Samenspende vom besten Kumpel "Freunde sind die besseren Eltern"

Mutter, Vater, Kind, und alle lieben sich? Jule, 29, und ihre Freunde glauben nicht mehr an das Modell der klassischen Familie. Nachwuchs hätten sie trotzdem gern. Co-Parenting heißt ihre Lösung.

Wer gehört zu wem? Ist doch eigentlich egal. Oder?
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Wer gehört zu wem? Ist doch eigentlich egal. Oder?


Zur Person
  • Alexandru Herca
    Jule, 29, schreibt aus Leidenschaft über die Liebe, vor allem auf ihrem Blog. Wenn sie nicht gerade über die Irrungen und Wirrungen der Gefühlswelt nachdenkt oder durch Berlin läuft, arbeitet sie im IT-Bereich einer Bank.

Ein Traummann, zwei Kinder und ein Haustier. So stellten meine beste Freundin und ich uns die Bilderbuchfamilie vor, die wir spätestens mit 25 Jahren gründen wollten. Heute sind wir fast 30, kinderlos und haben Katzen.

Ich kenne in meinem Freundeskreis niemanden, der seine romantisierte Familienvorstellung umsetzen konnte. Dabei wünschen wir uns nichts sehnlicher, als etwas weitergeben zu können. Wir tindern, daten, suchen unter jedem Kieselstein nach dem passenden Partner, aber mehr als kurzfristige Affären kommen dabei nicht heraus.

Wer heute 30 ist, muss erst einmal einen Partner finden, mit diesem eine stabile Beziehung aufbauen, das gemeinsame Leben organisieren und erst dann wird mit dem "Kinder machen" losgelegt. Mit Glück sind die Protagonisten um die 35, wenn es so richtig ernst wird. Wer garantiert aber, dass es sofort klappen will mit dem Verschmelzen, der Zellteilung und dem schreienden Bündel Mensch? Eine Beziehung, die nach dieser Wunschvorstellung funktioniert, kann nicht geplant werden.

Dabei hat meine Generation doch gelernt, dass wir unser Leben in der Hand haben. Wir können selbst entscheiden, welche Ausbildung oder welches Studium wir in Angriff nehmen, wir können uns die Haare blau färben, wenn wir Gefallen daran finden, wir können auf Fleisch verzichten, abends keine Kohlenhydrate mehr essen oder einfach mal ein paar Jahre auswandern.

Zu einem Kind zu kommen, ohne es jemandem durch ungeschützten Sex aufzuzwingen, ist eines der Hauptthemen in meinem Freundeskreis, wenn wir uns zu unserem regelmäßigen Stammtisch verabreden. "Wisst ihr, ich habe schon ernsthaft über die Verwendung einer Samenspende nachgedacht", gestand eine Freundin. Sie glaube nicht mehr an die lebenslange Liebe und stabile Beziehungen, irgendwann werde sie sowieso als Alleinerziehende dastehen.

Nur, wo herbekommen, die kleinen Spermien zum großen Glück? Ein anonymer Mann von der Samenbank? Auf keinen Fall. "Ich würde es machen", flüsterte eine Stimme vom anderen Ende des Tisches. Es war unser Freund Stefan, der sich spontan zu diesem Angebot hinreißen ließ. Zuerst waren wir sprachlos, dann entfachte eine immer lauter werdende Diskussion - und nach vielen "Das geht doch nicht" und "Aber..." kamen wir zu dem Schluss: Geht doch!

Warum kann ein Kind eigentlich nicht von zwei Freunden großgezogen werden?

Reicht es nicht, das Kind zu lieben, anstatt denjenigen, mit dem man es gezeugt hat? Es ist keine Beziehung notwendig, um ein glückliches Kind großzuziehen, lautete die einstimmige Meinung meines Stammtisches. Umso länger wir über das Modell Co-Parenting sprachen, desto idealer erschien es uns.

