Datenleck Interne Papiere enthüllen Rechtsextremismus bei Burschenschaften

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Rüpeleien unter Burschen: Rassismus und Kinnhaken


Kabale und Hiebe: Handgreiflichkeiten wegen eines dunkelhäutigen Verbandsbruders
DPA

Kabale und Hiebe: Handgreiflichkeiten wegen eines dunkelhäutigen Verbandsbruders

Der Abschlussbericht zu den Regionalkonferenzen vom Februar 2010 konstatiert zu den Umgangsformen unter den Verbandsbrüdern der Deutschen Burschenschaft:

"Man kennt sich nicht mehr wie Früher und der gegenseitige Umgang ist von Unkenntnis, Vorurteilen und Misstrauen geprägt, während man doch gemeinsame Ziele anstrebt."

"Niedere Beleidigungen und körperliche Gewalt erwartet man zwar an für sich nicht von ehrenhaften Burschenschaftern- im Allgemeinen auch nicht von Menschen mit einer guten Kinderstube. Umso erstaunlich ist es, mit wie viel Selbstbewusstsein und Selbstverständlichkeit mancher Akademiker und Burschenschafter bisweilen dennoch die primitivsten Umgangsformen präsentiert."

"Unvermeidbare defensive Notwehr ausgenommen, bleibt dem Burschenschafter als einzige Antwort auf im entgegengebrachtes Fehlverhalten ein Handeln gemäß der Ehrenordnung der DB und gegebenenfalls des Strafgesetzbuches. Wo diese Einsicht verloren gegangen ist und ihr zuwider gehandelt wird, muss der Verband- vertreten durch jeden einzelnen Verbandsbruder belehrend auftreten und in letzter Instanz auch strafen. Ansonsten muss damit gerechnet werden, dass die Beispiele schlechter Umgangsformen Schule machen werden und letztendlich auch der Kinnhaken seinen festen Platz im Arsenal der in der DB gebräuchlichen Verhandlungsmethoden erhält. Die Zeiten in welchen sich die Burschenschaften von anderen Korporationsformen durch ehrenhaftes und vornehmes Auftreten deutlich abgehoben haben sind leider vorüber."
(Nachrichtenblatt 308 vom 6. Februar 2010)

Bereits auf dem Burschentag 2009 sorgte die Anwesenheit eines Verbandsbruders mit Migrationshintergrund für einen Eklat. Ein dunkelhäutiger Bursche der Kölner Alemannia wurde Opfer rassistischer Ausfälle und Angriffe von rechtsextremen Verbandsbrüdern. Der Abschlussbericht beklagt, wie die Rassisten dem Verband insgesamt schaden - und benutzt trotz der Kritik an den Ausfällen selbst das Wort "pigmentiert" für den attackierten dunkelhäutigen Bundesbruder:

"Andererseits gibt es Verbandsbrüder, welche Haar sträubenden Auslegungen der Grundsätze Ehre, Freiheit und Vaterland präsentieren. Bei ihnen wäre das Vaterland eben erst einmal das Wichtigste, dann kämen Ehre und Freiheit - wobei die Gebote aus Ehre und Freiheit auch gelegentlich zu Gunsten des Vaterlandes vernachlässigt werden müssten. In diesem Sinne ist wiederum als Erlebnis zu nennen, wie ein Verbandsbruder den Versuch unternahm, aus der burschenschaftlichen Ehre die Erlaubnis zur rassischen Diskriminierung eines pigmentierten Verbandsbruders herzuleiten."
(Nachrichtenblatt 308 vom 6. Februar 2010)

Aus dem Brandbrief der liberal-konservativen "Stuttgarter Initiative" vom März 2010 an alle Mitgliedsbünde der DB:

"Die Bemühungen, in den Blöcken innerhalb der Deutschen Burschenschaft für mehr Toleranz und Achtung gegenüber der Meinung des Anderen zu werben, waren ebenfalls nicht erfolgreich. Im Gegenteil, die Vorgänge vor und nach dem Kommers beim Burschentag 2009, das ganz unerträgliche Verhalten einiger Verbandsbrüder gegenüber einem Aktiven der Kölner Burschenschaft Alemannia, haben den Graben noch tiefer werden lassen."
(DB-Schnellinformation Nr. 15 im Geschäftsjahr 2009/2010)

- orthographische Fehler wie im Original -

Burschen-Leaks: Einblick in eine verschworene Gemeinschaft

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Seite 1
BartSimpson, 15.07.2011
1.
Zitat von sysopEs ist ein Desaster für die Deutsche Burschenschaft: Eine Fülle brisanter interner Dokumente ist an die Öffentlichkeit durchgesickert. Die Protokolle und Strategiepapiere legen die desolate Lage der Studentenbünde offen - und*ihre Unfähigkeit, rechtsextremen Brüdern Einhalt zu gebieten. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,774524,00.html
Jetzt bin ich aber überrascht.
wolffsohn 15.07.2011
2. Europas Antidemokraten Sorgen Uns...
ZITAT: "Den Trend der antidemokratischen, sich gegen die Menschen Europas richtenden Strömungen kann man nur aufhalten, wenn man Brüssel mehr Entscheidungsmacht überantwortet und Europa anstelle eines Kommissionspräsidenten jetzt endlich einen gemeinsamen Präsidenten nach Vorbild der USA benennt, der den Staatsregierungen und seinen Gouverneuren übergeordnet ist. Zur Zeit aber erlebt Europa den Fortschritt des Rückschritts." Den ganzen Artikel lesen Sie hier: http://brainlux-contor.blogspot.com/2011/07/danemarks-nazis-zerstoren-europa.html
Berta, 15.07.2011
3. Und sowas sitzt später wieder
in den Verwaltungen usw. hört das denn nie auf.
joey55 15.07.2011
4.
Jämmerlich ist allein dieser Bericht. 40 von 123 Burschenschaften dominieren den Verband? Lächerlich. Dass sich der Spiegel einer Berichterstattung über Gewalttaten gegenüber Verbindungsstudenten jeder Couleur verweigert ist bezeichnend. Das ist nichts als reiner Skandaljournalismus, der sich auf vereinzelte Dokumente und Aussagen stützt, aber die Veröffentlichung liberaler Beschlüsse und Dokumente unetrlässt.
otto huebner 15.07.2011
5. wer wie ein clown ..........
Zitat von sysopEs ist ein Desaster für die Deutsche Burschenschaft: Eine Fülle brisanter interner Dokumente ist an die Öffentlichkeit durchgesickert. Die Protokolle und Strategiepapiere legen die desolate Lage der Studentenbünde offen - und*ihre Unfähigkeit, rechtsextremen Brüdern Einhalt zu gebieten. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,774524,00.html
rumlaeuft wird wie ein clown wahrgenommen. die nimmt doch KEINER wirklich ernst.
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