Charmante Campuskomödie Jetzt schlägt's 13

Bummelstudenten brauchen schon mal 13 Semester bis zum Examen. So wie Drehbuchautor Oliver Ziegenbalg. Sein Uni-Leben hat er im Film "13 Semester" verarbeitet. Im Interview erzählt der Wirtschaftsmathematiker von Sinnkrisen im Studium - und Uni-Alpträumen, die ihn noch heute plagen.


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Film "13 Semester": Die Uni als Lebenslabor
SPIEGEL ONLINE: Herr Ziegenbalg, Sie sind 38, Ihr Studium liegt schon elf Jahre zurück - warum so spät noch ein Film darüber?

Oliver Ziegenbalg: Die Idee ist schon acht Jahre alt. Das Thema lag in der Luft, weil Regisseur Frieder Wittich damals sein Filmstudium beendete und einen Stoff für seinen Debütfilm suchte. Und ich hatte gerade einen Romanentwurf über mein Studentenleben geschrieben.

SPIEGEL ONLINE: Filme darüber gibt es schon so viele. Was ist neu an "13 Semester"?

Ziegenbalg: In Amerika ist das ein gängiges Genre, es gibt College- und Campusfilme. In deutschen Filmen diente das Uni-Leben höchstens als Hintergrund - für Liebesfilme oder "Coming of Age"-Geschichten. Einen Film, der das Studieren selbst zum Thema hat, den gab es hier noch nicht.

SPIEGEL ONLINE: Am ehesten wohl noch "Die Feuerzangenbowle" - aber der ist uralt und spielt in der Schule.

Ziegenbalg: Was man ja nie glauben würde, weil Heinz Rühmann schon 40 war, als er die Rolle spielte: dass der ein Schüler sein soll! Dennoch läuft der Film zu jedem Semesterbeginn in jeder deutschen Uni. Sicher auch, weil die Schulatmosphäre so zentral ist - wir wollten das auf die Uni übertragen.

SPIEGEL ONLINE: Also Mensa, Hörsäle, Lerngruppen?

Ziegenbalg: Jeder kennt das, angefangen beim Mensaessen. Der Film erzählt ein Semester nach dem anderen, jedes der Kapitel behandelt eine dieser archetypischen Situationen aus persönlicher Sicht: der erste Tag, neue Leute kennenlernen, Wohnung suchen, Auslandssemester, Sinnkrise.

SPIEGEL ONLINE: Dazu gehören auch die klassischen Uni-Typen - die Hauptfigur Momo etwa, gespielt von Max Riemelt, ist Bummelstudent.

Ziegenbalg: Wir wollten den typischen Dauerstudenten, der einfach nie fertig wird und lieber jobbt, genauso zeigen wie den Streber. Dabei war uns immer wichtig, dass die Figuren authentisch wirken und keine Klischees bleiben. Alle Figuren und Geschichten gab es übrigens wirklich.

SPIEGEL ONLINE: Zum Beispiel?

Ziegenbalg: Momos WG-Mitbewohner heißt Bernd. Mein Mitbewohner während des gesamten Studiums hieß auch Bernd - mein Zwillingsbruder. Er studierte reine Mathematik, ich Wirtschaftsmathematik.

SPIEGEL ONLINE: So wie Momo im Film. Was ist so besonders an dem Studiengang?

Ziegenbalg: Das Besondere ist, dass er so unbesonders ist. Das war wichtig für die Geschichte. Man sollte sich damit identifizieren können - Kunst etwa wäre zu exotisch. Aber die Probleme sind letztendlich ja für alle gleich: Ein Zimmer müssen sich auch Juristen und Lehramtsstudenten suchen.

SPIEGEL ONLINE: Nur ist Wirtschaftsmathematik männerlastiger als andere Fächer.

Ziegenbalg: Absolut, darum findet Momo seine Freundin ja auch bei den Architekten. An meinem ersten Uni-Tag waren fast nur Männer da. Ich dachte, das darf nicht wahr sein! Am Ende war ausschlaggebend, dass ich wusste, wie ein Wirtschaftsmathematikstudium abläuft.

SPIEGEL ONLINE: Man sieht's an den detailverliebten Beweisführungen an der Tafel ...

Ziegenbalg: Das sind Abschriebe meiner alten Vorlesungsunterlagen. Es war ein Schock, sie in der Hand zu haben. Als ich beim Dreh durch die Darmstädter Uni ging, lief es mir kalt den Rücken runter. Die Gänge technischer Universitäten gleichen sich sehr, alles Nachkriegsbauten. Und die Dozenten schauen dich aus übermüdeten Augen an.

SPIEGEL ONLINE: Apropos: Ihr Vater ist Mathematikprofessor. Haben Sie ihn um Rat gefragt?

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
fatherted98 07.01.2010
1. Gäääähn....
Zitat von sysopBummelstudenten brauchen schon mal 13 Semester bis zum Examen. So wie Drehbuchautor Oliver Ziegenbalg. Sein Unileben hat er im Film "13 Semester" verarbeitet. Im Interview erzählt der Wirtschaftsmathematiker von Sinnkrisen im Studium und Uni-Alpträumen, die ihn noch heute plagen. http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,667402,00.html
Gähn....was für ein Blödsinn!
Epistemiker 07.01.2010
2. falsches Studienfach
Der wesentliche Punkt am Studium von Herrn Ziegenbalg scheint mir nicht die Semesterzahl zu sein, sondern die Tatsache, dass er das falsche Fach studiert hat.
peer bieberich 07.01.2010
3. Einfach nur traurig
Es ist schon unglaublich wie ein ehemals kritisches Medium von Elitendienstleister Bertelsmann unterwandert wurde und so unter dem fortbestehenden Image des investegativen Journalismus und reflektierten Bewertens Schleichwerbung für Bertelsmann-Propaganda macht. Mal ehrlich: Bertelsmann, Deutschlands Ministerium für Wahrheit, ist das Hauptziel der abflauenden Studentenproteste gewesen, was die von Bertelsmann kontrollierten überregionalen Medien natürlich nie gewusst haben wollen. Und dann wird hier ein Film als charmant in den PR-Himmel gelobt, der auf RTL mit dem Spruch "Wir zeigen, wie das Studentenleben wirklich ist" beworben wird. Das ist Kampangencharakter und typisch für die desinforamtive, konzentrierte Medienlandschaft, in der sich jeder Konsument so individuell gebildet und informiert vorkommen kann, wie er möchte. Wer den Datenkranz der Propagandalügen durchbrechen möchte, sollte einmal sich Macht-Struktur-Analysen über die Bertelsmann-Ag nebst Stiftung beschaffen und sich richtig informieren statt infomieren zu lassen...
Meckermann 07.01.2010
4. Bummelstudent?
Also 13 Semester würde ich noch nicht als Bummelstudium bezeichnen, das liegt in einigen Fächern (z.B. Naturwissenschaften) nur knapp über der Regelstudienzeit. Da hat man mal ein bisschen Pech mit überfüllten Praktika oder nicht bestandenen Klausuren und schwups ist es passiert. Wer dann noch das Fach wechselt wird erst recht nicht schneller fertig.
mac0814 07.01.2010
5. naja..
ne, also 13 Semester ist normal, denke ich. Da is man noch kein Bummelstudent... bei 18 Semestern triffts dann schon eher zu, wobei derjenige komplett neben dem Studium gearbeitet hat und nie Bafög bezog. ^_^
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