Die Beziehungsqualität nimmt bei einem Großteil der Paare nach der Geburt eines Kindes ab. Eine stabile Freundschaft hält oft ein Leben lang. Warum auf die große Liebe warten, wenn wir gar nicht wissen können, ob sie uns jemals über den Weg läuft? Warum auf das vermeintliche Glück warten, wenn wir unsere Wünsche auch auf anderen Wegen umsetzen können?

So, wie wir heutzutage Beziehungen führen, kurz und intensiv, aber ohne längeren Bestand, kann das klassische Familienbild nicht länger bestehen. Zeit, es zu überdenken. Wäre es für unseren zukünftigen Nachwuchs nicht besser, in freundschaftlichen Verhältnissen aufzuwachsen? Würden wir uns damit nicht viel Leid ersparen?"

Die ewige Suche nach der oder dem Eine/n, der zeitliche Druck, der uns im Nacken sitzt, der Herzschmerz, den wir nach verlorenen Lieben durchstehen müssen, das alles trägt nicht zu einem Umfeld bei, in dem ein glückliches Kind aufwachsen kann. In Zeiten von Tinder & Co, in denen Partner immer austauschbarer erscheinen, braucht es neue Wege, um Nachwuchs in stabilen Verhältnissen liebevoll großzuziehen.

Schon im Kindergarten hatte ich mir mit meinem damaligen besten Freund geschworen, wenn wir beide mit 35 noch Single und kinderlos sind, starten wir das Projekt Nachwuchs gemeinsam. Die einen mögen das kindliche Naivität nennen, für mich ist es ein durchaus denkbarer Weg.

Stefan hat seine Samenspende bis dato noch nicht in die Tat umgesetzt, steht aber zu seinem Angebot, sozusagen "auf Abruf". Und die Planungen werden immer konkreter. Ich freue mich schon auf das erste Freundschaftsbaby.



insgesamt 146 Beiträge
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Seite 1
larry_lustig 07.11.2017
1. Spätestens wenn einer der "Co-Parents" einen Partner findet
fangen die Schwierigkeiten an.... Und unter normalen Situation sind Vater und Mutter in einer funktionierenden Beziehung die besseren Eltern, als Co-Parents. (wieder so ein sinnfreier Angliszismus)
cremuel 07.11.2017
2.
"Schon im Kindergarten hatte ich mir mit meinem damaligen besten Freund geschworen, wenn wir beide mit 35 noch Single und kinderlos sind, starten wir das Projekt Nachwuchs gemeinsam." Logo. Schon im Kindergarten. Falls die Autorin nicht doch über so viel Selbsterkenntnis verfügen sollte, ihre gesamte Sicht auf die Welt als Kindergarten zu sehen, ist das genau so ausgedacht wie der Rest des Artikels. Warum ist das nicht auf Bento? Aber wenn Ihr es irgendwie mit großen Vibratoren und/oder was mit Medien kombiniert, lässt es sich sicher zweit/dritt/...verwerten.
mixow 07.11.2017
3. Falsche Prämisse
Die Autorin arbeitet unter der Annahme, dass "Eine stabile Freundschaft [...] oft ein Leben lang [hält].". Sobald diese nicht mehr gilt fällt der "Ansatz" in sich zusammen. Ein Freud als Samenspender -- bitte. Hoffen, dass dadurch nicht Nöte, Stress und Ängste wie in einer echten Beziehung in die "Co-Familie" einziehen -- eine Illusion. Das wird eine harte Probe für die Freundschaft, wenn der Samenspender tatsächlich beim Großziehen teilnehmen soll.
jule_blogt 07.11.2017
4. Ganz so ausgedacht....
... ist der Text übrigens nicht ;) Da habe ich gar keine Zeit für.
FocusTurnier 07.11.2017
5. Väterrechte
Zitat von larry_lustigfangen die Schwierigkeiten an.... Und unter normalen Situation sind Vater und Mutter in einer funktionierenden Beziehung die besseren Eltern, als Co-Parents. (wieder so ein sinnfreier Angliszismus)
Die Schwierigkeiten dürfte dann wohl eher der biologische Vater des Kindes haben. Der hat in dieser Konstellation ja nur Väterrechte, solange die Kindsmutter das gestattet. Und sonald die einen neuen Freund hat......
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