Burschenschaften International oder rechtsradikal?

Ultrarechte Burschenschaften wie die Münchner Danubia bringen Studentenverbindungen immer wieder in Verruf. Gemäßigte Korporationen dagegen wollen ihr lädiertes Image aufpolieren. Sie bemühen sich sichtlich um Distanz zu den radikalen Säbelrasslern und veranstalten im Herbst den ersten "Weltkorporationstag".

Von Mary Grace McCaskill


Burschenschaftler: Miserables Image
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Burschenschaftler: Miserables Image

Die Burschenschaft Danubia gilt als rechtsradikal und ist immer gut für schlimme Schlagzeilen. Im Januar 2001 machte sie von sich reden, als sie einem Skinhead Unterschlupf bot, der zuvor einen Griechen fast zu Tode geprügelt hatte. Prompt stufte Bayerns Innenminister Günter Beckstein die Danuben als rechtsextrem ein und ließ sie fortan vom Verfassungsschutz beobachten.

Den Vorwurf der Verfassungsfeindlichkeit will die Verbindung nun entkräften und hat einen Professor gefunden, der sie davon freispricht. Der emeritierte Bonner Politikwissenschaftler Hans-Helmuth Knütter kommt in einem 25-seitigen Gutachten zum Ergebnis, die Danubia sei eine "rechte patriotische Verbindung", ihr Tun aber durch die Grundrechte gedeckt.

"Wir müssen aus dem Elfenbeinturm heraus"

Bayerns Landesregierung hat das offenbar wenig beeindruckt: Das "Auftragsgutachten" sei "kein Persilschein" für die Burschenschaft, erklärte Innenstaatssekretär Hermann Regensburger. Bei Zweifeln an ihrer demokratischen Gesinnung blieben die Mitglieder weiter vom Staatsdienst ausgeschlossen.

Dass Burschenschaften wie die Danubia ins rechtsradikale Milieu abgerutscht sind, macht anderen, gemäßigteren Studentenverbindungen schwer zu schaffen. Sie wehren sich gegen den Vorwurf, konservativ, altmodisch und ausländerfeindlich zu sein. So versuchen die Corps und Landsmannschaften, sich als international und progressiv darzustellen. Sie wollen auf keinen Fall zum Beispiel mit der Deutschen Burschenschaft in einen Topf geworfen werden, die sich den Spruch "Ehre-Freiheit-Vaterland" zum Motto genommen hat.

Dem Kösener Corpsverband etwa gehören insgesamt 23.000 Mitglieder an, davon rund 2000 Studenten, ansonsten Alte Herren, also ehemalige Verbindungsstudenten. "Wir müssen aus dem Elfenbeinturm heraus", sagte Gerhard Daniel, Vorsitzender des Verbandes Alter Corpsstudenten (VAC), am Donnerstag zum Auftakt eines jährlichen Traditionstreffens der Kösener Corpsstudenten in Bad Kösen (Sachsen-Anhalt). "Es war ein Fehler, dass wir uns 50 Jahre lang nur mit uns selbst beschäftigt haben." Daniel betonte, die Studentencorps träten für Toleranz ein und grenzten sich strikt gegen politischen Extremismus ab.

Im Herbst öffnen sich die Corps der ganzen Welt und laden andere Studentenverbindungen aus Europa und den USA zum ersten Weltkorporationstag ein. Der Kongress vom 14. bis 17. November in Würzburg soll Kontakte zwischen Studenten, Professoren und Alten Herren vermitteln. Veranstalter sind die Dachverbände von Corps, Landsmannschaften und Turnerschaften. Aber teilnehmen dürfen Verbindungen jeder Art, zum Beispiel auch katholische Verbindungen, Sängerschaften und Damenverbindungen.

Fraglich ist allerdings, ob auch die Deutsche Burschenschaft (DB) dabei sein wird. Mit 135 Burschenschaften, über 2200 Studenten und 18.000 Alten Herren erntet der Verband häufig Kritik wegen nationalistischer Töne und rechtsradikaler Umtriebe. Nicht konfessionell oder parteipolitisch orientierte Corps gehen deshalb auf Distanz. Gerhard Daniel vom VAC behauptet, der Dachverband sei unfähig, "sich von rechtsextremistischen Mitgliedern zu trennen".

Die Corps rücken von der Deutschen Burschenschaft ab

Die Corpsverbände hatten schon 1998 ihre Teilnahme an einem Frankfurter Festakt wegen der Beteiligung der Deutschen Burschenschaft abgesagt. Und seit dem Münchner Danuben-Skandal im vergangenen Jahr sind die Corps noch stärker abgerückt.

Burschenschaftstag 2001 in Eisenach: Rechtsweg nicht ausgeschlossen
AP

Burschenschaftstag 2001 in Eisenach: Rechtsweg nicht ausgeschlossen

Ob die Deutsche Burschenschaft zum Weltkorporationstag eingeladen wird, ist noch offen. "Wenn sie kommen wollen, können wir nichts dagegen tun", sagt Thomas Seeger, der für den Kösener Verband das Welttreffen organisiert. Viele Organisationen haben Pressemitteilungen und Briefe zur Tagung erhalten - die Deutschen Burschenschaften noch nicht. "Wir haben keine bestimmte Einladung von den Corpsverbänden bekommen, aber wir lesen ihre Zeitung, wie sie auch unsere Zeitung lesen," sagt DB-Pressesprecher Karsten Rausch, von Beruf Rechtsanwalt.

Am Mittwoch beginnt der alljährliche Burschen- und Altherrentag in Eisenach. "Wir werden über diesen Korporationstag sprechen und entscheiden, ob wir daran teilnehmen wollen", sagt Rausch.

"Die deutsche Sprache korrekt bedienen"

Ob sein Verband tatsächlich rechtsradikal ist, ist umstritten. Einige Gruppen distanzieren sich von der rechten Szene, andere stehen bereits unter Beobachtung des Verfassungsschutzes. "Natürlich halten wir uns nicht für rechtsradikal", sagt Rausch, "aber wir haben immer noch keine Definition, was der Begriff Rechtsradikalismus wirklich bedeutet."

Unterdessen wollen die Corpsverbände durch den Weltkorporationstag ihr schlechtes Image loswerden. Dazu gehört auch die internationale Öffnung. Geplant beim Welttreffen sind unter anderem Konzerte, Fechten, ein Turnfest, ein Sportforum und ein Abschlussball an. Zu den Themenschwerpunkten zählen zum Beispiel "Die Universität im 21 Jahrhundert" oder "Weiter- und Fortbildungsmaßnahmen der Korporationen - ein internationaler Vergleich". Die Veranstalter erwarten 1500 Teilnehmer und bieten Vorträge in Deutsch, Englisch und Spanisch an.

Wie die Deutsche Burschenschaft, die keine Ausländer aufnimmt, mit dieser Offenheit umgehen, ist unklar. Auf seinem Antwortbeantworter äußert Pressesprecher Rausch eine Bitte: "Deutlich zu sprechen, keine Fremdwörter zu benutzen und die deutsche Sprache korrekt zu bedienen."



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