Kritik an Datenschutz Münchner Unis erhalten Negativpreis

Einen Preis, den niemand haben will, haben die beiden Münchner Unis LMU und TU bekommen - für schlampigen Datenschutz. Ein Verein rügt sie mit dem "Big Brother Award" für Online-Lernangebote.

Eine der beiden Preisträgerinnen: die TU München (Archivbild)
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Eine der beiden Preisträgerinnen: die TU München (Archivbild)


Seit Freitag dürfen sich die Ludwig-Maximilians-Universität und die Technische Universität München offiziell als "Datenkraken" bezeichnen. Das bescheinigt ihnen jedenfalls die Jury des "Big Brother Award". Der Anti-Preis wird von Datenschutzaktivisten seit 17 Jahren an Institutionen und Personen verliehen, die ihrer Ansicht nach besonders leichtfertig mit schutzwürdigen Daten umgehen.

"Diesmal sind mit den beiden Münchner Unis zum ersten Mal zwei Bildungseinrichtungen dabei", sagt Friedemann Ebelt, der zu den Initiatoren des Preises gehört. Ausgewählt wurden die Hochschulen, weil sie mit dem Online-Kursanbieter Coursera kooperieren und über diesen Dienstleister ihre Moocs, die "Massive Open Online Courses", laufen lassen. Münchner Studenten, aber auch Nutzer aus aller Welt können dort beispielsweise Videovorlesungen anschauen und sich dafür Leistungspunkte gutschreiben lassen.

Die US-Firma Coursera ist Weltmarktführer bei Online-Kursen - und für die Datenschützer ein rotes Tuch. Denn das Unternehmen behalte sich in seinem Standardvertrag vor, die Daten der Studenten gezielt zu filtern und für eigene Werbekampagnen zu nutzen.

"Wir bewerten die Kooperation der Münchner Hochschulen mit Coursera vor allem als eine Marketingmaßnahme", heißt es in der Begründung der Preisjury. Die LMU und die TU könnten sich so weltweit präsentieren und damit in eine Reihe mit internationalen Elite-Unis stellen. "Die Datenschutzproblematik scheint dabei aber ausgeblendet zu sein", kritisieren die Juroren.

Die LMU wollte sich zum Erhalt des Preises nicht äußern. Die TU teilte mit, man habe Kooperationen "mit den weltweit bekanntesten seriösen Mooc-Plattformen" geschlossen. Nutzer könnten sich dort auch unter Pseudonym anmelden, die TU selbst gebe keine persönlichen Daten an die Plattformen weiter.

Die Teilnahme an den Münchner Moocs ist für Studenten derzeit noch freiwillig. Die Initiatoren des "Big Brother Award" verstehen den Preis deshalb als "Warnung an die Hochschulen, Online-Kurse bei datenschutztechnisch zweifelhaften Anbietern nicht zum Pflichtangebot für den Scheinerwerb zu machen".

Die weiteren Preisträger sind in diesem Jahr Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (Kategorie Behörden), die Prudsys AG (Verbraucherschutz), die Türkisch-islamische Union Ditib (Politik), der IT-Branchenverband Bitkom (Wirtschaft) und die PLT Planung für Logistik & Transport GmbH (Arbeitswelt).

Lesen Sie aktuell mehr zu dem Preis im Ressort Netzwelt.

him



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nutzer007 11.05.2017
1.
Wenn ich so die Preisträger (Von der Leyen, Bitkom und zwei der größten und renommiertesten deutschen Universitäten) betrachte, kommt es mir eher so vor als würde dieser "Verein" mit bekannten Größen Aufmerksamkeit ergattern wollen. An meinem eigenen Beispiel kann man es ja sehen, da ich von diesem Preis zuvor noch nie etwas gehört habe. Zufall ist es auf jeden Fall nicht, dass gerade die zwei Unis mit annähernd 100.000 Studenten und Bestplatzierungen in großen weltweiten Rankings so einen Preis erhalten und keine Kleinstadt-Einrichtung mit regionaler Bekanntkeit.
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