Achtung, #CatContent Katerstimmung auf dem Campus

Gestresste Akademiker lieben Katzen. CampusCat, Poolkatze und Fräulein Sinner heißen Tiere, die an Unis leben. Mitarbeiter und Studenten kultivieren den Cat content - warum nur?

Ramona Löffler

Von Saskia Ibrom


Es passiert nicht häufig, dass die Universität Konstanz einen Nachruf an alle Studenten und Mitarbeiter verschickt. Doch Sammy war, so stand es in der E-Mail zu seinem Ableben, der "wohl bemerkenswerteste Angehörige unserer Universität".

Sammy war ein Kater. Er hatte schwarzes Fell mit weißen Flecken und eine Leidenschaft für das akademische Umfeld. Er war zehn Jahre lang der Konstanzer Campuskater. Sammys Facebook-Seite zählt immer noch mehr als 3700 Likes, seine Homepage wurde in eine Gedenkseite umgewandelt. Fans verkauften nach dem Tod des Katers T-Shirts mit seinem Bild, Sammys Asche wurde in einer liebevoll gestalteten Urne deponiert.

Katzen erweichen Herzen und lösen Verzückung aus sowie ein schwer zu beschreibendes Fürsorgebedürfnis. Katzenvideos erzielen bei YouTube regelmäßig absurd hohe Klickraten, Google findet rund 20 Millionen Treffer zur Grumpy Cat (Heidi Klum: rund 16 Millionen), und British Airways erleichtert nervösen Passagieren die Flugreisen mittlerweile mit einem TV-Kanal, der ausschließlich Katzen- und Hundevideos zeigt. Cat sells, auch auf dem Campus und auch im UniSPIEGEL.

Beruhigen Katzen auch gestresste Akademiker und umgekehrt - oder ist es einfach einer Laune ihrer Natur geschuldet, dass sich einige von ihnen einen Uni-Campus als Wohnort aussuchen? Man weiß es nicht. Bekannt ist nur: Auch in Freiburg, Augsburg und Hildesheim gibt es Katzen auf dem Campus, in Bayreuth wird ebenfalls immer mal wieder ein Exemplar gesichtet. Sie heißen CampusCat, Poolkatze oder Fräulein Sinner.

Ramona Löffler, die Sammys Internetpräsenzen pflegt, erklärt ihre Begeisterung für das Tier so: "Ich als Katzenbesitzerin und Katzenfan fand es einfach klasse, dass die Uni, an der ich studiert habe, eine Katze hatte. Dass sich ein Kater den großen Campus, auf dem viel los ist, als Zuhause ausgesucht hat."

"Die schlaueste Katze der Welt"

Sammys Wunsch nach einem Leben in der akademischen Welt war - Zufall oder Schicksal - anscheinend riesig: Ursprünglich gehörte der Kater einer Familie, die nahe der Uni wohnte. Doch immer wieder lief Sammy zum Campus. Kaum hatte die Familie das Tier erneut von der Uni abgeholt, lief es schon wieder dorthin. Wie es der Zufall - oder das Schicksal - wollte, zogen seine Besitzer eines Tages in die Schweiz. Da entschieden sie sich, Sammy seinen Willen zu lassen, und übergaben dem Uni-Personal seine Papiere.

Wenn er nicht gestorben wäre, am 21. März 2013, als er wegen eines Tumors eingeschläfert werden musste, wäre Sammy auch heute noch der Uni-Kater von Konstanz.

Fräulein Sinners Start an der Universität Hildesheim war dagegen weniger romantisch. Vor zwölf Jahren entdeckte die Verwaltungsmitarbeiterin Monika Sinner die herrenlose, abgemagerte und verletzte Katze, die sich im Winter an der heißen Luft aus der Entlüftung der Uni-Bibliothek wärmte. Monika Sinner päppelte das grau-weiß getigerte Tier wieder auf und wurde nicht nur die Retterin der Katze, sondern auch deren Namensgeberin - ein wenig romantisch, immerhin.

Alle Versuche, die Katze danach in einer Pflegefamilie oder einem Tierheim unterzubringen, schlugen fehl: Fräulein Sinner kehrte immer wieder zurück. Monika Sinner gab schließlich auf, mittlerweile kümmern sich die Wissenschaftler an den Instituten darum, dass die Katze wohlauf ist, darunter, so erzählen es Uni-Mitarbeiter, auch ein Herr mit Katzenallergie.

In Hildesheim hätte man Fräulein Sinner eben ins Herz geschlossen, heißt es in der Pressestelle der Uni. Annedoris Bruns, Sekretärin am Institut für Erziehungswissenschaften in Hildesheim, sagt: "Eigentlich ist sie die schlaueste Katze der Welt, weil sie gern in Seminarräumen liegt."

Hach.

Hunde-Therapie auf dem Campus: Streicheln gegen Prüfungsstress
  • REUTERS
    Prüfungen, Erfolgsdruck, Zeitnot: Zur Entspannung ihrer Studenten holen sich einige Unis in Nordamerika junge Hunde auf den Campus. Auch eine deutsche Uni bietet ein bisschen Streicheltherapie - allerdings eher unfreiwillig.

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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
strohkopf 20.08.2014
1. Gute Idee
Na das wäre doch mal eine gute Idee mit der man einigen Tierheimkatzen ein schönes Umfeld ermöglichen könnte. Zwei drei Katzen auf dem Campus stören niemanden, erfreuen aber viele.
rant0r 20.08.2014
2.
hehe, die poolkatze saß mal auf meinem fahrrad ^^
dena.ulm 20.08.2014
3. ist Fräulein Sinner...
noch in Hildesheim? Wenn ja, dann ist sie der eineiige Zwilling meiner Fundkatze! Erstaunlich!
nordschaf 20.08.2014
4. Mohrle, Mathe-Katze an den TU Berlin
Als ich Anfang der 90er an der TU Berlin studiert habe, wohnte dort "Mohrle, die Mathe-Katze" in einem Schrankfach der Pförtner im Mathe-Gebäude. Mohrle war passenderweise schwarz und hatte sich selbst bei den Pförtnern einquartiert. Als ich fragte, warum sie denn eine Katze hätten, sagten die Pförtner, dass Mohrle beschlossen hätte, bei ihnen zu leben und es seitdem im Keller des Mathegebäudes keine Probleme mehr mit Mäusen gebe. Mohrle würde das besser hinbekommen, als alle Mittel, die man vorher probiert habe. Es gab damals dann außer mir noch einige andere Studierende, die öfter mal Futter für Mohrle bei den Pförtnern abgegeben haben und eine Schmuseeinheit mit ihr liess man natürlich auch nie aus.
tchantchès 20.08.2014
5. Zur Klarstellung
Die Katzen leben nicht bei uns. Wir leben bei ihnen.
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