Burschenschaften Rechtsweg nicht ausgeschlossen

In Studentenverbindungen tragen junge Männer bunte Uniformen, träumen vom Großdeutschen Reich, saufen literweise Bier und zerhacken sich mit Säbeln das Gesicht. Soweit das Klischee. Die Realität ist komplizierter.

Von Alexander Hüsing


Studentische Verbindungen gibt es zahlreiche: Für die meisten sind es jedoch immer Burschenschaften
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Studentische Verbindungen gibt es zahlreiche: Für die meisten sind es jedoch immer Burschenschaften

Um die gravierenden Unterschiede zwischen den Verbindungen kümmert sich kaum jemand: So gibt es weltliche, konfessionelle, schlagende, nicht schlagende, farbentragende Burschenschaften, Landsmannschaften, Corps, Turner- oder Sängerschaften. Doch alle werden gerne mit dem Stempel "rechtsextrem" versehen.

In die rechte Ecke rücken die studentischen Verbindungen immer wieder einzelne Burschenschaften - zuletzt die Münchner Danubia. Seit geraumer Zeit steht die Verbindung ebenso wie die Bundesbrüder von Teutonia Regensburg und Frankonia Erlangen unter Beobachtung des Verfassungsschutzes. So durften etwa im Danubia-Haus bekannte Rechte wie der ehemalige stellvertretende NPD-Parteivorsitzende Felix Buck, der Franzose Alain de Benoist und NPD-Anwalt Horst Mahler ihre merkwürdigen Ansichten vortragen.

Rechten Worten folgen Taten

Den nationalen Worten lassen manche Burschenschafter offenbar gerne Taten folgen: Im Januar dieses Jahres fand im Danubia-Haus der mutmaßliche Haupttäter eines brutalen Überfalls auf einen Griechen Unterschlupf, so der Münchner Oberstaatsanwalt Manfred Wick. Ein Bundesbruder von den Regensburger Teutonen habe den Verdächtigen dorthin gebracht. Zudem sei ein Mitglied der Danubia in die Tat verwickelt, so Wick.

Andere Burschenschaften distanzierten sich danach öffentlich von den Danuben: "Solches Verhalten lässt sich nicht mit dem urburschenschaftlichen Gedanken vereinbaren und wird daher von uns abgelehnt", heißt es beispielsweise in einer Pressemitteilung der Burschenschaft Teutonia zu Jena.

Auch die Verbindungen in München sehen die Entwicklungen bei der Danubia kritisch: "Sollten sich die Vorwürfe als begründet herausstellen, so verurteilen wir das Verhalten der Verantwortlichen auf das Schärfste", teilten die Burschenschaften Alemannia, Arminia-Rhenania, Franco-Bavaria und Stauffia mit. Die Erklärung nicht unterschrieben haben bisher die Münchner Bundesbrüder von Cimbria und Elektra Teplitz.

Hauptstadt der Bewegung

Die Burschenschaft Elektra Teplitz fiel vor einem halben Jahr negativ auf, als bekannt wurde, dass der Militärische Abschirmdienst (MAD) gegen drei Mitglieder der Verbindung wegen Verbreitung rechtsextremen Gedankenguts ermittelt haben soll. Die Burschenschafter waren Offiziersanwärter der Bundeswehruniversität. Auf der Internetseite von Elektra Teplitz wurde unter anderem München in altdeutschen Lettern stramm rechts als "Hauptstadt der Bewegung" gefeiert.

Offen für rechte Spinnereien sind scheinbar auch die Mitglieder der Burschenschaft Germania Hamburg. Bereits seit einiger Zeit beobachtet der Verfassungsschutz die Verbindung. Im Germanenhaus referierte etwa schon der britische Holocaustleugner David Irving. In den vergangenen Jahren hielten bei den Germanen unter anderem der ehemalige schleswig-holsteinische Landesvorsitzende der Republikaner Emil Schlee und Karlheinz Weißmann, Autor der rechts-konservativen Zeitung "Junge Freiheit", Vorträge.

Wenige rechte Verbindungen schaden dem Ansehen
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Wenige rechte Verbindungen schaden dem Ansehen

Organisiert ist der Großteil der Burschenschaften im Verband Deutsche Burschenschaft (DB). Insgesamt 15.000 Mitglieder und Alte Herren in 119 deutschen und österreichischen Burschenschaften sind darin zurzeit versammelt. Die Prinzipien der DB heißen "Ehre, Freiheit, Vaterland". So sieht der farbentragende Verband "das deutsche Vaterland unabhängig von staatlichen Grenzen" und fordert "die ausdrückliche Verpflichtung zum Einsatz für das Vaterland".

Wiedervereinigung von Deutschland und Österreich

Bereits 1996 spalteten sich vom DB acht studentische Korporationen ab und gründeten in Hannover die als liberal geltende "Neue Deutsche Burschenschaft" (NeueDB). Zur Abspaltung kam es vor allem durch die nationale Ausrichtung des alten Verbandes. Auf einem Burschentag im Jahre 1995 wurde etwa die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten gefordert - gemeint waren Deutschland und Österreich.

Derlei Expansionswünsche gibt es in der NeueDB nicht. Der Verband akzeptiert in seinen Grundsätzen die Grenzen der Bundesrepublik Deutschland als "politische Grenzen des deutschen Vaterlandes". Im neuen, ebenfalls farbentragenden Verband sind im Gegensatz zum DB auch Zivildienstleistende und Ausländer, die die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen haben, als Mitglieder zugelassen.

"Ob wir auch Ausländer ohne deutschen Pass aufnehmen, wird noch diskutiert", so Nils Bargmann, Fuchsmajor bei der Burschenschaft Alt-Germania in Hannover. Zurzeit umfasst die NeueDB 21 Burschenschaften mit über 4000 Mitgliedern. In beiden Verbänden gibt es zwar Fechtunterricht, das Schlagen der Mensur ist aber jedem freigestellt.

Im zweiten Teil "Frauen fechten nicht": Mehr zu Damen-Verbindungen, Landsmannschaften, Corps, Turner- und Sängerschaften



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