Campus-Maut Theater-Studenten sollen falsch spielen

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2. Teil: Unvereinbare Positionen


Für die betroffenen 134 Fachschaftsvertreter läuft morgen die offizielle Frist ab, bis zu der sie noch ihre Studiengebühren überweisen können. "Noch ist niemand exmatrikuliert", betont Gerhard Möller, "und bevor das geschieht, wird auch noch eine Mahnung mit Nachfrist verschickt." Martin Ströhmeier, hochschulpolitischer Referent des Bochumer AStA, betont aber, dass die Studenten bei ihrer Haltung bleiben: "Wir werden jetzt Widerspruch mit aufschiebender Wirkung einlegen und einen Anwalt einschalten."

Kanzler Gerhard Möller versucht unterdessen, ähnliche Konflikte für die Zukunft auszuschließen. Er will in die Gebührenordnung eine Formulierung aufnehmen lassen, nach der es nur eine begrenzte Zahl von Fachschaftsmitgliedern geben kann – die dann von den Studiengebühren befreit werden. Einen konkreten Vorschlag dazu gibt es auch schon: 20 Leute könne die Fachschaft umfassen, wenn es bis zu 1000 Studierende im jeweiligen Fach gibt. Für jeweils 100 zusätzliche Studenten käme ein weiteres Fachschaftsmitglied hinzu. Gerhard Möller: "Das ist sehr großzügig gerechnet, wäre aber praktikabel."

Keine Chance, sagen jedoch die Studentenvertreter – und pochen auf Einhaltung der bestehenden Gebührenordnung. "Die Rechtslage ist klar, das kann die Uni-Verwaltung nicht einfach nach Lust und Laune ändern", sagt Kathrin Ebmeier. Und Fredrik Dehnerdt vom bundesweiten Aktionsbündnis gegen Studiengebühren (abs), das sich mittlerweile in den Fall eingeschaltet hat, schimpft: "Wenn die Ruhr-Uni mit dieser repressiven Zwangsexmatrikulation durchkommt, ist in Zukunft niemand mehr vor ähnlich willkürlichen Handlungen durch die Uni-Leitung geschützt." Weil auch die Gegenseite mit harten Bandagen kämpft – ein Uni-Sprecher stufte das studentische Verhalten vor Journalisten als "Betrug" ein – scheint eine Einigung derzeit kaum möglich. Die schrille Bochumer Gebühren-Posse dürfte also noch ein paar Fortsetzungen erleben.



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