Studentinnen bei Castingshow "Der Bachelor" Uni-Abschluss? Ich will lieber einen Mann

Der Weg zum Uni-Abschluss ist anstrengend. Außerdem kann man den "Bachelor" auch anders bekommen, denken sich manche Studentinnen, zum Beispiel im Fernsehen. Sind die doof?

Von Judith Liere

Kandidatinnen mit dem "Bachelor" (M.): 22 Frauen kämpften um die Gunst von Junggeselle Christian
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Kandidatinnen mit dem "Bachelor" (M.): 22 Frauen kämpften um die Gunst von Junggeselle Christian


Was sind das für Frauen, die vor einem Millionenpublikum um die Gunst eines wildfremden Schönlings buhlen, der vorgibt, Junggeselle zu sein? Die es okay finden, dass dieser "Bachelor" sie lüstern mustert und Sätze sagt wie: "Sie ist der Hammer und hat einen tollen Po." Wie ticken Frauen, die mit diesem Typen kitschige Ausflüge machen und sich von ihm abknutschen lassen? Sind die doof?

Auf jeden Fall haben es einige von ihnen sogar bis zum Abitur gebracht und sich an der Uni eingeschrieben. Zum Beispiel Ela, Angelina, Nadja, Saskia, Lena und Kim, sechs Studentinnen, die bei der vierten Staffel der RTL-Castingshow "Der Bachelor" dabei waren. Wer etwas über sie erfahren will, kann die RTL-Website ansteuern und ihr Profil lesen. Die 21-jährige Ela aus Hamburg studiert demnach Jura im dritten Semester, nach eigenen Angaben aber "hobbymäßig" - mit diesem Einsatz reicht es wohl eher nicht für eine Karriere als Richterin. Ihre weiteren Hobbys neben Jura: "shoppen" und "edles Design". Sie sagt über sich selbst: "Ich denke schon, dass ich schlau bin." Die Zuschauer, die in der Sendung unter anderem gesehen haben, wie sie gegen eine Glastür rennt, denken das eher nicht mehr.

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Studentinnen auf "Bachelor"-Jagd: Bitte recht freundlich
Lena, 23, aus Mülheim an der Ruhr, studiert Psychologie und hat als Berufswunsch Schauspielerin angegeben - finde den Fehler. Die 21-jährige Angelina ist in Sozialpädagogik eingeschrieben, ihr Vorbild ist Sylvie Meis, ehemals Sylvie van der Vaart. Angelinas Hobbys: "shoppen" und "Nägel lackieren". Das Küken der Sendung schaffte es bis ins Finale, sie wurde also erst als 21. vom "Bachelor" Christian rausgewählt, einem glatzköpfigen Mittdreißiger mit stechendem Blick, der hauptberuflich einen "Relaxation-Drink" vertreibt, was immer das auch sein mag. Christian entschied sich am Ende für Katja, eine Parfümerie-Fachverkäuferin und Tochter eines sächsischen Bordellbetreibers.

Als die erste Staffel des "Bachelor" 2003 ins Fernsehen kam, herrschte noch Entsetzen: "Menschenverachtend" sei das, "die fieseste, abgründigste und verkommenste TV-Sendung seit Menschengedenken", schrieb die "Süddeutsche Zeitung". Politiker wie die SPD-Frau Sabine Bätzing forderten sogar die Absetzung: "Das Frauenbild, das dem Publikum vermittelt wird, ist erschreckend und erinnert mich an den arabischen Kamelhandel."

Gute zehn Jahre später ist die Empörung weitestgehend verpufft, die Zuschauer sind abgestumpft von Formaten wie "Big Brother", "Bauer sucht Frau", "Sommermädchen", "Frauentausch" und "Germany's Next Topmodel". Das Prinzip Castingshow, das bislang unbekannte Menschen in die Öffentlichkeit bringt und den höchsten Unterhaltungswert erzielt, wenn die sich richtig blöd und peinlich verhalten, ist inzwischen eine feste Größe im Fernsehprogramm.

"Es gibt auch genug doofe Studenten"

Das Mitleid mit den Kandidaten hält sich in Grenzen: Eigentlich sollte mittlerweile jeder, der bei solchen Sendungen mitmacht, wissen, auf was man sich einlässt und welche Art von Berühmtheit man darüber erlangt. Wer klug genug ist, verzichtet besser darauf. Imke Arntjen, Geschäftsführerin der Berliner "Agentur 030Casting", sucht potentielle Kandidaten fürs Reality-TV daher auch meist in Großraumdiscos, da habe sie mehr Erfolg als auf dem Uni-Campus. Trotzdem gehen ihr auf der Suche nach Kandidaten auch genügend Hochschülerinnen ins Netz: Von den 17.000 Menschen, die in ihrer Kartei darauf warten, entdeckt zu werden, sind etwa 80 Prozent Frauen - und 2500 an der Uni eingeschrieben, schätzt sie.

