrauertag einen Kranz niederlegen. Die Grünen im Stadtrat wollten der rechten Verbindung deshalb verbieten, an der Veranstaltung an einem Kriegerdenkmal teilzunehmen: "Diese Burschenschaft gehört zum äußersten Rand der Gesellschaft. Ich halte es nicht für angemessen, dass ihre Vertreter am Volkstrauertag einen Kranz niederlegen", sagte der Grünen-Stadtrat Stefan Schlags SPIEGEL ONLINE.

Am Trauertag in Bayreuth legen traditionell Armeereservisten und ein Polizeichor Kränze an dem Denkmal nieder, auch die Burschen waren in den vergangenen Jahren immer noch dabei. In diesem Jahr will Schlags aber keine Schärpenträger mehr sehen. "Die Beteiligung einer Vereinigung, die Rassismus nicht entschieden bekämpft, widerspricht dem Geist der Veranstaltung und beleidigt die Opfer", schreibt der Grünen-Politiker in seinem Antrag für den Ältestenausschusses des Stadtparlaments.

Am Montagabend will der Ausschuss über den Antrag abstimmen.

ade

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