Schummel-Abwehr Drohne überwacht chinesische Schüler

Millionen chinesischer Schüler werden bei der Uni-Prüfung von Drohnen überwacht. Sie sollen Funksignale abfangen - denn bei der Zitterprüfung Gaokao wird mit Hörkapseln und Mini-Sendern heftig geschummelt.

Gaokao-Überwachung: Big Brother lauscht aus der Luft
Dong lifei/ Imaginechina

Gaokao-Überwachung: Big Brother lauscht aus der Luft


Es ist die vermutlich größte Massenprüfung der Welt: Seit Sonntag brüten wieder gut zehn Millionen Chinesen über der Nationalen Zulassungsprüfung zu den Universitäten des Landes. Auf jeden Studienplatz kommen rund drei Bewerber - bei diesem Ansturm ist das Schummeln verlockend. Und die Chinesen mogeln auf Hightech-Niveau.

Beliebt sind beispielsweise kabellose Mini-Kopfhörer, "Knöpfe fürs Ohr", wie sie auch von Fernsehmoderatoren benutzt werden. Verkäufer bieten sie auf dem Schwarzmarkt an - mit dem Versprechen, während der Prüfung die richtigen Antworten einzuflüstern. Die wollen sie entweder von Mittelsmännern bekommen, die sie in die Prüfungsräume einschleusen oder von geschmierten Dozenten.

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Prüfungen in China: Pfuschen auf Hightech
Der chinesischen Regierung ist das Problem bekannt. Etliche Hochschulen schirmen ihr Gelände während der dreitägigen Prüfungsphase gegen Mobilfunksignale ab, andere setzen Kameras ein oder durchleuchteten die Taschen der Prüflinge am Eingang. In der Provinz Henan gehen die Regierungsvertreter nun noch einen Schritt weiter: Sie setzen eine Drohne ein, um Funksignale aufzuspüren. Das berichtet die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf einen Vertreter des Radio Supervision and Regulation Bureau.

"Eine Drohne hat viele Vorteile. Sie kann bis zu 500 Meter hoch aufsteigen und Signale aus der ganzen Stadt empfangen", sagt Überwachungsorganisator Lan Zhigang. Das Fluggerät habe mehrere Hunderttausend Yuan gekostet, umgerechnet mehr als 16.000 Euro. Am Sonntag, dem ersten Prüfungstag, habe sie aber keine verdächtigen Signale empfangen.

Nach Angaben des chinesischen Bildungsministeriums wurden seit Ende Mai 23 Menschen im Zusammenhang mit Schummeleien bei den in China Gaokao genannten Tests festgenommen. Das Übermitteln von Antworten per Funktechnik kann mit Gefängnis bestraft werden. Studenten, die beim Schummeln erwischt werden, werden bis zu drei Jahre für die Prüfungen gesperrt. Und ohne Uni-Abschluss bleibt den meisten Chinesen nur eine Wahl: ein schlecht bezahlter Fabrikjob.

vet/AP



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felisconcolor 10.06.2015
1. Tja
in Deutschland gehört die Schummelei während der Klassenarbeiten via WhatsApp ja zum guten Ton.
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