"Die Fleischereiverkäuferin", sagt Arntjen, "ist zwar oftmals einfacher gestrickt und eher bereit, bei solchen Fernsehformaten mitzumachen. Aber es gibt auch genug doofe Studenten, die genauso wenig können wie andere Leute auch." Nachwuchs-Akademikerinnen zum Beispiel, die den kindlich-naiven Traum vom Prinzessinnenleben träumen. Ein Traum, der im Zeitalter der Castingshows ja auch leichter wahr werden kann denn je. Um bewundert im Mittelpunkt zu stehen und viele schöne Kleider zu tragen, braucht man keine adlige Herkunft mehr, um berühmt zu werden, muss man kein außergewöhnliches Talent mehr vorweisen, man muss nicht mehr fleißig sein, um Erfolg zu haben. Man muss nur fernsehtauglich aussehen und bereit sein, sich selbst vorzuführen.

Hoffnung auf den zweiten Bildungsweg

Zugeben will das natürlich kaum eine der Kandidatinnen. Lehramtsstudentin Nadja, 25, etwa beharrt beim Telefoninterview darauf, dass sie in der Sendung wirklich "ihren Traummann" finden wollte. Aber sie sei auch "anders als die meisten der Kandidatinnen. Ich habe keine Fanseite gegründet, ich habe meine Uni nicht abgebrochen, habe keine Angebote angenommen, in einer Girlgroup auf Mallorca mitzumachen oder bezahlte Clubbesuche zu machen". Stattdessen lerne sie für ihr Erstes Staatsexamen.

Die Sozialpädagogikstudentin Angelina, die es ja bis ins Finale schaffte, sieht das offenbar anders. Sie pflegt mit mangelhaften Interpunktionskenntnissen ihre Facebook-Seite, postet Schmink- und Modefotos von sich und lässt sich als VIP in einer Disco in Bochum feiern, die mit ihrer Anwesenheit sowie mit Bacardi-Sprite für drei Euro wirbt. In der Sendung freute Angelina sich sehr darüber, dass der Junggeselle über sie urteilte: "Angelina kann nicht nur gut aussehen, sondern auch gut küssen." Dass es am Ende dann doch nicht ganz klappte mit dem Bachelor, heißt nicht, dass Angelina sich nun ihre Karrierepläne abschminken muss: Schon zwei ehemalige "Bachelor"-Kandidatinnen waren später im Dschungelcamp. Es gibt also noch Hoffnung auf den zweiten Bildungsweg.

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insgesamt 128 Beiträge
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Seite 1
c-hrissi 03.05.2014
1.
Das sehe ich an meiner Uni auch. Habe oft das Gefühl,dass manche Mädels studieren,nur um einen Kerl zu finden und nicht,weil sie das Fach interessiert. Da geht es dann in der Vorlesung gerne mal um den schönsten Nagellack, welche Handtasche nun in ist und wer wen mal wieder abgeschleppt hat. Irgendwie primitiv und sehr traurig,wie sich mein Geschlecht gibt
trxs 03.05.2014
2.
Die Mädels (und Jungs -Stichwort Bachelorette) werden Großteils aus Modelagenturen angefragt und dementsprechend auch bezahlt. Mehrfach so im Bekanntenkreis erlebt nur waren die sich zu schade für paar Tausend ihren Namen öffentlich abzubrennen.
seluona 03.05.2014
3. Ist doch zu erwarten
Zitat von sysopRTLDer Weg zum Uni-Abschluss ist anstrengend. Außerdem kann man den "Bachelor" auch anders bekommen, denken sich manche Studentinnen, zum Beispiel im Fernsehen. Sind die doof? http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/der-bachelor-wie-schlau-die-kandidatinnen-wirklich-sind-a-964969.html
Bei solchen Wünschen: Angelinas Hobbys: "shoppen" und "Nägel lackieren". da wundert mich gar nichts mehr, aber der Vorwurf geht eher an die Medien die solche Pisa-Künstler züchten helfen. Da sieht man das Ergebnis der Konsum manipulation der Medien, widerlich.
spon-facebook-10000065223 03.05.2014
4. Professora
Nicht jeder oder jede, die studieren sind "lebensklug". Ein Abitur heißt noch nicht, feste Normen und Wertvorstellungen zu haben. wenn es denn so wäre, würden sich nicht nur die jungen "Darstellerinnen" fragen, warum sie zur Fleischbeschauung gehen sondern vor allem die studierten Medienfachleute, warum sie das den jungen Frauen das antun. Moderner medialer Mädchenhandel wird von der Seite der Profis organisiert. Ich würde mich über eine Serie "Der knackigste Teenager" leider nicht mehr wundern - nur wenn sich keine Eltern finden, die so was auch noch mitmachen. Die kritische Öffentlichkeit sollte hier mal ihre Verantwortung wahrnehmen, den die anderen beider Parts haben ja scheinbar keine.
großwolke 03.05.2014
5. optional
Der Denkfehler der Damen liegt nicht unbedingt darin, einen wohlhabenden Partner dem eigenen beruflichen Erfolg vorzuziehen, DAS wäre durchaus ein valider (wenn auch riskanter) Weg, der, das wollen wir nicht vergessen, noch vor gar nicht so langer Zeit in den sog. "alten" Bundesländern ein oft angetroffener Normalfall war. Nein, was die falsch sehen, ist der Glaube, dass sich reiche Kerle für Frauen interessieren, die außer gut aussehen nix können. Wer sich eine hauptberufliche Ehefrau ins Haus holt, will schließlich von dieser den Haushalt gut gemacht und die zukünftigen Kinder vernünftig großgezogen wissen.
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