Leben und Lernen

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Depressionen im Studium

Am Leistungsdruck fast zerbrochen

Sie haben hohe Ansprüche an sich selbst und meist noch einen Nebenjob: Das ist für viele Studierende belastend. Nicht selten mündet die Überforderung in Depression. Eine Betroffene berichtet.

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DPA

Donnerstag, 15.02.2018   10:29 Uhr

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Franziska* sieht heute zufrieden aus, gleich kommen ihre Gäste. Dass die 28-Jährige wieder Besuch empfangen will, ist ein gutes Zeichen. Franziska hatte eine Krankheit, die man auf den ersten Blick nicht sehen kann. Diagnose: Depression. Sie hat zehn Wochen in stationärer Behandlung verbracht. Auslöser: ihr Studium. Seit fast einem Jahr ist sie inzwischen zurück aus der Klinik.

Nach dem Abitur war sie erst in Australien für einen "Work and Travel"-Aufenthalt und zog dann nach Berlin, um Psychologie zu studieren. Schließlich begann sie einen Master, wollte sich auf Gehirnforschung spezialisieren - bis sie merkte, dass sie sich nur noch durchquälte. "Dass man das Studieren nicht mehr aushält, muss man sich erst mal eingestehen. Jeder erzählt einem doch, das sei die schönste Zeit im Leben", sagt sie heute.

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Die Techniker Krankenkasse schreibt in ihrem Gesundheitsreport von 2015, dass bei zehn Prozent der Studentinnen und sieben Prozent aller Studierenden eine Depression diagnostiziert wurde. Zudem verschrieben Ärzte Studierenden in den vergangenen Jahren immer mehr Antidepressiva. Experten machen Leistungsdruck und straffe Zeitpläne der Universitäten dafür verantwortlich.

Keine Zeit für Pausen

Franziska hatte stets gute Noten, immer einen Nebenjob, absolvierte Auslandsaufenthalte in den USA und Praktika. Zeit für Pausen blieb ihr kaum.

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Irgendwann merkte sie, dass sie sich für etwas anstrengte, das ihr keinen Spaß machte: "Es wird dir gesagt, was du leisten musst. Nur die Umsetzung musst du dann irgendwie selbst schaffen." Es fiel ihr auf einmal schwer, einfache Texte zu lesen oder zu schreiben. Das gab es vorher nie, vor allem weil diese Blockaden ein Gefühl der Ausweglosigkeit auslösten: "Ich saß nur noch da und habe in den Bildschirm gestarrt. Ich wusste nicht mehr, was ich als Nächstes tun soll." Dazu kamen Weinattacken und das Gefühl, in ihrem Körper säße ein schwarzer, schwerer Klumpen.

Zuerst schob sie die dunklen Gefühle auf die Trennung von ihrem Freund und versuchte, den Schmerz mit Alkohol und Drogen zu verdrängen. Dann probierte sie es mit Stimmungsaufhellern wie Johanniskraut. Aber Antriebslosigkeit und innere Leere blieben. Und schließlich kamen noch körperliche Beschwerden hinzu: Nach Zahn-, Mandel-, Rippenfell-, Lungenentzündungen und einer Krebsvorstufe konnte sie nicht mehr. "Mein Immunsystem ist einfach zusammengekracht." Eine Freundin brachte sie schließlich dazu, in die Klinik zu gehen.

Laut Studierendenwerk Berlin wurden rund 26 Prozent aller Beratungsstunden in 2016 wegen depressiver Verstimmungen durchgeführt. Symptome sind wie bei Franziska oft Rückzugsverhalten, Antriebslosigkeit oder Konzentrationsschwierigkeiten. Meist sind ähnliche Szenarien die Auslöser: eine Trennung oder Schwierigkeiten im Studium.

Eine schwierige Erkenntnis

Franziskas Therapeutin hat ihr das so erklärt: Bei ihr trafen der Wunsch nach guter Leistung und die Angst vor dem Versagen mit einem straffen Stundenplan aufeinander. Die Trennung ließ dann das seelische Gleichgewicht ins Taumeln geraten. Plötzlich hatte sie den Eindruck, mit den anderen nicht mehr mithalten zu können.

Eine schwierige Erkenntnis: "Natürlich kommen die Erwartungen auch von außen. Aber genauso hat man diese Erwartungen an sich selbst, wenn man sieht, was alle anderen machen. Es ist ein Teufelskreis und keiner steigt aus."

Franziska zweifelt, ob ein anderer Weg überhaupt gangbar ist: "Wie realistisch ist es, eine Stufe runter zu schrauben?" Sie hat mittlerweile einen anderen Master in Psychologie angefangen und trotz Qualen den ersten nie abgebrochen. Sie will die investierte Zeit nicht einfach wegwerfen. "Eigentlich bin ich gerade wieder fast an der Belastungsgrenze."

Franziska weiß, dass die Krankheit noch in der Nähe lauert. Aber der Unterschied zu früher ist, dass sie ihre Grenzen erkennt. Zwar befindet sie sich heute immer noch im Teufelskreis aus Arbeit, Uni und guten Noten. Aber sie hat wieder Spaß an den Inhalten gefunden. Texte schreiben fällt ihr wieder leicht. Auf ihre Party kann sie sich wieder freuen.

Franziska geht heute dreimal pro Woche zu einer Therapeutin. Sie lernt, sich von schädlichen Dingen fernzuhalten: Stress, Überlastung, Alkohol, aber auch dem eigenen Erwartungsdruck. Sie soll sich selbst besser kennenlernen: "Vor allem muss man sich damit auseinandersetzen, was von innen kommt." Sie weiß: Wenn sie das nicht tut, wird sie wieder krank.

*Name geändert

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